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Ein Betreuungsproblem hat Familie Mehring aus Weilheim: Ohne Hortplatz für Miriam „müsste einer von uns seinen Job kündigen“, sagen Margit und Johannes Mehring.

Ein echtes Problem

Eltern in Weilheim verzweifeln: Krippenplätze reichen, Hortplätze fehlen

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Gut aufgestellt in Sachen „Kita“ sieht sich die Stadt Weilheim: Die Plätze in Kinderkrippen und Kindergärten scheinen für kommendes Jahr auszureichen. Doch im Hort-Bereich hat man ein Problem.

Weilheim – Kommenden September hat Miriam ihren ersten Schultag. Doch ob sie dann auch einen Hortplatz hat, das steht noch in den Sternen – obwohl sich ihre Eltern seit Monaten darum bemühen, wie Johannes Mehring, der Papa der Sechsjährigen, berichtet. Schon vergangenes Jahr fragten sie an, wurden dann aufs Frühjahr 2020 vertröstet.

Noch vor der Schuleinschreibung im März, die heuer coronabedingt telefonisch stattfand, hätten sie ihre Hort-Anmeldungen eingereicht, sagt Mehring – bei der Stadt und bei zwei Einrichtungen. Doch für Miriam, die ein Einzelkind ist, gebe es keinen Platz, so bald darauf die Auskunft. Die wenigen frei gewordenen Plätze seien schon mit Geschwisterkindern belegt.

Hoffnung auf Hortplatz schnell wieder verflogen

Hoffnung machte den Mehrings Anfang des Jahres noch ein Elternsprechtag in der Ammerschule. Wenn alle Stricke reißen, so sei dort vermittelt worden, könnten sie die Mittagsbetreuung in der Schule in Anspruch nehmen. Doch schon zwei Tage nach der Schuleinschreibung sei dieses Angebot „völlig überbucht“ gewesen, wie sie inzwischen erfuhren. Also auch dort: keine Chance.

Nun haben die Eltern nur noch eine Hoffnung: Die Stadt versucht, die „Offene Ganztagsschule“ (OGTS) an der Hardtschule aufzustocken. Auch dieses Angebot ist eigentlich voll, für Herbst sind bereits rund 170 Kinder angemeldet. Doch es könnte –mit einigem Aufwand – noch eine weitere Gruppe gebildet werden, dafür müssten zehn Kinder von der Ammer- in die Hardtschule wechseln. Elterngespräche dafür laufen laut Stadt derzeit. Das Ergebnis ist noch offen.

Wenn es auch damit nichts wird, hätten sie ein echtes Problem, sagt Johannes Mehring, der als IT-Kundenbetreuer bei einer Landesbehörde in München angestellt ist und dessen Frau Margit als Arzthelferin in einem spezialisierten Labor in Starnberg arbeitet: „Dann müsste einer von uns seinen Job kündigen. Aber dann müssten wir aus Weilheim wegziehen. Mit nur einem Gehalt könnten wir es uns hier nicht leisten.“

Die Situation in Sachen „Hort“

Dass es bei der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder ab Herbst zwickt, bestätigen die Verantwortlichen im Weilheimer Rathaus: Während es 2019 „sehr gut rausgegangen“ sei und 2018 mangels Bedarf sogar eine Hortgruppe in eine Kindergartengruppe umgewandelt wurde, stieg die Nachfrage heuer stark an, sagt Sabine Meindl-Leiter, die in der Stadtverwaltung das Online-Anmeldeverfahren betreut. Sowohl die Hortplätze (insgesamt rund 185 in Weilheim) als auch die Mittagsbetreuung an der Ammerschule und die OGTS an der Hardtschule seien ausgebucht. Auf der Warteliste stünden derzeit an die 20 Kinder.

„Wir tun, was wir können“, betont 2. Bürgermeisterin Angelika Flock, die auch Stadtratsreferentin für Kindertagesstätten ist, und verweist auf die Erweiterung der OGTS. „Aber wir können aktuell keinen neuen Hort bauen.“ Einen Rechtsanspruch auf einen Hortplatz gibt es in Bayern übrigens noch nicht. „Das kommt wohl ab 2025“, sagt Stefan Popp von der Hauptverwaltung im Rathaus, „und wird wohl in Richtung OGTS gehen“.

Die Situation in Krippe und Kindergarten

Was Kindergärten und -krippen betrifft, reicht das Angebot in Weilheim ab September offenbar aus. „Im Vergleich zum letzten Jahr stehen wir sehr gut da“, sagt Flock. Bei den Krippen gibt es wohl gar einen Überschuss an Plätzen. Bei den Kindergartengruppen sei man derzeit noch am „Hin- und Herjonglieren“, so Meindl-Leiter. Aber: „Wir hoffen und sind guter Dinge, dass jeder einen Platz bekommt.“

Dafür habe die Stadt auch „mächtig Gas gegeben“, unterstreicht Flock. 24 Krippen- und 65 Kindergartenplätze seien im Laufe des Jahres dazugekommen – Letztere entstehen gerade in der neuen Kita an der Kanalstraße und in einem Bauwagen beim Kneipp-Kinderhaus Mariae Himmelfahrt. Und der Bedarf steige weiter. „Sobald neue Plätze da sind, sind sie voll“, weiß Johannes Lehnert vom Kinder- und Jugendbüro im Rathaus: „Wir müssen kontinuierlich weiter planen und ausbauen.“

„Vergabehoheit“ bleibt bei Einrichtungen

Aktuell sind in den 23 Betreuungseinrichtungen in Weilheim insgesamt 1070 Kinder untergebracht. Mit der neuen Großtagespflege an der Pöltnerstraße (wir berichteten) gibt es ab September schon 24 Einrichtungen, zudem war soeben Baubeginn für die neue Kita „Sonnenäcker“ neben der Hardtschule. „Wir haben jede Konfession, jede Konzeption“, fasst Lehnert zusammen: „Es ist ein Wahnsinns-Angebot in Weilheim – und dementsprechend eine Wahnsinns-Arbeit.“ In der Stadtverwaltung sind allein mit der Organisation mittlerweile fünf Mitarbeiter beschäftigt.

Übrigens: Ab 2021 wird die Kita-Anmeldung voraussichtlich nur noch über die vor drei Jahren entwickelte Online-Plattform der Stadt laufen. Doch die „Vergabehoheit“ haben weiter die Einrichtungen selbst, betont Lehnert. Deshalb sei nach wie vor der Kontakt zwischen Eltern und Einrichtungen gefragt, etwa über Gespräche und Schnuppertage.

Dass immer wieder mal Plätze fehlen, wird aber kaum zu verhindern sein. Popp verweist auf das „grundsätzliche Problem“, dass in Bayern – anders als etwa in Baden-Württemberg – „keine Vorratsplätze finanziert werden“.

Kritik am Vergabesystem der Stadt

Das Vergabesystem für die Weilheimer Kinderbetreuungs-Einrichtungen müsste überarbeitet werden – das fordert eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden will (Name ist der Redaktion bekannt), in einer Mail an unsere Zeitung. „Verstehen Sie mich nicht falsch“, schreibt die Weilheimerin: „Nach den Absagen unserer drei Wunscheinrichtungen waren wir heilfroh, doch noch einen Krippenplatz ergattert zu haben!“ Doch sie wundere sich über die Vergabe. Denn ihre Wunscheinrichtungen habe die Familie, der Anfahrt wegen, rein nach Nähe zur Wohnung bzw. zur Arbeitsstelle gewählt. Trotz Wohnung in der Böbinger Straße und Arbeit in der Röntgenstraße habe man nun einen Krippenplatz in der Andreas-Schmidtner-Straße bekommen, „während andere Eltern, die näher an der Andreas-Schmidtner-Straße wohnen, einen Platz für ihr Kind in einer ,unserer’ Wunscheinrichtungen bekommen haben – ohne Geschwisterkinder oder andere Faktoren wohlgemerkt“. Fazit der Mutter: Bei der Anmeldung sollte auch die Arbeitsstelle der Eltern abgefragt werden. Ohne diese Information werde ja „geradezu geplant“ innerstädtischer Verkehr produziert. Als „begeisterte Radfahrerin“ hätte sie ihr Kind „auch im Winter mit dem Fahrradanhänger in die Krippe gebracht“, schreibt die Weilheimerin: „Doch rein logistisch bleibt mir nun nur noch der Umstieg aufs Auto. Schade, liebe Stadt!“ Im Kita-Anmeldeverfahren auch die Arbeitsstellen der Eltern zu berücksichtigen, das hält Angelika Flock, die Stadtratsreferentin für Kindertagesstätten, nicht für nötig: Eltern könnten die Wunscheinrichtungen ja entsprechend auswählen, das Verfahren an sich sollte nicht noch komplizierter werden. Gewiss sei nicht in jedem Fall die Unterbringung in einer der Wunscheinrichtungen möglich – so sehr sich die Stadt auch bemühe. „Doch in Weilheim ist wirklich alles gut zu erreichen“, fügt Sabine Meindl-Leiter seitens der Stadtverwaltung an.

Lesen Sie auch: Mitten in der Weilheimer Altstadt soll es ab Herbst 20 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder im Krippenalter geben: Der Münchener Träger „A:KitZ!“ will im zweiten Stock des Geschäftshauses Pöltnerstraße 25 zwei Gruppen mit so genannten Großtagespflegeplätzen anbieten.

Seit Wochen dürfen die meisten Buben und Mädchen wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in den Kindergarten oder die Krippe gehen. Das „Spatzennest“ in Penzberg hat sich seither zum Teil in eine virtuelle Kita verwandelt.

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