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Unter freiem Himmel präsentierte der Weilheimer Künstler Reiner Heidorn seine neuesten Werke, die deutlich von Süßwassertropfen inspiriert wurden. 

Starkünstler Reiner Heidorn lädt ein

Endlich wieder Kunst in Weilheim: Eintauchen ins Grün

Zu einer „Studioshow“ lud der Weilheimer Künstler Reiner Heidorn ein. Die ausgehungerten Kunstfreunde aus der Region dankten es ihm.

Weilheim – Der Hunger nach dem analogen Kunsterlebnis scheint groß zu sein. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltungen rollen zahlreiche Wagen auf den Autohof, der Reiner Heidorns Atelier beherbergt.

Nicht nur Weilheimer Kennzeichen sind da zu sehen, sondern etliche aus München, aus Starnberg sowie aus weiter entfernten Regionen der Republik bis hinauf nach Frankfurt. Der Künstler hängt eben noch ein großformatiges Gemälde mit intensiv leuchten Farben in Grüntönen an eine Werkstatt-Wand.

Draußen wohlgemerkt, obwohl Gewitter angesagt ist. Ist seine Kunst denn wetterfest? „Das Gewitter ist doch abgesagt“, entgegnet Heidorn entspannt. „Aber wenn’s wirklich losgeht, habe ich das mit ein paar Kumpels ganz schnell nach drinnen geholt.“ Außerdem könne die Ölfarbe, wenn sie erst richtig ausgetrocknet sei, schon ein wenig Feuchtigkeit aushalten.

Mit dieser Information aus allererster Hand kann man nun beruhigt die Gemälde betrachten, die, geschickt gehängt, allmählich vom Werkstatthof hinein ins Atelier führen. Alle sehr großformatig, alle das Thema grün variierend. Meist abstrakt, doch da fällt ein weiß-grünes Manga-Mädchen, alleine auf einer grauen Wand, ins Auge.

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Im kleinen Innenhof vor dem Atelier groovt sich schon mal die Band ein. Joscha Arnold am Saxophon und Ludwig Wandinger am Schlagzeug produzieren chillige Lounge-Klänge. Etliche Besucher-Grüppchen sind ins Gespräch vertieft. Wirkt irgendwie ganz wie früher. Corona – war da was?

Doch da biegt Heidorn, der nun eine selbst bemalte Maske trägt, um die Ecke und gibt Auskunft. „Hier draußen ist es doch ohne okay, drinnen im Atelier müssen dann aber alle eine Maske tragen.“ Aha! Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb die meisten Gäste lieber gleich draußen bleiben. Nur Getränke und einen kleinen Imbiss holt man sich drinnen und eilt dann wieder hinaus.

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Wer indes drinnen bleibt, hat so genügend Raum und Muße, die Bilder eingehend zu betrachten. Diese teichgrüne Grundstimmung hat etwas zugleich Anziehendes wie Beruhigendes. Man möchte in sie hinein tauchen.

Die Assoziation zur Natur stellt sich sofort ein. Meist bleibt die Darstellung abstrakt. Neben dem Manga-Mädchen sind zwei mysteriöse Geisterwesen zu entdecken, weiß auf grün, dazu ein schwarzes Pferd. Dann ein Tierpaar, durchsichtig-weißlich im dichten grünen Gras, eine Schnecke und ein Erdmännchen?

Brasilianische Wassertropfen ähneln denen aus Weilheim

Schließlich ein geisterhafter Kopf mit so etwas wie sechs Augen. Träume in Corona-Zeiten, in denen, wie Forscher bestätigten, tatsächlich mehr und intensiver geträumt wurde? Der Versuch, in der Hinwendung zur grünen Natur Trost zu finden? „Mein großes Thema derzeit ist die Botanik“, gibt der Künstler Auskunft. „Ich nehme Mikroskopbilder von Süßwassertropfen als Ausgangspunkte für meine Werke. Eine Freundin aus Brasilien hat mir Wassertropfen von dort geschickt. Erstaunlicherweise unterscheiden sie sich nur wenig von denen aus den hiesigen Seen.“

Das erklärt die tiefgrüne Grundstruktur mit ihren weißlichen Schleiern. Aber es entzaubert sie auch ein wenig. Mittlerweile sind etliche weitere Gäste hinzugekommen zur Studioshow, die Heidorn in Zusammenarbeit mit „Deto Kunst Channel“ München ausgerichtet hat.

Die Frage, ob es noch so etwas wie eine offizielle Eröffnung mit Redebeiträgen gebe, erschreckt ihn fast: „Hoffentlich nicht!“ Ihm taugt es gerade so, wie es ist: Viele Leute, endlich wieder live beisammen und vor Ort, die sich in einen direkten Austausch miteinander begeben können.

VON SABINE NÄHER

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