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Energiepreise treffen auf Energieschleudern: Wie bereiten sich die Kommunen auf Herbst und Winter vor?

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Von: Christoph Peters, Wolfgang Schörner, Magnus Reitinger, Sebastian Tauchnitz, Kathrin Hauser, Elena Siegl, Katrin Kleinschmidt

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Noch schneller als der Gaszähler dreht sich in den Köpfen der meisten Landkreisbürger das Sorgenkarussell, wenn sie an den kommenden Winter denken. Bei den Verwaltungen beobachtet man derzeit vor allem die Lage. Die meisten Gebäude werden immer noch mit Gas beheizt
Noch schneller als der Gaszähler dreht sich in den Köpfen der meisten Landkreisbürger das Sorgenkarussell, wenn sie an den kommenden Winter denken. Bei den Verwaltungen beobachtet man derzeit vor allem die Lage. Die meisten Gebäude werden immer noch mit Gas beheizt © BÜTTNER/DPA

Die Energiekrise verschärft sich zunehmend, die Appelle der Politik, Bürger und Unternehmen sollen Strom und Gas sparen, wo immer möglich, nehmen zu. Doch sparen auch die Verwaltungen selbst? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.

Landkreis – Das Landratsamt ist ein Großverbraucher in Sachen Energie, daran besteht kein Zweifel. Knapp elf Millionen Kilowattstunden wurden 2020 allein für das Beheizen der zahlreichen Dienstgebäude und weiterführenden Schulen verbraucht. Dazu kamen noch zweieinhalb Millionen Kilowattstunden Strom. Bislang wurden für Gas und Strom pro Jahr rund 1,4 Millionen Euro ausgegeben. Damit dürfte man heuer nicht mehr besonders weit kommen.

„Wir können auch nicht einfach alle Mitarbeiter ins Homeoffice schicken“, so Landkreis-Pressesprecher Hans Rehbehn. 250 würden ohnehin schon weitgehend von zu Hause aus arbeiten. „Aber die Verwaltungen müssen besetzt und geöffnet bleiben.“ Einen Energiekostenzuschuss für die im Homeoffice Tätigen könne man aus tariflichen Gründen nicht zahlen.

Radom plant Wärmepumpe und PV-Anlage

Einer der größten Energiefresser im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes ist das Radom in Raisting. Zwar unternahm Geschäftsführer René Jakob in den vergangenen Jahren große Anstrengungen, den Verbrauch zu senken – die nötigen Energiemengen sind dennoch immens. Der Wärmeverbrauch sank zwar von 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2008 auf 436 000 Kilowattstunden, der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum ebenfalls um 80 Prozent auf 21 300 Kilowattstunden – teuer wird das heuer dennoch.

Jakob verweist darauf, dass man schon seit Jahren auf eine Kombination von Wärmepumpe und PV-Anlage setzen möchte. Dadurch, dass bei einem Wintersturm allerdings die Hülle des Denkmals abgerissen wurde, sei man damit in Verzug geraten.

Krankenhaus-Chef fürchtet, um mehr Geld bitten zu müssen

Auch der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Thomas Lippmann, macht sich wenig Illusionen: „Die beiden Krankenhäuser in Weilheim und Schongau sind Energieschleudern“, räumt er ein. Allein fast fünf Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht man im Jahr. Große Einsparpotenziale sieht er nicht: „Klar werden wir im Winter die Raumtemperatur in der Verwaltung so stark senken wie möglich“, meint Lippmann. Aber die Patienten dürften nicht frieren und der Betrieb müsse weitergehen. Die Energiekrise würde jetzt schon andere Krankenhäuser an den Rand der Insolvenz bringen. Und auch er rechne damit, dass er heuer noch im Kreistag vorstellig werden müsse, um um Zuschüsse für die immensen Energiekosten bitten zu müssen.

Schongau hat noch keinen „Masterplan“

„Die Stadt Schongau wird ihren Beitrag zum Energiesparen leisten“, sagt Bürgermeister Falk Sluyterman. Den „Masterplan“ habe man allerdings noch nicht. Mit ihren Immobilien ist die Stadt Schongau weitestgehend an die Fernwärme angeschlossen, das sei schon mal sehr gut. Man habe das Thema im Blick und werde mit Beginn der Heizperiode angemessene Maßnahmen ergreifen. Zum Beispiel könne die Temperatur reduziert werden. Auch in Sachen Strom wolle man sparen und sensibilisieren. Etwa über eine Hausmitteilung könnte man dazu aufrufen, den PC nicht über Nacht laufen zu lassen oder das Licht nur da einzuschalten, wo es benötigt wird.

Sperrung der Stadthalle senkt in Weilheim Energiekosten

Auch die Stadt Weilheim hat noch keinen konkreten Maßnahmenkatalog erarbeitet, um Energie zu sparen. Der größte Verbraucher sei das Feuerwehrhaus mit einem jährlichen Verbrauch von rund 300 000 Kilowattstunden. Nur unwesentlich weniger Energie verbrauchen das Rathaus wegen seiner Größe und das Stadttheater wegen der schlechten Gebäudehülle. Die Stadthalle als weiterer Energiefresser ist ohnehin bis Ende 2023 gesperrt, wie Liegenschaftsverwalter Marco Schwentzek mitteilt.

Penzberg will Mitarbeiter sensibilisieren

Bei der Stadt Penzberg hat man einen relativ genauen Überblick über den Strom- und Gasverbrauch der städtischen Gebäude. Erst im vergangenen Mai war der Energiebericht 2020 vorgestellt worden. Demnach basiert der Wärmeverbrauch zu 79 Prozent auf Erdgas. Der nächste Energiebericht wird voraussichtlich im Herbst erstellt. Die Zahlenwerke dienen als Grundlage für die Entscheidung, welche Gebäude energetisch saniert werden. Für die Bürgermeister-Prandl- Schule gibt es bereits eine Machbarkeitsstudie. Allerdings wirkt sich das erst langfristig aus.

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Wie es im Rathaus auf Nachfrage hieß, wurde in der Stadtverwaltung jüngst aber auch darüber gesprochen, wie man – angesichts der drohenden Energiekrise – kurzfristig reagieren kann. Demnach sollen in einer ersten Stufe alle Mitarbeiter sensibilisiert und aufgefordert werden, Energie zu sparen – zum Beispiel, indem die Raumtemperatur geregelt beziehungsweise in den Hallen die Temperatur heruntergefahren wird, wenn sie nicht genutzt werden.

Peitings Bürgermeister sieht „keinen großen Spielraum“

Auch in Peiting blickt man besorgt auf die aktuellen Entwicklungen. Viele kommunale Gebäude wie das Rathaus mit Kindergarten, die alte Mädchenschule, das Klösterle, die Feuerwehrhäuser in Peiting und Birkland oder der Bauhof werden mit Gas beheizt. Noch gebe es keine konkreten Pläne, etwa im Herbst die Raumtemperaturen in den eigenen Liegenschaften zu senken, sagt Bürgermeister Peter Ostenrieder. Man warte erst einmal ab, wie sich die Situation entwickle. Großen Spielraum, auf diese Weise kurzfristig Energie zu sparen, gebe es ohnehin kaum, fügt der Rathauschef hinzu. Man achte schließlich schon jetzt auf einen möglichst geringen Verbrauch.

In Peißenberg fährt die Kehrmaschine seltener

„Wir beobachten die Lage genau und sind dabei in engem Austausch mit den Gemeindewerken“, sagt der Peißenberger Bürgermeister Frank Zellner. Was das Thema „Heizen“ angehe, sei noch nichts beschlossen, „aber wir können sehr kurzfristig entscheiden“, sagt Zellner. Dabei geht es vor allem um das Rathaus der Marktgemeinde, das mit Gas beheizt wird. Da es vor geraumer Zeit nachträglich isoliert wurde, sei der Gasverbrauch inzwischen gesunken. Für den Strom im Gebäude sorgt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, als Dienstwagen wurde ein E-Golf angeschafft. Im Bemühen, Energie einzusparen, habe es vor etwa zwei Monaten Gespräche zwischen Vertretern der Gemeinde und des gemeindlichen Bauhofes gegeben. „Wir haben überprüft, ob jede Fahrt unbedingt nötig ist.“ Daraufhin sei die Kehrmaschine seltener gefahren, so Zellner.

Rottenbuch liebäugelt mit Hackschnitzel-Nahwärmeversorgung

Auch in der vergleichsweise kleinen Gemeinde Rottenbuch grübelt man bereits über die Energiekosten. Derzeit werden die gemeindlichen Liegenschaften (Rathaus, Schule, Gemeindehalle) mit Gas geheizt. Im Gemeinderat wurde bereits im März 2022 über alternativen Möglichkeiten beraten. Auch gibt es aktuell die Idee eine Nahwärmeversorgung auf Basis von Hackschnitzeln auf die Beine zu stellen. Hier laufen momentan die Gespräche. Zwar habe man schon immer Strom und Gas gespart, hieß es aus dem Rathaus, dennoch möchte man aktuell noch mal eine Wartung der gemeindlichen Gasheizungen beauftragen, um hier vielleicht etwas einsparen zu können.

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