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Energiewende contra Denkmalschutz: Solardach am Rathausplatz ist passé

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Von: Magnus Reitinger

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Die Rückseite des Weilheimer Modehauses Echter: Auf den Flachdächern der Nordseite und auch über einem Teil des Parkplatzes sind jetzt PV-Module geplant.
Die Rückseite des Weilheimer Modehauses Echter: Auf den Flachdächern der Nordseite und auch über einem Teil des Parkplatzes sind jetzt PV-Module geplant. © Ruder

Auf dem Süddach des Weilheimer Modehauses Echter darf keine Solaranlage errichtet werden. Die Denkmalschutzbehörde legte ihr Veto ein – was in Weilheims Bauausschuss auf Unverständnis stößt. Wenigstens auf der Rückseite will das Gremium nun Photovoltaik ermöglichen.

Weilheim – Die verschachtelte Dachlandschaft des bekannten Modehauses am Rathausplatz ist nur bedingt für Solarnutzung geeignet. Umso wichtiger wäre es, die nach Süden ausgerichteten Dächer am Rathausplatz mit Photovoltaik-Modulen (PV) zu bestücken, um im Sinne der Ökologie den Eigenanteil an der Stromerzeugung zu erhöhen. Das hatte das Unternehmen eigentlich vor. Doch diese Dächer liegen auf der Schauseite des denkmalgeschützten Ensembles „Obere Stadt“, zu dem das Echter-Gebäude gehört. Für jede Veränderung, die sich auf das Erscheinungsbild des Ensembles auswirken kann, ist eine denkmalrechtliche Erlaubnis nötig. Und die hat die zuständige Behörde inzwischen abgelehnt, hieß es jetzt im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates.

Somit bleibe dem Bauwerber für Solarnutzung „nur der hintere Bereich“, erklärte Stadtbauamt-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer in der jüngsten Sitzung. Echter möchte jetzt auf Flachdächern im rückwärtigen Gebäudeteil PV-Anlagen errichten. Zudem solle „in einem zweiten Schritt“ ein Teil des Kundenparkplatzes mit einer geeigneten Konstruktion überdacht und mit Photovoltaik-Modulen bestückt werden. Für beides muss der Bebauungsplan „Obere Stadt II“ geändert werden: Es gilt darin eine Baufläche für Carports auszuweisen und die festgesetzte Wandhöhe für den Flachdachbereich zu erhöhen – die durch die PV-Elemente um etwa einen Meter überschritten wird.

Denkmalfreund Gast steht allein auf weiter Flur

Diesen Änderungen hat der Bauausschuss einmütig zugestimmt. Die geplanten Anlagen seien „sehr sinnvoll und stören da auch nicht“, befand ÖDP-Vertreter Gerd Ratter. Auch für Klaus Gast ist diese Lösung „etwas Gutes“. Zugleich äußerte der CSU-Stadtrat, der auch als Kreisheimatpfleger fungiert, Verständnis für das Anliegen des Denkmalschutzes, was die Dächer zur Oberen Stadt hin betrifft.

Damit stand Gast in dieser Sitzung allerdings allein auf weiter Flur. Karl-Heinz Grehl (Grüne) nannte die Bedenken der Denkmalschutzbehörde „vollkommen unverständlich“; ihm zufolge wären in diesem Fall PV-Module auf den Süddächern von unten gar nicht zu sehen. „Darauf sollte man von Seiten der Politik hinweisen“, fügte Grehl an und forderte mehr Durchsetzungsvermögen: „Man kann so etwas bauen, auch am Denkmalschutz vorbei.“

Horst Martin: „In 20 Jahren wird auf allen Dächern Photovoltaik sein“

Grundsätzlicher noch wurde Horst Martin: Dass bei Photovoltaik immer wieder der „Schutzgedanke“ bemüht werde – „hier der Denkmalschutz, beim geplanten Solarfeld in Unterhausen der Naturschutz“ –, mache ihn nachdenklich, so der SPD-Vertreter: „Ich habe das Gefühl, wir stehen uns mit unseren verschiedenen Vorgaben und Bedenken oft selber im Weg, die Energiewende zu forcieren.“ Er sei sich indes sicher: „In 20 Jahren wird auf allen Dächern Photovoltaik sein.“

In diesem Sinne solle die Stadt bei der Überarbeitung von Bebauungsplänen im Innenstadtbereich solche Photovoltaik-Anlagen, wie sie nun beantragt wurden, „generell erleichtern“, forderte Stefan Emeis (Grüne): Dachanlagen sollten „überhaupt nicht mehr übermäßig reguliert werden“, so der Umwelt- und Klimareferent des Stadtrates: „Wir könnten uns das Leben damit deutlich leichter machen.“

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