Der Kreisausschuss hat den Vertrag mit der Energiewende Oberland (EWO) um fünf weitere Jahre verlängert.
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Der Kreisausschuss hat den Vertrag mit der Energiewende Oberland (EWO) um fünf weitere Jahre verlängert. (Symbolfoto)

Kreisausschuss verlängert Vertrag

Weilheim-Schongau: Energiewende Oberland soll durchstarten

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Der Kreisausschuss hat den Vertrag mit der Energiewende Oberland (EWO) um fünf weitere Jahre verlängert. Nun gilt es, im Vorhaben, bis 2035 zu 100 Prozent erneuerbare Energien zu verwenden, Vollgas zu geben.

Landkreis – „Es ist noch ein weiter Weg zu gehen, wenn wir unsere selbstgesteckten Klimaziele bis 2035 erreichen wollen“, sagt Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Kreisausschuss. Aber mit der Energiewende Oberland „haben wir einen wichtigen Partner an unserer Seite“. Die Unterstützung, die von dort komme, sei unglaublich.

Der 2016 geschlossene Vertrag mit der EWO laufe Ende des Jahres aus und müsse nun um fünf weitere Jahre verlängert werden, so die Landrätin. Sie spreche sich klar dafür aus. Allerdings gab sie dem EWO-Vorstandsvorsitzenden Stefan Drexlmeier noch eine Mahnung mit: „Die zurückliegenden Jahre waren Jahre des Aufbaus. Jetzt müssen wir richtig in der Umsetzung durchstarten.“

EWO will nichts unversucht lassen

Den Ball nahm Drexlmeier gern auf. „Wir arbeiten ergebnisorientiert und präsentieren Lösungen“, berichtete er. Deswegen sei der Kontakt zu den einzelnen Landkreisen und Mitgliedskommunen im Oberland auch so gut. Dennoch: „Schaut man sich an, wie weit wir auf dem Weg zu unserem Ziel gekommen sind, schaut es düster aus“, so Drexlmeier. Bei der Stromerzeugung kämen bislang 41 Prozent des Gesamtverbrauchs aus erneuerbaren Quellen, beim Verkehr gerade einmal kümmerliche drei Prozent.

Er erinnerte an das „Wunder von der Grotenburg“ beim Europapokalspiel zwischen Uerdingen und Dresden im März 1986. Die Uerdinger hatten das Hinspiel mit 0:2 verloren und lagen zur Halbzeit 1:3 aussichtslos zurück. „Doch sie haben nicht aufgegeben, das Spiel gedreht und am Ende mit 7:3 gewonnen“, so Drexlmeier.

Dass die Uerdinger ihre Aufholjagd auch deswegen erfolgreich zu Ende bringen konnten, weil sie den Dresdner Stammtorwart derart foulten, dass er ausgewechselt werden musste und anschließend nie wieder spielen konnte, ließ er zwar weg, aber die Botschaft kam bei den Kreisräten dennoch an: Wer aufgibt, hat schon verloren.

Und deswegen wolle die EWO nichts unversucht lassen. Mit Zuschüssen von insgesamt 995 000 Euro habe man 11,3 Millionen Euro erwirtschaftet, berichtete der Vorstandsvorsitzende. „Jeder, der in Sachen Energiewende etwas bewegen will, dem wird bei uns geholfen, werden kompetente Ansprechpartner vermittelt, versprach er. Dabei richte sich die EWO inhaltlich auch immer wieder neu aus. So beschäftige man sich neuerdings auch den Problemen der Klimaanpassung. Denn der Klimawandel sei längst da, nun gehe es darum, sich auf die Folgen vorzubereiten, so Drexlmeier. Deswegen habe man erst unlängst eine Online-Schulungsveranstaltung für 70 Feuerwehren aus dem Oberland zum Thema Starkregenereignisse angeboten.

Teilweise kann Kofinanzierung nicht aufgebracht werden

Es gebe aber auch nach wie vor Probleme, räumte er in seinem Vortrag ein. So würden teilweise Fördermittel verfallen, weil die Konfinanzierung nicht aufgebracht werden könne. In den kommenden fünf Jahren sollen die Kapazitäten in der Beratung, aber auch bei technischen und Online-Angeboten deutlich ausgebaut werden. „Aktuell haben wir 500 Heizungschecks offen, weil nicht genügend Experten verfügbar sind“, so Drexlmeier. Dabei sei es wichtig, die Bürger mitzunehmen, die Akzeptanz für erneuerbare Energien zu steigern.

Gemeinsam mit Landwirten, der Forstwirtschaft und den Verantwortlichen für die Moorflächen sollen auch Ideen entwickelt werden, wie die CO2-Kompensation vor Ort in der Region erfolgen könne. Wer in Zukunft viel CO2 produziert, muss eine Kompensation bezahlen. Diese soll möglichst in der Region verbleiben und beispielsweise für die Renaturierung von Moorflächen verwendet werden.

Diese Ideen kamen offensichtlich gut an bei den Kreisräten. „Ich frage mich, warum wir den Vertrag mit der EWO nur um fünf Jahre verlängern“, sagte Peter Erhard (CSU/Böbing). Für deren segensreiche Arbeit „müsste man eigentlich einen Vertrag auf Lebenszeit abschließen“. Das gehe leider nicht, weil die anderen Landkreise und Kommunen nur um fünf Jahre verlängern, entgegnete Landrätin Jochner-Weiß lachend. Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) nutzte seine Stellungnahme gleich wieder für einen Frontalangriff auf die Landesregierung aus CSU und Freien Wählern: „Die wissen noch nicht einmal, wo genau im Freistaat wie viel CO2 erzeugt wird“, sagte er. Da sei man im Landkreis Weilheim-Schongau schon deutlich weiter: „Und das ist der Verdienst der Energiewende Oberland“.

Kein Wunder, dass sich die Mitglieder des Kreisausschusses dann auch einstimmig für die Verlängerung des Vertrages mit der Energiewende Oberland aussprachen.

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