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So könnte die Waldorfschule auf dem „Erdbeerfeld“ aussehen (Blick Richtung Hardt): Die geschwungenen Dächer im Vordergrund – links die geplante Sporthalle, daneben der Festsaal – dienen zugleich als Lärmschutzwall und sollen komplett begrünt und begehbar werden.
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Francis Kéré bei der Vorstellung seines Entwurfs am Montagabend in Huglfing. Der in Burkina Faso geborene Architekt wurde vielfach international für seine sozial und ökologisch nachhaltigen Bauten ausgezeichnet.

Entwurf sorgt für Aufsehen

Stararchitekt plant Weilheimer Waldorfschule

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Für den geplanten Neubau der „Freien Waldorfschule Weilheim“ am Narbonner Ring steht der Entwurf. Er stammt vom Berliner Star-Architekten Francis Kéré – und sorgte schon bei der Präsentation am Montagabend für Aufsehen.

Weilheim/Huglfing Er bekomme fast jeden Monat eine Einladung, irgendwo in Deutschland einen Schulneubau zu planen, erzählte Kéré (52) am Montag bei der Vorstellung seines Entwurfs vor rund 80 Gästen in der Waldorfschule in Huglfing. „Und ich habe bisher immer ,nein’ gesagt“, so der vielfach preisgekrönte Architekt, der seit 2017 auch Professor an der TU München ist. Doch von dem Weilheimer Projekt habe er sich „sehr angesprochen gefühlt“: „Hier habe ich ,ja’ gesagt, weil das Konzept die Möglichkeit gibt, über Gemeinschaft nachzudenken.“

Die Verantwortlichen der Schule wiederum sind begeistert von der Machbarkeitsstudie, die das Büro „Kéré Architecture“ nun vorlegte – und vom Prozess, wie sie zustande kam. Zu einer Grundstücksbegehung und zwei Workshops mit dem Planer haben sich zahlreiche Schulmitglieder – Lehrer, Eltern und Schüler – getroffen, seit sich Kéré im vergangenen Oktober mit fünf weiteren renommierten Architekturbüros in Huglfing vorstellte. „Herr Kéré hat zugehört, zugehört, zugehört, zugehört“, berichtete Martin Büscher vom Baukreis der Schule: „Und zwei Monate später findet sich wirklich alles in seinem Entwurf wieder.“

Dieser Entwurf sei „grandios“, hieß es am Montag seitens der Schulvertreter, er verbinde soziale Verantwortung, zukunftsweisende Architektur und nachhaltige Bauweise. Eva Seidel, Vorstandsmitglied der Schulgenossenschaft, würdigte Kéré als „Visionär, der die Stadt Weilheim sowie den Pfaffenwinkel als Künstler mit unserem Neubau bereichern wird“.

Auf dem Schulcampus, dem einstigen „Erdbeerfeld“ an der Ecke Narbonner Ring/Hardtkapellenstraße, sollen in vier bis fünf Bauabschnitten mehrere kleinere Gebäude entstehen, die um Begegnungs-Orte gruppiert sind. Zum Narbonner Ring hin sind die auch öffentlich genutzten Räume vorgesehen, etwa eine Sporthalle und ein Festsaal für Kulturveranstaltungen. Sie sollen etwas „tiefergelegt“ werden und die geschwungenen, begrünten und begehbaren Dächer – auf denen auch Gemüse angebaut wird – zugleich als Lärmschutzwall dienen. Die Unterrichtsräume, aufgeteilt in Grundschule und Gymnasium, sind mit Blick aufs Feld geplant. Alle Bauten sollen „grundsätzlich barrierefrei“ sein, etwa mit Rampen statt Treppen. Die Grundschule soll bereits im Herbst 2020 beziehbar sein.

„Die Gemeinschaft will nicht nur eine Schule, sondern eine Begegnungsstätte“, erklärte Francis Kéré vor den zahlreichen Gästen, unter denen Vizelandrat Karl-Heinz Grehl, zahlreiche Weilheimer Stadträte und Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt waren. 2. Bürgermeister Horst Martin sieht in der Waldorfschule eine willkommene Erweiterung des „vielfältigen Bildungsangebots in Weilheim“ und einen „Standortfaktor“ für die wachsende Stadt. Das zeitliche Ziel der Schulgenossenschaft für den Neubau nannte er „sehr ehrgeizig“, sicherte aber zu: „Unsere Bauverwaltung unterstützt Sie da gerne und tatkräftig.“

„Wir wollen einen Lebensraum für alle Menschen schaffen. Das soll weit über das Schulische hinausgehen“, erläuterte Eva Seidel. Es gehe um Raum für Kunst, Musik und Handwerk, um Sportmöglichkeiten und Jugendarbeit, um eine soziale Begegnungsstätte, die „alle Lebensalter ansprechen soll, von Kindern bis zu Senioren“. Die Vorstands-Vertreterin versprach „eine bodenständige Schule“, im Ort und in der Kultur des Pfaffenwinkels verankert. Mit diesem Konzept und dem Entwurf wolle man nun Sponsoren und Mäzene begeistern, auch verschiedene Modelle genossenschaftlicher Darlehen soll es geben.

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