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Symbolfoto.

Aus dem gericht

Erst Hund, dann Frauchen getreten

Weilheim - Erst trat ein Weilheimer den Hund, dann seine Besitzerin. Dafür wurde der 65-Jährige zu einer Geldstrafe von  6000 Euro verurteilt. 

Seit fünf Jahren geht die Weilheimerin jeden Abend mit ihrem Hund die selbe Runde. Doch seit Dezember des vergangenen Jahres ist Angst ihr Begleiter auf dem abendlichen Spaziergang. Schuld daran seien die Zusammentreffen mit einem 65-Jährigen, der ebenfalls einen Hund besitzt und in ihrer Nachbarschaft wohnt, sagt die 64-Jährige in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim. Ihre Stimme ist fest und dennoch ist ihr anzuhören, wie sehr sie das alles mitnimmt. „Ich muss jeden Tag Angst haben. Ich bin mit den Nerven am Ende.“

Sie erzählt davon, wie sie den Hundebesitzer im Herbst des vergangenen Jahres zum ersten Mal getroffen hat. Wie sein Hund, der nicht angeleint gewesen sei auf sie und ihren Hund zugestürzt kam und die Tiere sich ein wenig angebellt hätten. Der Hundebesitzer sei sofort aggressiv geworden. Sie sei dann weitergegangen.

Beim nächsten Zusammentreffen ein paar Tage später habe sie der Mann wieder verbal angegriffen. „Ich habe ihm gesagt, er soll mich in Ruhe lassen“, schildert die 64-Jährige in ihrer Zeugenaussage. Wenn er das nicht täte, würde sie die Polizei einschalten. „Dann hol doch die Polizei“, habe der Mann daraufhin gesagt. Und sie holte die Polizei. Zwei Beamte seien dann zu dem Weilheimer gegangen und hätten ihn auf die Anleinpflicht aufmerksam gemacht, so die Zeugin.

Am 3. Dezember eskalierte der Streit der beiden Hundebesitzer nach Schilderung der Frau: An einer Kreuzung seien ihr Hund und sie auf den Angeklagten gestoßen, der ebenfalls mit seinem Vierbeiner unterwegs war. Gerade, als sie an dem Mann, einem ehemaligen Fußballer, vorübergehen wollte, „knallt er meinem Hund mit voller Wucht sein Bein rein“, sagt die Zeugin. Anschließend habe er sie am Mantel gepackt und sein Bein in ihren Schritt getreten. „Ich bin heulend heimgerannt.“ Zu Hause benachrichtigte sie die Polizei. Am nächsten Tag ging sie zum Arzt, um das Hämatom verarzten zu lassen, das sie durch den Tritt erlitten hatte. Der Hund habe vom Tierheilpraktiker behandelt werden müssen, weil er nach dem Tritt inkontinent geworden war.

Zwei Tage nach der Attacke spazierte die Zeugin mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrem Enkelkind an der Wohung des Hundesitzers vorbei. Plötzlich habe dieser vom Balkon gebrüllt: „Wenn Du mich noch einmal bei der Polizei hinhängst, mach’ ich Dich fertig.“ Sie sei dann zügig weitergegangen. Der Hundebesitzer drohte dem Sohn und dem Ehemann, die stehengeblieben waren, sie zu verprügeln. Der Sohn schrieb dieses Ereignis auf und übergab seine Schilderung der Polizei. Der Hundebesitzer erhielt einen Strafbefehl, der im Wesentlichen dem entsprach, was die Hundebesitzerin bei der Polizei ausgesagt hatte. Er legte Einspruch ein und die Sache landete vor Gericht.

Dort bestätigen auch der Ehemann und der Sohn der Hundebesitzerin, dass sie von dem Mann ziemlich heftig angegangen worden seien.

Der Weilheimer ist sich seiner Aussage nach keiner Schuld bewusst. Er räumt zwar ein, dass es Wortgefechte gegeben hatte, streitet aber die Tritte ab. „Es ist mir völlig unverständlich, wie man mich solcher Taten beschuldigen kann“, sagt er bei seinem letzten Wort vor der Urteilsbegründung.

Richterin Katrin Krempl sieht nach der Gerichtsverhandlung die im Strafbefehl erhobenen Vorwürfe dennoch bestätigt, weil sie die Zeugen allesamt für glaubwürdig hält. Sie verurteilt den 65-jährigen Hundebesitzer wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, Körperverletzung, Beleidigung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 6000 Euro.

Kathrin Hauser 

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