+
Schweinsbraten gibt es unter anderem im Landgasthof Osterseen. In der Küche arbeiten (v.l.) Inhaber Moritz Link, die Azubis Sina Probst und Florian Auer, Jungkoch Milan Fazecas sowie Küchenchef Daniel Hoffmann.

Die ersten Wochen war positiv

Gastronomen sind zuversichtlich

Seit drei Wochen haben die Wirtschaften und Restaurants in Bayern wieder geöffnet. Erst nur im Außenbereich, später dann auch innen. In München machen erste Betriebe schon wieder zu, weil die Lokalöffnung für viele ein Verlustgeschäft ist. Die Gastronomen im Landkreis sind da auch dank des schönen Wetters der vergangenen Tage und der zumeist großen Freiflächen optimistischer.

Landkreis – „Die Münchner sind neidisch auf uns, hier auf dem Land“, weiß Michael Fischer, Vorstandsmitglied der Kreisstelle Weilheim des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes aus der Dehoga-Zentrale in der Landeshauptstadt. Zahlreiche Betriebe im Pfaffenwinkel verfügen nämlich über ideale Außenflächen, Biergärten und Terrassen – viel mehr Platz also für die in Coronazeiten zum größten Teil eher verunsicherten Gasthausbesucher, die lieber draußen sitzen als drinnen.

Im Märznhof kümmern sich (v.l.) Servicekraft Alexandra Patzelt, die Leiterinnen Michaela und Cornelia Höck sowie Servicekraft Marina Limm um die Gäste.

Fischer, der auch Wirt des Gasthauses „Bayerischer Rigi“ auf dem Hohen Peißenberg mit großer Aussichtsterrasse ist, weiß das aus eigener Erfahrung. „Am Anfang war es verhalten, jetzt läuft es besser, als ich dachte.“ Für ihn mit ein weiterer Grund, warum der Landkreis besser da steht als München: „Dort ist das ganze nationale und internationale Tourismusgeschäft weggebrochen. Unsere Gäste kommen seit jeher aus der näheren Umgebung, etwa München, Augsburg und Landsberg. Und die kommen auch jetzt.“

Und natürlich haben die Lage und das schöne Wetter in den vergangenen Wochen die Gäste angelockt. Das sieht auch Michaela Höck so: „Bei schönem Wetter trauen sich die Leute eher raus“, sagt die Juniorchefin des „Märznhof“ in Nantesbuch. Von Vorteil fürs wieder anlaufende Geschäft in dem Ausflugsziel oberhalb von Penzberg ist die große Terrasse.

Mitten in einer Blumenwiese können die Gäste der „Zauberhütte“ in Peiting-Birkland sitzen. Wirt Robert Astleitner hat das Nachbargrundstück zur Verfügung gestellt bekommen, um seine Terrasse zu vergrößern: „Da haben meine Gäste viel Platz mit viel Abstand, das kommt natürlich gut an.“ Auch wenn die Umsätze natürlich noch lange nicht so sind, dass es sich nach dem langen Lockdown wirklich rechnet – aufgeben kommt nicht in Frage.

„Zauberhütten“-Wirt Astleitner sagt: „Bei schönem Wetter haben wir guten Besuch, bei schlechtem Wetter wäre es besser, zuzusperren.“ Aber: „Wer zu uns fährt und vor verschlossenen Türen steht hat den Eindruck, wir hätten immer zu – das wäre ganz schlecht.“

Der Ansicht ist auch „Märznhof“-Chefin Höck, die sich freut, dass bisher die meiste Zeit bestes Wetter zum Draußen-Sitzen gewesen sei. Man müsse abwarten, wie es weiter geht: „Aber ich lasse weiter offen – es ist nicht gut, wenn Leute zu uns rauskommen, und wir haben zu. Da kennen sich die Leute sonst nicht mehr aus.“

Selbst wenn nur wenige Gäste kommen: Hans Vollmann würde sein „Garni-Hotel Vollmann“ in Weilheim nicht schließen: „Ich habe unter meinen 80 Prozent Geschäftsreisenden viele Stammgäste, die oft kurzfristig kommen. Für die muss ich aufhaben.“ Zurzeit kämen viele Radler, die den Ammer-Amper-Radweg benutzen: „Aber die fahren auf Sicht. Die buchen, wenn das Wetter gut ist.“ Urlaubsgäste hat Vollmann nur wenige: „Weilheim ist eben nicht Murnau oder Garmisch-Partenkirchen.“

Die Großfamilie Heyer aus Pforzheim war in der Gaststätte Bayerischer Rigi auf dem Hohen Peißenberg zu Gast. Bedient wurde sie von Philipp Fischer.

„Ich kann jeden verstehen, der sich so entschieden hat“, meint Moritz Link, Besitzer des „Landgasthof Osterseen“ über die Gastronomen in München, die wieder zugesperrt haben. „Auch wir haben weniger Gäste, aber dafür verhältnismäßig viel Personal.“ Denn es gibt mehr zu tun. Er nennt zwei Beispiele: Die Gäste müssen zum Platz gebracht werden, und Speisekarten, Tische sowie Stühle müssen nach jedem Gast desinfiziert werden. „Eine schwierige Zeit, Spaß macht es zurzeit keinen“, sagt Link, der zusammen mit seiner Frau jetzt in den Schichten mitarbeitet – von 7 bis 22 Uhr. Das Hotel war über Pfingsten nur zu einem Viertel belegt, aber es gibt Hoffnung: „Für die nächsten Wochen kommen jetzt wieder Buchungen.“

Die Buchungen nehmen auch bei Georg Lutzenberger langsam zu, der in Schongau das Hotel „Alte Post“ betreibt. „Ab Mitte Juni sieht es gar nicht so schlecht aus.“ Für seine Gäste, vor allem Geschäftsreisende, gibt es ein abgespecktes Frühstücksbuffet nach Corona-Vorgaben. Das öffentliche Buffet, das es seit einigen Jahren am Vormittag bei ihm gibt und das nach seinen Angaben boomt, gibt es zur Zeit nicht. Zu hohe Auflagen und langes Arbeiten mit Mundschutz – das will Lutzenberger seinen Mitarbeitenden nicht zumuten.

Einen Wunsch, den Rigi-Wirt Fischer für seine Gäste hat, teilen sicher alle Gastronomen in der Region: „Hoffen wir, dass die Leute alle weiterhin genug Geld haben.“

Ralf Scharnitzky

Das könnte Sie auch interessieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger mit mahnenden Worten - Wer jetzt aufpassen muss
Ein Wolf treibt sich in einem Landkreis in Oberbayern herum. Das bestätigte das bayerische Landesamt für Umwelt. Die Identifizierung ist eindeutig.
Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger mit mahnenden Worten - Wer jetzt aufpassen muss
Abschied vom See nach zwei Jahrzehnten - Pfarrer Mladen Znahor geht
Mit drei Sonntagsgottesdiensten in Bernried, Seeshaupt und Iffeldorf verabschiedet sich Pfarrer Mladen Znahor von rund 4000 Gläubigen, die er zwei Jahrzehnte lang …
Abschied vom See nach zwei Jahrzehnten - Pfarrer Mladen Znahor geht
Keine Zugfahrt, kein Geld zurück: Weilheimer Ehepaar sieht keinen Cent von der Bahn
Corona-bedingte Absagen von Reisen sind ärgerlich. Vor allem, wenn man auf Teilen der Kosten sitzen bleibt. So geht es auch dem Weilheimer Karl Buchele.
Keine Zugfahrt, kein Geld zurück: Weilheimer Ehepaar sieht keinen Cent von der Bahn
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert
Am Mittwochnachmittag gegen 17.15 Uhr ist es auf der Staatsstraße 2038 zu einem Frontalunfall gekommen.
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert

Kommentare