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Postkartenidylle: Weilheims Marienplatz ist das Herz der Fußgängerzone. 

Erweiterung der Weilheimer Fußgängerzone

Fakten statt Emotionen auf den Tisch

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Soll die Fußgängerzone wachsen? Mit einem 60.000 Euro teuren Gutachten will die Stadt die Grundlage für eine Entscheidung eruieren – Befragungen von Geschäftsleuten und Anwohnern gehören dazu. Ob und wann die Weilheimer Bürger mitreden dürfen, ist noch offen.

Weilheim – Auslöser für das Gutachten war ein Antrag der Fraktion der „Grünen“. Die beantragten Mitte September vergangenen Jahres bei der Stadt ein Ratsbegehren zur Erweiterung der Fußgängerzone, und zwar um Ledererstraße und Hofstraße. Neben Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten soll dort aber auch das Radfahren ebenso erlaubt sein wie Anwohnerverkehr. Der Stadtrat entschied, dass für eine Entscheidung Fakten statt Emotionen auf den Tisch müssen, also wurden Planungsbüros eingeschaltet.

Zwei Büros, nämlich „Ingevost“ (Verkehrsplanung und Verkehrsuntersuchungen in Planegg) und „Cima“ (Beratung und Management GmbH in München) haben sich zu einer Projektgemeinschaft zusammengeschlossen, um das Gutachten zur Erweiterung der Fußgängerzone zu erarbeiten. In der Sitzung des Verkehrsausschusses am gestrigen Dienstag erörterten Vertreter der beiden Büros ihr jeweiliges Vorgehen.

Jan Vorholt von „Cima“ sagte, dass die Weilheimer Innenstadt ein Juwel sei, „davon gibt es nicht viele in Süddeutschland“, zugleich aber sei sie aber auch ein „sensibles Gefüge“. Um „mehr als ein Gefühl“ über den Zustand der Fußgängerzone und für Entscheidungen über deren Zukunft zu haben, müssten zahlreiche Faktoren untersucht werden, etwa die: Welche Geschäfte gibt es dort? Wie groß sind die Leerstände? Wie hoch ist die Besucherfrequenz? Wer lebt dort? Anhand einer Passanten-Zählung sowie Befragungen von Innenstadtkaufleuten, Wirten und Bewohnern – im Bereich der Fußgängerzone gibt es rund 250 Haushalte – soll die Lage analysiert und ein Stärke-Schwächen-Profil samt Lösungsvorschlägen erarbeitet werden.

Lenkungsausschuss mit 15 Mitgliedern

Christian Fahnberg von „Ingevost“ befasst sich mit der Verkehrssituation in der und um die Fußgängerzone, wobei er die Erweiterung in zwei Schritten unter die Lupe nehmen wird: Ein erster umfasst Ledererstraße und Hofstraße, ein zweiter Pöltnerstraße, Admiral-Hipper-Straße und Kirchplatz. „Es muss eine eue Verkehrszählung geben, die letzte ist 20 Jahre alt“, sagte Fahnberg.

Fahnberg war es auch, der eine Bürgerbeteiligung ansprach. Seinen Worten nach muss sich ein Lenkungsausschuss bilden, dem neben Vertretern der Stadtratsfraktionen, der Stadtverwaltung und der Polizei auch Interessensvertreter von Gewerbe, ADAC, ADFC, der Weilheimer „Agenda 21“ sowie Behindertenbeauftragte angehören sollten. Laut Bürgermeister Markus Loth (BfW) ist der Lenkungsausschuss ein Fachgremium „und nicht beschließend“. Für Fahnberg ist zudem eine Bürgerbefragung oder -info „sehr wichtig“.

Wie eine Beteiligung der Weilheimer Bürgerschaft aussehen könnte, blieb gestern offen. Sie wird jedenfalls nicht Bestandteil des Gutachtens sein, weswegen Grünen-Stadtrat Dr. Eckart Stüber als Einziger im Verkehrsausschuss gegen das Gutachten stimmte. „Die Bürgerbeteiligung muss in das Konzept rein, die Geschäftsleute werden ja auch befragt“, sagte er.

In der Diskussion der Stadträte zeigte sich, dass einerseits große Hoffnungen in das Gutachten gesetzt werden. „Es ist gut, wenn wir Zahlen, Fakten und Daten haben“, sagte beispielsweise Klaus Gast (CSU). Andererseits gab es auch Skepsis. Walter Weber (Freie Wähler) sagte, 60 000 Euro für ein Gutachten seien viel Geld. Er wolle auch keine Entscheidung über die Erweiterung treffen, „die Weilheimer Bürger sollen entscheiden“. Worauf Loth sagte: „Ein Ratsbegehren ist noch offen“.

Wie Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt ergänzte, wird das Gutachten zur Fußgängerzone das Jahr über erstellt werden. Grundlagen für die Entscheidung ergäben sich auch durch zwei andere Gutachten, die gerade in Arbeit seien: das zur barreirefreien Gemeinde und das Parkraumkonzept.

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