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In der Kinderbetreuung fehlt Fachpersonal.

Finanzspritze für Kinderbetreuung

Erzieher: Heiß begehrt, wenig honoriert

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Das Bundesfamilienministerium stellt 300 Millionen Euro für die Ausbildung von Erziehern bereit. Im Landkreis freuen sich Experten und Betroffene über ein Signal – doch die Skepsis bleibt.

Landkreis Die Zahlen sind alarmierend. Im Jahr 2025 fehlen 191 000 Erzieher an deutschen Kindertagesstätten. Dies hat man im Haus von SPD-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey herausgefunden. Die Ressortchefin legt deshalb von 2019 bis 2022 ihr millionenschweres Aktionsprogramm auf, dessen Gelder auch in die Vergütung der Ausbildung von Erziehern fließen sollen – aktuell müssen zwei von drei Jahren an einer Fachschule ohne Bezahlung überstanden werden.

Dominik Juckel ist da skeptisch. „Das ist ein erster Schritt“, sagt der 20-jährige Weilheimer. „Aber das ist nicht genug. So viel wird da bei einem nicht rauskommen.“ Juckel lernt Kinderpfleger an der Regens-Wagner-Berufsfachschule in Rottenbuch (siehe Kasten) – das braucht er als Grundlage für die Erzieherausbildung. Der junge Mann muss als Quereinsteiger nur ein statt der zwei Jahre die Schulbank drücken. Er absolviert sein Praktikum im heimischen katholischen Kneipp-Kinderhaus St. Anna. 575 Euro brutto monatlich bekommt er laut Tarif. „Für mich passt das schon“, sagt Juckel zwar, aber das geht nur, weil er zu Hause wohnt. Im August 2019 hat er Abschlussprüfung, dann geht es an die Rottenbucher Fachakademie für Sozialpädagogik in die Erzieherausbildung. Seine Eltern werden ihn weiter unterstützen.

Auf Familienhilfe setzt auch Praktikumskollegin Valeria Niggl. Die 21-jährige Weilheimerin lernt Kinderpflegerin an der Münchner Caritas-Fachakademie. Niggl wohnt allein, wird von den Eltern unterstützt. Diese müssen bei den anstehenden zwei gehaltslosen Jahren einspringen, zusätzlich will Niggl ein Meister-Bafög für ihre Erzieherausbildung beantragen. Die Förderspritze des Bundes sieht sie zurückhaltend: „Das kommt auf die Umsetzung an.“

Große Begeisterung kommt bei ihrer Chefin Eva Weber nicht auf. „Das Programm ist auf drei Jahren begrenzt, was soll dann werden?“, fragt die Kinderhaus-Leiterin. Immerhin sei es gut, dass sich überhaupt etwas bewege. Zwölf Erzieher zählt die Einrichtung, die 70 Kinder betreut. „Wir sind eigentlich gut besetzt“, sagt Weber, obwohl es manchmal wegen Urlaubszeiten, Krankheiten oder Fortbildungen klemmt. Eines hat die Leiterin leidvoll feststellen müssen: Personal zu finden, ist schwer„Es sind keine Erzieher da.“ Die Branche boomt, weil ständig neue Einrichtungen gebaut werden, um die Rechtsansprüche der Eltern auf Betreuungsplätze für ihren Nachwuchs zu erfüllen. „Wo das Personal herkommt, hat man sich anscheinend nicht überlegt“, kritisiert die Kita-Chefin.

Ähnliche Erfahrungen werden im Penzberger Rathaus gemacht. Zwölf Erzieher sind es im städtischen Kindergarten am Daserweg. Große Probleme bei der Stellenbesetzung gab es bisher nicht, jedoch ist es grundsätzlich schwer, Kräfte zu finden, heißt es im Familienbüro. Eine Stelle ist unbesetzt. „Ich denke schon, dass sich mehr Frauen und auch Männer für die Erzieherausbildung entscheiden, wenn mehr Vergütung für dieses Berufsfeld zur Verfügung steht“, sagt Franziska Annaberger von der Koordinationsstelle für Kinderbetreuung.

Wer diesen Beruf erlernt, leidet nicht nur unter fehlender Vergütung. Kinderpfleger und Erzieher haben „ein mangelndes Ansehen in der Bevölkerung“, kritisiert Kita-Chefin Eva Weber. Dabei würden die Kollegen eine wichtige Arbeit für die Gesellschaft leisten. Ihre Praktikanten Valeria Niggl und Dominik Juckel mussten sich im Freundeskreis kritisches, ob ihrer Berufswahl anhören. „Das bisschen Memory spielen, kann ich auch“, gehörte noch zu den freundlicheren Kommentaren. Dabei ist Erzieher für die beiden jungen Weilheimer ein Traumberuf. „Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten“, sagt die 21-jährige Niggl. Ihre Augen leuchten dabei.

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