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Wird nicht mit einem 140 Meter langen Bahnsteig für einen Halt bebaut: das Gleis der Pfaffenwinkelbahn (rechts) in der Au.

Fahrgastverband „Pro Bahn“

Der Bahn-Halt, ein Wiedergänger?

Warum kam es zu der überraschenden Wendung gegen den Bahnhalt Weilheim-Au? Diese Frage stellte Norbert Moy, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ in Oberbayern – und löste damit bei den elf Stadträten, die einer Einladung zu einem Abend unter dem Thema „Rückblicke und Ausblicke auf die Chancen der Entwicklung des Bahn-Angebots“ gekommen waren, teilweise heftigen Unmut aus.

Weilheim „Mich irritiert die Intensität des Beharrens auf so einem Pipifax-Haltepunkt“, grollte Susann Enders (Freie Wähler). Dass die Stadträte ihre Entscheidung dazu rechtfertigen sollten, finde sie „voll daneben“. Man könne eben nicht alle Projekte finanzieren, punktum. Alfred Honisch (Grüne) empfand die Frage als ungebührliches Nach-Tarocken, „als ob der Bahnhalt mit brachialer Gewalt noch durchgedrückt werden soll.“ Lieber solle sich „Pro Bahn“ um eine Schienenverbindung von Weilheim nach Penzberg kümmern, so sein Vorschlag.

Claus Reindl (BfW) bestritt einen Fraktionszwang bei der Abstimmung im Stadtrat und widersprach dem Eindruck eines plötzlichen Schwenks. „Wir waren im Gegenteil von Anfang an sehr skeptisch und haben lange überlegt, ob es sich für absehbar wenige Fahrgäste lohnt, rund eine Million Euro auszugeben, zudem zusätzlicher Autoverkehr auf der Geistbühelstraße entstehen könnte.“

„Kardinalfehler in der Argumentation“

Bahnhaltbefürworter Dr. Eckart Stüber (Grüne) nannte es „einen Kardinalfehler in der Argumentation“, den kostenlos angebotenen Haltepunkt schlechtzurechnen durch die Fußweg-Unterführung zum Trifthof – die Reindl vor zehn Jahren selber beantragt habe – und die durch Fördermittel jetzt auf nur etwa 600 000 Euro gekommen wäre. Brigitte Holeczek (BfW) verwies auf den geplanten künftigen Bus zum Gewerbegebiet Achalaich. Dieser werde mit einem Schlenker den Trifthof besser anbinden als der entlegene Bahnsteig Au.

Damit begann ein Brainstorming darüber, was künftig gemacht werden sollte. Reindl würde mehr Stadtbusse sowie Bahnhalte in Polling und Wielenbach „komplett präferieren“, eventuell mit Park+Ride-Plätzen. Roland Schwalb (BfW) will die Bahnlinie nach Schongau zuerst schnell ausbauen und erst danach um neue Haltestellen ergänzen. Enders forderte Zweigleisabschnitte auf der Werdenfelsbahn und Elektrifizierung der Ammerseestrecke. Lokführer Josef Landes mahnte zum Einbau des Ausweichgleises in Raisting, um den „Hoppeltakt“ nach Dießen zu beseitigen.

„Seltene Spendierlaune der Bahn“

Norbert Moy nickte: Diese Forderungen stelle auch „Pro Bahn“, und zwar „seit Dekaden“. Der Weilheimer Matthias Wiegner, Mitglied im Bayern-Vorstand von „Pro Bahn“, verwies auf die seltene Spendierlaune der Bahn. Man könne nicht nach eigener Wunschliste vorgehen, sondern müsse Gelegenheiten ergreifen. Stüber ergänzte, aus dem Finanzierungskonzept für neue Stationen sei Weilheim bis mindestens 2020 herausgeflogen: „Das hat man mir direkt gesagt, sonst hätte ich ein Bürgerbegehren zu Weilheim-Au angestoßen – drei Sympathisanten aus den Fraktionen SPD/FDP und CSU gab es schon“.

Karl-Heinz Grehl (Grüne) rief dazu auf, dass Kommunen bei Verkehrsplanungen kooperieren, deutlicher und lauter Bahn-Verbesserungen einfordern und für den Nahverkehr verantwortlich handeln, „indem sie ihren Drittel-Anteil an Bahnübergangs-Ausbauten mittragen“.

Einigkeit bestand zuletzt zwischen dem Verein „Pro Bahn“ und den Vertretern der Lokalpolitik, die Pfaffenwinkelbahn zu stärken: Schneller und elektrisch nach Schongau, wenn möglich mit Direktverbindungen nach München, das wurde allgemein gewünscht. Auch zusätzliche Haltepunkte passen in dieses Konzept. „Und von daher denke ich, wird die Frage nach einem Halt ,Weilheim-Au’ wieder einmal kommen, zumal wir als Oberzentrum umfassende Infrastrukturaufgaben zu erfüllen haben“, prophezeite Marion Lunz-Schmieder (CSU). Am Ende wurde auch Enders konziliant und dankte für die Mühe, mit der „Pro Bahn“ Informationen zur Verkehrspolitik aufbereite.

Andreas Bretting

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