Die Spielfiguren können als Symbol dienen: Es sind Familien – und zwar mit ganz verschiedenen Anliegen – die bei Kurt Dorn und seinen Mitarbeitern Gehör finden.
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Die Spielfiguren können als Symbol dienen: Es sind Familien – und zwar mit ganz verschiedenen Anliegen – die bei Kurt Dorn und seinen Mitarbeitern Gehör finden.

Interview mit Kurt Dorn, jetzt Leiter aller KJF-Erziehungsberatungs-Stellen im Landkreis

„Familien leiden unter der Pandemie“

  • Stephanie Uehlein
    VonStephanie Uehlein
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Auch wenn Familien unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden und deswegen Rat suchen, hilft die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) Augsburg mit ihren Anlaufstellen im Landkreis Weilheim-Schongau. Nach dem Ausscheiden von Mechtild Gödde, die in den Ruhestand ging, hat Kurt Dorn (59) einen Teil ihrer Aufgaben übernommen.

Landkreis - Er ist nun nicht mehr nur Leiter der Beratungsstelle in Schongau, sondern auch der in Weilheim und Penzberg und somit Chef von insgesamt acht Beratungs- und fünf Verwaltungsfachkräften. Im Gespräch mit der Heimatzeitung stellte der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder sich und seinen Zuständigkeitsbereich vor.

Herr Dorn, wann sollte man sich überhaupt mit seinem Erziehungsproblem bei einer der Beratungsstellen melden?

Immer dann, wenn Eltern merken, dass ihre Versuche, solche Probleme zu lösen, nicht den erwünschten Erfolg bringen und weitere Lösungsideen fehlen. Es reicht, wenn man feststellt: „Ich schaffe es aus eigenen Kräften nicht.“ Man sollte nicht denken, dass andere die Beratung vielleicht dringender brauchen als man selbst und dass man ihnen den Platz wegnimmt. Übrigens kommen auch Kinder und Jugendliche aus eigenen Stücken zu uns. Der Zugang zu uns ist sehr niedrigschwellig und es entstehen den Ratsuchenden keine Kosten.

Wie groß ist denn die Bandbreite der Probleme, mit denen Sie und Ihre Mitarbeiter konfrontiert werden?

Die reicht von der Trennung und Scheidung der Eltern bis hin zu dem gesamten Verhaltensspektrum wie aggressives Verhalten, Einnässen, Schlafprobleme und Ängste, die gerade in der Corona-Pandemie eine große Rolle spielen. Auch Themen im Leistungs- und Konzentrationsbereich sowie Geschwisterkonflikte werden häufig genannt. Wir schauen dann: Was ist der gute Grund, der hinter dem Verhalten des Kindes steckt? Was braucht das Kind, um sich wieder sicher fühlen zu können? Die Familien leiden auch unter der Pandemie. Aber ich finde es beeindruckend, wie gut sie damit zum Teil umgehen, auch wenn sie das selbst gar nicht so wahrnehmen.

Wo liegt derzeit bei der Beratung der größte Bedarf?

Unsere Jahresstatistik für 2020 zeigt, dass über die Hälfte der angemeldeten Kinder von Trennung und Scheidung betroffen sind. Eltern neigen dazu, in solchen Situationen die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr richtig wahrzunehmen. Wir können dann Beratungsgespräche anbieten und unseren „Kinder im Blick“-Kurs. Großen Beratungsbedarf gibt es zudem bei Familien mit einem psychisch oder suchterkrankten Elternteil. Auch ihnen bieten wir Beratungsgespräche an sowie die Teilnahme an unserem seit gut zehn Jahren laufenden „Pegasus“-Projekt.

Welche beruflichen Qualifikationen bringen Sie selbst mit?

Ich bin Diplom-Psychologe, psychologischer Psychotherapeut, Familientherapeut mit weiteren Qualifikationen. Meine langjährige Berufserfahrung an unserer Erziehungsberatungsstelle kommt sicherlich unterstützend hinzu. Unser Anspruch ist, im Fortbildungsbereich immer aktuell zu bleiben. Ich bin gern selbst in der Beratung tätig. Das Wissen, das ich dabei gesammelt habe, kann ich bei meiner neuen Funktion mit einbringen.

Können Sie noch einen Ausblick geben, was für die Beratungsstellen künftig wichtig ist?

Wichtig finde ich, dass wir die Umstellung auf digitale Beratung weiter voranbringen, persönliche und digitale Beratung kombinieren. Zudem möchte ich dafür sorgen, dass die Beratungsstellen für die Zukunft personell gut aufgestellt sind. Wir haben aktuell ein tolles Team, aber in den kommenden Jahren gehen einige langjährige Mitarbeiterinnen in den Ruhestand.

Zudem gilt es, die Beratungsstellen auf die SGB VIII-Reform auszurichten, die mit erweiterten Beratungsaufgaben verbunden ist. Was uns meiner Meinung nach bei der Betreuung der Klienten noch lange beschäftigen wird, sind die Folgen der Corona-Pandemie.

Infos: Beratungsstelle Weilheim, (0881/40470), Beratungsstelle Schongau (08861/9693) und Beratungsstelle Penzberg (08856/1674).

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