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Ganz in Schwarz, aber herrlich komisch: „Eine kleine Lachmusik“ im Weilheimer Stadttheater – (v.l.) Pianist Andreas Kowalewitz, Bratscher Wolfgang Berg, Hornist Klaus Wallendorf, Klarinettist Matthias Ambrosius, Fagottistin Catherine Larsen-Maguire. 

faschingskonzert in weilheim  

Im Ernst ein Spaß

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Die Mitglieder des Klassik-Ensembles „Eine kleine Lachmusik“ machen normalerweise ernsthafte Musik. Zum Fasching durfte es auch mal spaßig sein.

Weilheim – Klassische Konzerte sind eine ernste Angelegenheit – von den gewichtigen Ritualen mancher Künstler auf der Bühne bis hin zur gewohnt steifen Atmosphäre im Saal. Dabei ist das Bedürfnis nach ein bisschen Lockerheit und Unterhaltung auch in der „E-Musik“ groß – bei Musikern wie Zuhörern. Wenn renommierte Instrumentalisten nicht nur im Fasching ein Ensemble mit dem Namen „Eine kleine Lachmusik“ bilden, spricht das Bände. Und dass Weilheims Stadttheater für das erste Gastspiel dieses Quintetts in der Region seit Wochen ausverkauft war, setzt dem ein Krönchen auf.

Dass die Veranstalter am Freitagabend rote Clownsnasen aus Plastik ans Publikum verteilten, war eine fröhliche Einladung, sich frei zu fühlen und ruhig auch mal laut zu lachen. Nötig gewesen wär’s nicht: Die auf der Bühne machten ja genug Spaß. Dafür brauchten sie keine Verkleidung, keine Show, keine Animation – nur ihren Esprit und den Schalk, der ihnen ganz offensichtlich im Nacken sitzt. Hornist Klaus Wallendorf und Pianist Andreas Kowalewitz, die Köpfe der „Lachmusik“, kombinieren gewitzte Klassik-Arrangements mit geistreich-komischen Zwischentexten aus eigener Feder. Da sitzt nicht nur jeder Ton, sondern auch jedes Wort.

In Kowalewitz (55), dem preisgekrönten Kapellmeister des Münchener Gärtnerplatztheaters, und Wallendorf (68), der seit 1980 den „Berliner Philharmonikern“ angehört und dort auch als Moderator und „halboffizieller Entertainer“ fungiert, vereint sich musikalische Virtuosität mit herrlichem Sprachwitz. Ersterer ist ein glänzender Arrangeur, Letzterer ein begnadeter Texter und Parodist, der auch als Buchautor („Immer Ärger mit dem Cello“) bekannt wurde. Herausragende Musiker und sympathische Zeitgenossen mit einem feinen, trockenen Humor sind sie beide.

Mit Fagottistin Catherine Larsen-Maguire, Klarinettist Matthias Ambrosius und Bratschist Wolfgang Berg – drei Kollegen, die sonst an der „Komischen Oper Berlin“ und bei den „Münchner Philharmonikern“ wirken – bildeten sie in Weilheim ein Quintett, das eine erstaunliche Klangvielfalt und Bandbreite zauberte. Zum Auftakt wurde die „Kleine Nachtmusik“ gleich mal mit zwei Dutzend Melodiezitaten quer durch die Musikwelt (bis hin zum Swingklassiker „Chattanooga Choo Choo“ und Peter Alexanders Schlager „Die kleine Kneipe“) durchsetzt – „was Mozart alles hätte einfallen können, wenn er lange genug gelebt hätte“, so Wallendorfs Kommentar. Und als der Hornist atemberaubend zungenflink bewies, dass man Mozarts „Türkischen Marsch“ auch sprechen kann – wenn man’s denn kann... –, gab es den ersten Beifallssturm.

„Brahms’ Tierleben“ hielt so lyrische Sätze wie „Der alte Brunnenmolch auf dem Weg zur Rentenstelle“ bereit; Wagners „Lohengrin“ ließ plötzlich Wurzeln in der amerikanischen Folkmusic erkennen; das Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“ klang mal nach Bach, nach Palestrina oder Verdi. Und mit nur fünf Instrumenten Ravels „Boléro“ so zu spielen, dass einem nichts fehlt, das war eine Kunst für sich. All diese hochvirtuosen musikalischen Späße gipfelten in der grandiosen Parodie einer postmodernen Uraufführung: sinnfrei der Text, nervensägend die Klänge, aber groß und wichtig der Gestus – zum Tränenlachen! „Sie waren heute wirklich ein beneidenswertes Publikum“, grinste Wallendorf vor den Zugaben ins Stadttheater. Dort waren die Plastiknasen längst staunenden und gelösten Gesichtern gewichen.

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