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Im Anwesen an der Pollinger Straße übten die Feuerwehrleute. Nach 30 Minuten war der fiktive Brand gelöscht.

Feuerwehr Weilheim übt in verlassenem Haus

Ein Brand, der keiner war

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Einsatzwagen der Feuerwehr Weilheim stehen an der Pollinger Straße 38. Rauchschwaden qualmen aus einem Fenster im obersten Stock des dortigen Anwesens. Ein Verletzter wird aus dem obersten Stockwerk geborgen, der eine Rauchvergiftung erlitten hat. Nach 30 Minuten ist alles vorbei, zum Glück war es nur eine Übung.

WeilheimDer Rauch bestand aus gewöhnlichem Disconebel, und der Verletzte war eine Puppe. Dennoch: Ereignisse wie diese können jederzeit eintreten. Die Feuerwehr muss bestmöglich auf sie vorbereitet sein, denn im Ernstfall entscheidet jede Sekunde. Deswegen lautet Üben das Gebot der Stunde. Üben, üben, üben. Dafür aber braucht man Zeit, Praxiserfahrung – und die nötigen Räumlichkeiten. Und die sind rar, vor allem in Zeiten des Baubooms und starken Zuzugsdrucks.

Umso dankbarer sind die Freiwilligen um das Anwesen an der Pollinger Straße 38: Das Haus wird in wenigen Wochen abgerissen, ein Dreispänner der „Konzept-360 GmbH“ soll dort entstehen. Zahlreiche Zimmer stehen zur Verfügung, das Haus ist komplett entkernt, die Räume verteilen sich auf einer Fläche von 160 Quadratmetern – ideale Bedingungen zum Üben. Der Eigentümer hat sich bereit erklärt, den Aktiven das Haus für feuerwehrinterne Übungen zur Verfügung zu stellen.

„Das Haus ist für uns ein Glücksfall“, sagt Sebastian Deiser, Betreuer des Bereichs Atemschutz bei der Weilheimer Feuerwehr. „Wir sind auf solche Anwesen angewiesen – sonst können wir unsere Arbeit nicht machen und den lebensnotwendigen Dienst am Menschen verrichten.“

Das Problem ist, dass in Zeiten akuten Baudrucks nicht mehr bewohnte Anwesen schnell abgerissen werden, um Baugrund zu schaffen und anderen Wohnprojekten zu weichen.

Neubauten stehen zwar teilweise zur Verfügung, sie kommen aber nur bedingt in Frage, da die Übungen aufwendig sind, meist Löschwasser zum Einsatz kommt und Schäden entstehen können. Nicht der Idealfall. Deswegen sucht die Feuerwehr händeringend nach Objekten wie diesen – und ist dankbar um jeden Hinweis.

Nicht nur Atemschutzübungen stehen auf dem Programm. Dach- und Türöffnungen, Personenrettungen mit der Leiter oder – ganz wichtig – Maßnahmen zum Eigenschutz: Die Palette an dem, was ein Feuerwehrler beherrschen muss, ist riesig, und jeder einzelne Lehrgang hat es in sich, erfordert Zeit, ein Höchstmaß an Konzentration – und eben das „lebende Objekt“, in diesem Fall Häuser. Dieser ist froh, dass es das Haus an der Pollinger Straße noch einige Wochen lang gibt. Schon einmal hatten die Weilheimer Aktiven dort vor Kurzem einen Lehrgang – vielleicht kommt noch der ein oder andere hinzu.

LesenSie hier mehr über die Weilheimer Feuerwehr.

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