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Vor wenigen Wochen blühte es hier noch, aber da die Fläche unterhalb der Pöltner Kirche Baufläche werden soll, werden solche Bilder dort bald der Vergangenheit angehören. 

Unterhalb der Pöltner Kirche

Weg frei für neues Wohngebiet in Weilheim

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Weilheims Stadtrat hat grundsätzlich den Weg frei gemacht für ein neues Wohnviertel auf dem Anger unterhalb der Pöltner Kirche. Bei der Diskussion über die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans gab es Lob, aber auch warnende Worte – vor allem wegen des zusätzlichen Verkehrs.

Weilheim – Nachdem sich der Weilheimer Bauausschuss bereits für die Änderung ausgesprochen hatte (wir berichteten), schuf der Stadtrat jetzt Fakten. Ein großer Teil des Angers entlang der Geistbühelstraße soll mittelfristig Wohnbaufläche werden, neben der Bahnlinie ist Platz für eine Kindertagesstätte vorgesehen. Nur Petra Arneth-Mangano (SPD) stimmte gegen die Änderung des Flächennutzungsplans (FNP): Sie sei „sehr skeptisch“ angesichts dieser Entwicklung, sagte sie. Zudem trauere sie dem abgelehnten Bahnhalt an der Au nach, denn damit sei „die Tür für einen Tunnel unter dem Bahnübergang zu“ – der bei so viel neuer Bebauung wichtig wäre, so Arneth-Mangano.

Von CSU-Vertreterin Alexandra Bertl gab es hingegen ausdrücklich Lob für die FNP-Änderung. Sie begrüßte die „schöne Grünfläche“, die unterhalb der Pöltner Kirche vorgesehen ist: „Es ist wichtig, dass die Leute in der Nähe rausgehen können.“

Eine Befürchtung, die ein Bürger in einem Leserbrief an unsere Zeitung geäußert hatte, grifft BfW-Stadträtin Brigitte Holeczek in der Sitzung auf. Der Leserbriefschreiber hatte in Frage gestellt, dass die Kanalisationsbauwerke ausreichen werden, um die gestiegenen Abwassermengen durch ein neues Wohngebiet auch bei kräftigerem Regen aufzunehmen. „Da kann man völlige Entwarnung geben“, antwortete Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Vereinfacht gesagt“, werde die Entwässerung „unter der Grünfläche stattfinden, das ist schon unter Dach und Fach“.

Die weitere Diskussion drehte sich um die verkehrlichen Auswirkungen des künftigen neuen Wohngebiets. Die Verkehrssituation müsse man „im Zuge des Bebauungsplans klären“, sagte Verkehrsreferent Dr. Claus Reindl (BfW), „und nicht erst, wenn gebaut wird“. Auch Klaus Gast (CSU) mahnte eine „dringende Arbeit an Verkehrslösungen“ in diesem Bereich an. Und dazu gehörten, so Grünen-Sprecher Alfred Honisch, auch „Lösungen für den Bahnübergang Geistbühelstraße, wo jetzt schon ständig Rotphasen sind, und für die Straßenecke an der Pöltner Kirche“.

Zweiter Bürgermeister Horst Martin (SPD) plädierte für eine Vorgabe, wonach gleich im Bebauungsplanverfahren ein Mobilitätskonzept für das Wohnviertel erstellt werden müsse – etwa in Richtung „autofreies Wohnen“ oder „Carsharing“. Solche Konzepte würden andernorts bereits praktiziert, so Martin, und sie hätten auch Vorteile für die Investoren, weil sich diese beispielsweise Autostellplätze sparen könnten. Bürgermeister Loth war da allerdings skeptisch: „Die Frage ist, ob das die Menschen annehmen. Wenn nicht, dann stehen die Autos in den Nebenstraßen.“

Nach der Flächennutzungsplan-Änderung, die das Königsdorfer Büro „U-Plan“ im Auftrag der Stadt ausarbeiten wird, hat die Stadtrats-Mehrheit für einen Randbereich des Areals bereits die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Name: „Nördlich der Geistbühelstraße – Bereich Schwaigerstraße“. Demnach können südlich des Badewegs, zwischen dem Kindergarten Mariae Himmelfahrt und der Bahnlinie, bald sechs oder sieben kleine Einfamilienhäuser plus Garagen – so genannte „Starterhäuser“ – gebaut werden.

„Ich verstehe nicht ganz die Eile“, meinte dazu Stadtratsmitglied Wolfgang Mini (parteilos): „Warum will man jetzt schon mit dem ersten Scheibchen anfangen?“. Bürgermeister Loth verwies darauf, dass diese Bauzeile von der späteren Neubebauung auf dem Areal durch die geplante Grünfläche getrennt sei – und betonte: „Wir können hier schnell Nachfrage befriedigen.“

Die seit August in Weilheim geltende Sozialquote, wonach bei Großprojekten ein Teil der Wohnungen günstiger für Berechtigte zur Verfügung gestellt werden muss, werde bei diese Häuserzeile mangels Größe wohl nicht greifen, sagte Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork. Das störte Saika Gebauer-Merx, die deshalb gegen die Aufstellung des Bebauungsplans stimmte. Auch fünf weitere Stadtratsmitglieder – Wolfgang Mini (parteilos), Florian Lechner (BfW), Susann Enders und Walter Weber (FW) sowie Petra Arneth-Mangano (SPD) – stimmten mit „Nein“, was die Mehrheit für die Aufstellung des Bebauungsplans jedoch nicht gefährdete.

Magnus Reitinger

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