1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Florian Appels Traum fürs Weilheimer Stadttheater

Erstellt:

Von: Magnus Reitinger

Kommentare

Langjährige künstlerische Weggefährten: Die Musiker Florian Appel (l.) und Franz Leander Klee.
Langjährige künstlerische Weggefährten: Die Musiker Florian Appel (l.) und Franz Leander Klee. © privat

Eben erst ein Chanson-Abend, jetzt ein Programm mit Texten von Peter Handke: Florian Appel tritt gern auf im Weilheimer Stadttheater. Was er dort unbedingt gern mal aufführen würde, verrät der Musiker im Interview.

Weilheim – Wort und Musik zum 80. Geburtstag des Schriftstellers Peter Handke gibt es am 6. Dezember im Weilheimer Stadttheater: Florian Appel, bekannt als Leiter des Kammerorchesters Weilheim, liest mit seinem Künstlerfreund Franz Leander Klee aus Handkes Journalen; dazu erklingt Klaviermusik. Titel: „So schön im Garten. Komm!“ Warum ihm Handkes Texte „wahrlich zu Herzen gehen“ und was er unbedingt gern mal im Stadttheater aufführen würde, erklärt Appel im Interview.

Vor ein paar Tagen erst gaben Sie ein Programm über die Chansonsängerin Alexandra im Stadttheater, jetzt folgt ein Abend mit Texten von Peter Handke – das klingt nach einem echten künstlerischen Spagat…

Etwas verbindet die beiden sogar. Sie teilen das Geburtsjahr 1942. Alexandra, die 1969 so früh aus dem Leben Gerissene, wäre heute so alt, wie Peter Handke es jetzt am 6. Dezember wird, nämlich 80 Jahre.

Was fasziniert Sie am Schriftsteller Peter Handke?

Es ist da ein Schriftsteller, der mit maximaler Offenheit schaut und das Geschaute so ins Wort zu bringen vermag, dass man selbst zum Mit-Schauer und Mit-Stauner, Mit-Begeisterten wird, ja werden muss. Da ereignet sich im Lesen ein Angesprochen-Werden, das unmittelbar und elementar ist, das wahrlich zu Herzen geht, ohne dabei je ins Sentimentale, Gefällige zu kippen. Und dies gelingt ihm bei allem, was dem Schauenden, Wahrnehmenden vor Augen tritt. Noch das alleralltäglichste, scheinbar schmuckloseste und unoriginellste Dingsda erblüht und erscheint in seiner poetischen Gestalt.

Welches Buch von Handke würden Sie einem Einsteiger empfehlen?

Handke ist sein schriftstellerisches Leben lang mit Notizbüchlein und Bleistift unterwegs. Jeweils in zeitlichem Abstand sind Teile dieser Notate, die weniger Tagebuch, denn mitschreibende Weltaneignung sind, erschienen, als Journal-Bände veröffentlicht, und spannen so einen weiten Bogen, über die Jahrzehnte seines Schreibens hin. In ihnen lässt sich lesend herumspazieren, entdecken, innehalten und gewahr werden, was auszudrücken Sprache fähig ist.

Und welches ist Ihr Lieblingstext von ihm?

Ganz am Ende seines Theaterstückes „Immer noch Sturm“ ist eine Szenerie beschrieben, in der in einem dicht bevölkerten Touristenort in Alaska ein paar übrig gebliebene Ureinwohner vom Stamm der Athabasken reglos zwischen dem „Massengeschiebe“ auf dem Boden sitzen, nur, um von Zeit zu Zeit aufzustehen und sich, über die Touristenköpfe hinweg, einander stumm zuzuwinken, so, als sagten sie kurz: „He, ich bin noch da! – Und ich auch! – Und ich auch!“. Anschließend hocken sie sich einfach wieder hin. Das ganze Stück rührt mich, wieder und wieder, und insbesondere diese Stelle am Schluss.

Wie würden Sie beschreiben, was am 6. Dezember im Stadttheater zu erleben sein wird?

Ehrlich gesagt, ich weiß es noch nicht. Was mein langjähriger künstlerischer Weggefährte Franz Leander Klee und ich am Abend auf die Bühne bringen werden, ist heute offen und wird im Verlauf unserer Probenzeit aus unserer Begegnung mit Handkes Texten und uns selbst erwachsen. Fest steht, dass wir aus den Journalen lesen und sie „in den Raum stellen“ wollen. Und wir werden Klavier spielen. Musik, die wir beide mit Handke assoziieren, Bach, Schubert, Janacek, John Cage. Vielleicht singen wir noch ein zwei Lieder von Nick Cave, wer weiß. Jakob Arnold, ein Regisseur, den Franz und ich sehr schätzen, haben wir als kritische Begleitung zu unseren Proben eingeladen. Er wird mit aufmerksamem Auge darüber wachen, dass das Ganze schlussendlich für unser Publikum interessant wird.

Muss man Handke-Fan sein, um diesen Abend genießen zu können?

Der Anspruch ist, dass unser Publikum nach diesem Abend zu Handke-Fans geworden sein wird (lacht).

Im Theater am eigenen Wohnort aufzutreten, ist das für Sie eigentlich besonders aufregend?

Es ist besonders schön. Als ich mich vor zwei Jahren dazu entschlossen habe, mich dem Weilheimer Kammerorchester als dessen Dirigent anzuschließen, war damit auch die Entscheidung verbunden, künftig auswärtige Theater- und Konzertverpflichtungen nur noch sehr sporadisch einzugehen. Ich freue mich deshalb über jede schöne Gelegenheit, mich in diesen kulturell so vielgestaltigen Ort gestalterisch einbringen zu dürfen.

Wenn Sie sich drei Veranstaltungen für Weilheims Stadttheater wünschen dürften, welche wären das?

Zwei davon gibt es bereits: die ganz wunderbaren Theater-Produktionen der Weilheimer Festspiele, seit Jahren durch den unermüdlichen Einsatz von Andreas Arneth und Yvonne Brosch auf die Bühne gebracht, und, wie gerade eben wieder zu erleben war, Johannes Enders’ großartige Ammertöne. Jetzt fehlt eigentlich „nur“, dass einmal der Orchestergraben geöffnet wird und ein richtiges Musiktheaterwerk an diesem Ort zur Aufführung gelangt.

Und was möchten Sie selbst dort unbedingt noch auf die Bühne bringen?

Darf ich träumen? Mozarts „Zauberflöte“, als Weilheimer Produktion, von begeisterten Weilheimern für zu begeisternde Weilheimer! Wäre das nicht was?

Karten

für den Handke-Abend von Florian Appel und Franz Leander Klee am Dienstag, 6. Dezember, um 19.30 Uhr im Stadttheater Weilheim (Preis: 18 Euro, ermäßigt 12 Euro) gibt es unter Telefon 0152-266 366 28 oder per Mail an handke@florian-appel.de.

Auch interessant

Kommentare