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Der erste Schwung an Kleidung ist sortiert: Johannes Leykauff hat schon rund 60 gepackte Kisten in und an seiner Garage gestapelt. Damit der Platz reicht, nimmt er nur wirklich benötigte Sachen an. 

Private Aktion

Flüchtlingshilfe aus der Garage

Weilheim - Johannes Leykauff (43) aus Unterhausen will Flüchtlingen ganz praktisch helfen. Darum richtete er in seiner Garage ein Kleiderlager ein.

In der Garage stapeln sich Umzugskisten. Fein säuberlich mit Aufklebern versehen. „Männer Hosen Größen L/XL“ ist auf einem Aufkleber zu lesen, in Deutsch und Englisch. Auf einem Holztisch stapeln sich gefaltete Kleidungsstücke. Johannes Leykauff steht in seiner Garage und blickt zufrieden auf das Lager. Der 43-jährige Weilheimer hat hier neben seinem Haus an der Unterhausener Dorfstraße eine private Flüchtlingshilfe geschaffen. Von Unterhausen aus will der Entwicklungsingenieur Menschen in Not helfen – und zwar mit dringend benötigter Kleidung. Aus der Sammelstelle in Unterhausen sollen jetzt Kleiderspenden in die europäischen Flüchtlingslager gefahren werden. Und zwar von der Hilfsorganisation „Intereuropean Human Aid Association“ (IHA). Diese wurde erst 2015 in Österreich gegründet, sitzt auch in München und koordiniert den Einsatz freiwilliger Helfer in den Camps und schickt Material dorthin.

Leykauff hatte IHA im Dezember kennengelernt. Der Unterhausener war im Weilheimer Helferkreis engagiert gewesen, doch er wollte dort helfen, „wo die Not am größten ist“. Leykauff hatte in der Zeitung von der Organisation gelesen, nahm Kontakt auf, und war schon Ende des Jahres im Hilfseinsatz in Kroatien. Eine Woche arbeitete er im Durchgangslager in Slavonski-Brod. „Man sieht die Not und überlegt, was man machen kann.“ Dort stellte er fest, dass es oft an wohlsortierter Kleidung für die Betroffenen fehlt. Aber vor Ort sei es schwierig, die Spenden gut zu sortieren, merkte er.

Leykauff nahm diese Erfahrung mit nach Hause ins heimische Oberland. Er machte sich daran, dass Problem privat anzugehen. Auch, weil „ich nicht ständig in ein Lager fahren kann“, wie der Berufstätige schnell erkannte. Ende Januar wurde die Idee konkret: Der 43-Jährige fing an, eine Sammelstelle in der heimischen Garage einzurichten. Das Material für die Regale spendete ihm ein Weilheimer Baustoffhändler. Leykauff hatte bei Firmen angefragt, doch nur die „Baywa“ habe ihn unterstützt, erzählt er. Am 2. April startete er sein Projekt: Mit acht Helfern, darunter fünf Asylbewerbern aus Weilheim, wurde eine von der IHA aus München angelieferte Ladung Kleidung sortiert. „Das war der Einstieg“, sagt der Unterhausener – ab sofort werden dienstags in seiner Garage Kleiderspenden angenommen.

Doch der Unterhausener nimmt nicht alles an. Zum einen reicht der Platz nicht aus, zum anderen will er nur wirklich benötigte Sachen in die Lager bringen lassen. Aktuell werden Sommerkleidung für Erwachsene in kleinen Größen, S und M, sowie Schuhe in jeder Größe gebraucht. „Es kann nur saubere und gebrauchsfähige Kleidung angenommen werden“, betont Leykauff. Kindersachen hat er zwar derzeit genug auf Lager, aber der Bedarf sei nicht zu hoch. Ganz einfacher Grund: „Es sind nicht so viele Kinder unter den Flüchtlingen“, weiß der Helfer.

Je nach Bedarf holt die Hilfsorganisation eine Ladung ab und transportiert sie mit anderen Spenden in die Durchgangslager. Unter anderem sind die Einrichtungen in Idomeni, Calais und Dünkirchen das Ziel. Fast jedes zweite Wochenende würden sich freiwillige Fahrer auf den Weg machen. Leykauff versichert, dass die Spenden direkt bei den Betroffenen ankommen.

Wie lange er seine ehrenamtliche Sammelstelle betreiben wird, weiß Leykauff nicht. „Eigentlich ist sie dauerhaft geplant“, sagt er nachdenklich. Denn der Unterhausener ist wenig optimistisch: Die Flüchtlingskrise, fürchtet er, „wird noch einige Zeit dauern“.

Annahme

der Kleiderspenden ist bei Johannes Leykauff an der Dorfstraße 5a in Unterhausen jeden Dienstag von 17 bis 20 Uhr. Auch Helfer sind willkommen, ebenso weitere Lagerkapazitäten. Infos unter Telefon 0881/92779965 oder per E-Mail an IHA-Klei dung@freenet.de.

Andreas Baar

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