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Nach Starkregen kommt es immer wieder zu Hochwasser - wie hier im Juni 2018 in Weilheim.

Stadt hat sich beworben

Forschungsprojekt zum Starkregen: Weilheim als Pilotkommune?

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Die Stadt Weilheim will Pilotkommune für ein Forschungsprojekt zum  Klimawandel werden. Es geht um Frage, wie Gemeinden das Starkregenrisiko „managen“ können.

Weilheim – Ob die Stadt Weilheim tatsächlich als Pilotkommune für das Projekt KARE („Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene“) ausgewählt wird, ist noch offen. Bis 14. August können sich Städte und Gemeinden im Oberland dafür bewerben. Und Weilheims Stadtrat hat in der jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, dies zu tun. „Es kann uns nichts Besseres passieren, als fundierte wissenschaftliche Begleitung“, befand Alexandra Langer (CSU) – und war sich darin mit allen Kollegen einig: Man müsse „unbedingt teilnehmen“ (Brigitte Holeczek, BfW), „auf jeden Fall diese Chance ergreifen“ (Michael Lorbacher, SPD), das Ganze sei „eine gute Sache“ (Walter Weber, FW). „Mich freut die Zustimmung“, sagte Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Umweltreferent des Stadtrats und Vize-Landrat: „Das wäre ein Riesen-Glücksfall, wenn wir da Pilotkommune werden könnten.“

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KARE ist getragen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), gefördert vom Bundesbildungsministerium, geleitet von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“. Ab April 2020 soll das auf drei Jahre angelegte Projekt am Beispiel des Oberlandes „regionalisierte Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels bereitstellen“, wie es in der Ausschreibung heißt – und zwar bezüglich der „ansteigenden Starkregenrisiken“. Mit einer Pilotkommune will man exemplarisch „planungsrelevante Instrumente für das kommunale Risikomanagement und die Klimawandelanpassung“ entwickeln und testen.

Starkregenrisiko: Gemeinden bisher „auf sich allein gestellt“

Warum das Oberland dafür Modellregion ist? Starkniederschläge und Überflutungen hätten in den vergangenen Jahren „in vielen Kommunen des Oberlands zu erheblichen Schäden geführt“. Dabei seien insbesondere kleine und mittlere Städte und Gemeinden „auf diese Gefahren noch unzureichend vorbereitet“ und beim Risikomanagement „weitgehend auf sich allein gestellt“.

Das Voralpenland sei „besonders von Starkniederschlägen betroffen“ – mit Sturzfluten im Sommerhalbjahr und extremen Schneelasten im Winter. Zugleich, so heißt es in den Projekt-Unterlagen, seien die Kommunen „mit einem enormen Wachstumsdruck konfrontiert, der mit steigender Versiegelung und hohen Flächenkonkurrenzen einhergeht“. Aus dieser Kombination ergebe sich fürs Oberland „ein besonders hoher Anpassungsbedarf an Starkniederschläge“.

KARE will nun für eine Pilotkommune gemeinsam mit den Akteuren vor Ort eine „Starkregenrisiko-Analyse“ durchführen und ein Risikomanagement erarbeiten. Auch eine „ökonomische Bewertung der möglichen Schäden und Anpassungsmaßnahmen“ ist geplant, und ein Schwerpunkt liege auf „Maßnahmen zur Risikoreduktion“. Zudem werde die Gemeinde in der „Risikokommunikation“ gegenüber Bürgern, Unternehmen und Verbänden unterstützt, „um so die Vorsorge bei den möglichen Betroffenen frühzeitig anzustoßen“. Der Kommune entstehen durch das Projekt keine Kosten. Ausgaben für Investitionen werden dabei allerdings nicht gefördert.

Unter den Projektpartner ist ein Experte aus Weilheim

Auch wenn Weilheim nicht Pilotkommune für KARE werden sollte, könnte es von den Projektergebnissen profitieren. In einer Begleitgruppe haben interessierte Kommunen die Möglichkeit, an Expertengesprächen, Interviews und Workshops teilzunehmen. „Da haben wir sicher eher Chancen“, meinte Bürgermeister Markus Loth (BfW) im Stadtrat – und freute sich, dass unter den Projektpartnern auch der Weilheimer Meteorologie-Professor und Klima-Experte Stefan Emeis ist (als Mitarbeiter des Karlsruher Instituts für Technologie in Garmisch-Partenkirchen). „Der Klimawandel kommt“, erklärte Emeis kurz und knapp im Stadtrat: „Mit jedem Grad mehr haben wir sieben Prozent mehr Starkregen und Wasser.“

mr

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