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Auch wenn die Hühner im Stall bleiben,  besteht für die Tiere die Gefahr einer Infektion.  

Vogelgrippe im Landkreis

Freilandeier aus dem Stall

Landkreis - Seit Mitte November gilt für Geflügel im Landkreis Stallpflicht, um die Tiere vor dem Vogelgrippe-Erreger „H5N8“ zu schützen. Doch auch wenn die Hühner im Stall bleiben müssen, dürfen die Eier als Freilandeier verkauft werden – zumindest vorerst noch.

 „Es besteht noch immer in ganz Bayern eine akute Gefährdung für Geflügel, an Vogelgrippe zu erkranken“, berichtet Dr. Konrad Renner Abteilungsleiter des Veterinäramts im Landkreis Weilheim-Schongau. Der letzte bestätigte Fall sei am 13. Dezember in der Nähe von Schongau gemeldet worden. „Und es laufen täglich neue Meldungen aus Bayern und ganz Deutschland von infiziertem Wassergeflügel bei uns ein“, so Renner. Deshalb sei die Stallpflicht für Geflügel, die in ganz Deutschland verhängt wurde, auch weiterhin sinnvoll. Nur so könnten Hühner, Gänse und Enten vor der Geflügelpest geschützt werden.

Betroffen von der Stallpflicht ist im Landkreis eine Vielzahl von Geflügelhaltern – sowohl große, als auch kleine Betriebe. Über ein baldiges Ende der Verordnung konnte Renner keine Auskunft geben – das müsse das Bundesministerium entscheiden. Rund 30 000 Tiere dürfen im Landkreis nach Angaben des Veterinäramts derzeit nicht mehr ins Freie. Die Eier können jedoch trotzdem weiter als „Freilandeier“ verkauft werden – dafür gibt es bis 15. Januar eine Sonderregelung, da die Stallpflicht vom Gesetzgeber angeordnet worden ist.

Doch auch wenn die Hühner im Stall bleiben, bestehe für die Tiere die Gefahr einer Infektion, zum Beispiel wenn ein Geflügelhalter infizierten Vogelkot an den Schuhen mit in den Stall trägt. „Deshalb sollten die Halter gut auf die Hygiene achten und zum Beispiel die Schuhe vor dem Betreten desinfizieren. Ist ein Tier im Stall infiziert, muss der ganze Bestand gekeult werden. Bei Hobbyhaltern ist das schlimm, weil diese meist einen persönlichen Bezug zu den Tieren haben. Bei gewerblichen Betrieben würde eine Infektion von Tieren zudem einen hohen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen“, erklärt der Leiter des Veterinäramts.

Keine Gefahr für den Menschen

Eine Gefahr für den Menschen oder andere Tierarten bestehe durch den „H5N8“-Virus nach wie vor nicht. „Man merkt auch, dass sich die Öffentlichkeit bei dem Thema wieder etwas beruhigt hat“, sagt Renner.

Bei den Tieren sorgt die Stallhaltung für Stress, wie Josef Fischer, Vorsitzender des Vereins der Rassegeflügel-, Vogel- und Kaninchenzüchter für Weilheim und Umgebung, sagt: „Besonders die Tiere in kleinen Ställen leiden darunter. Kleine Betriebe haben nicht so viel Platz im Stall und dadurch sind die Hühner dort größerem Stress ausgesetzt.“ Zudem leide die Gesundheit der Tiere und sie bräuchten mehr Medikamente, weil sie nicht mehr in die Sonne kommen und ihnen dadurch Vitamine fehlen würden. „Ich kenne Betriebe, in denen die Legeleistung der Hennen durch die Stallpflicht deutlich zurückgegangen ist“, berichtet Fischer. In einem anderen Betrieb hätte der Landwirt sein Freigehege einfach überdacht und einen engmaschigen Zaun herumgespannt: „So können die Vögel nicht mehr rein und die Tiere kommen trotzdem raus“, erzählt er. Fischer hofft, dass die Gefährdung der Tiere durch die Vogelgrippe bald vorbei ist: „Dann können auch meine Hühner und Tauben wieder nach draußen.“

Genauso wie Josef Fischer aus Oberhausen geht es Markus Schleich vom Bicklhof in Peiting mit seinen 7000 Bio-Hühnern und Barbara Fischer vom Fischerhof mit 6500 Hühnern in Hohenfurch. Auch sie würden ihre Tiere gerne wieder nach draußen lassen: „Ich bin hin und hergerissen. Einerseits tun mir die Hühner leid, weil sie raus wollen. Andererseits wäre es ein Albtraum, sollten sich die Tiere mit der Geflügelpest anstecken“, so Markus Schleich. Doch beide Landwirte berichten, dass sich die Hühner bis jetzt im Stall ganz gut machen und durch die „großen Wintergärten“ in den Betrieben kämen die Tiere so auch an die Sonne und an die frische Luft. „Und damit den Tieren drinnen nicht langweilig wird, versuchen wir sie mit Picksteinen, Stroh und Körnern zu beschäftigen“, sagt Schleich.

Jonas Regauer

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