Der Freimaurer Peter Büstorff.
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Der Freimaurer Peter Büstorff.

Zoom-Meeting als Auftakt

Freimaurer-Loge in Weilheim? Pöckinger sucht Interessierte

Um die Freimaurerei ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Ein Pöckinger möchte nun mit den Vorurteilen aufräumen und sucht Interessierte für ein Langzeitprojekt.

Weilheim – „Um uns gibt es ja die wildesten Spekulationen“, sagt Peter Büstorff. Der 77-Jährige ist seit vielen Jahren Mitglied bei den Freimaurern. Die Vereinigung gilt gemeinhin als Geheimbund. „Eigentlich kann man aber so gut wie alles über uns im Netz recherchieren“, sagt er. Also doch kein Geheimbund? „Nein, das hört sich sonst gleich wieder so nach Verschwörungstheorie an.“

Büstorff wendet sich ganz bewusst an die Öffentlichkeit, denn er möchte Vorurteile über die Freimaurerei abbauen. „Warum sollten wir uns auch nicht öffnen und einer Diskussion in der Gesellschaft stellen?“, fragt er. Sein Ziel ist es, eine Loge in Weilheim zu gründen. Die oberbayrische Stadt sei aufgrund der zentralen Lage und der guten Erreichbarkeit ein idealer Standort dafür.

So kam Peter Büstorff zu den Freimaurern

Der gebürtige Berliner lebt seit fast 20 Jahren in der Gemeinde Pöcking am Starnberger See. Er ist gelernter Drogist, studierte anschließend und hat viele Jahre im Management eines bekannten, deutschen Warenhauses gearbeitet. Heute ist er als Coach in der Persönlichkeitsentwicklung tätig. Zu den Freimaurern kam er 1977. Er wurde damals in eine Berliner Loge aufgenommen und drei Jahre später schließlich zum Meister erhoben, dem höchsten Grad der Freimaurer. „Ich suchte damals eine lebendige, geistige Auseinandersetzung auf Augenhöhe und habe ich habe sie in der Freimaurerei gefunden“, sagt er. „Das gilt bis heute.“

Die Freimaurer

Die Freimaurerei geht auf die mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften und deren Bauhütten zurück und ist ursprünglich in England entstanden. Weltweit gibt es heute mehrere Millionen Freimaurer, die in verschiedenen Logen und Dachverbänden organisiert sind. Neben der Mehrzahl an reinen Männerlogen existieren auch gemischte Logen oder aber reine Frauenlogen. Freimaurer begreifen sich selbst als ethischen Bund. Sie stehen für Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit, soziale Gerechtigkeit und Friedensliebe ein und sind der festen Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu Selbsterkenntnis und einem menschenzugewandten Verhalten führt. Viele Freimaurer machen ihre Mitgliedschaft nach wie vor nicht öffentlich. Zu bekannten männlichen Freimaurern gehörten u.a. Goethe, Mozart, Schiller, George Washington, Gustav Stresemann oder Karl-Heinz Böhm.

Büstorff erzählt von den Zusammenkünften der Bruderschaft: Man treffe sich zur sogenannten Tempelarbeit. Die Loge wird hier zur Begegnungsstätte und Ort für den geistigen Austausch der Brüder untereinander. Ziel sei es, einen gemeinsamen Konsens zu finden, auch oder gerade weil man unterschiedlicher Meinung ist. „Wo bin ich, wo bist du und wo haben wir eine gedankliche Verbindung?“, benennt Büstorff die Kernfragen. „Freimaurer sein, heißt auch immer, ein Leben lang an sich zu arbeiten“, führt er weiter aus und unterstreicht damit sein Lebensziel. Sinnbildlich für die Arbeit an sich selbst steht der raue Stein, der in vielen Logen auch als reales Symbol verwendet wird. Er kann als Zeichen für den Charakter eines Menschen gedeutet werden, der behauen und bearbeitet werden muss.

Freimaurer-Logen als Orientierungshilfen

Logen wollen laut Büstorff durch Information und gemeinsames Nachdenken Orientierungshilfen im eigenen Leben geben. Dabei können sämtliche Themen besprochen werden, ausdrücklich davon ausgenommen sind aber die Themen Religion und Politik. „Um die Spannungsfelder rauszulassen“, erklärt Büstorff. Welcher Religion oder Partei man angehört, spiele bei den Freimaurern keine Rolle. „Wir sind alle gleich und bewerten den Menschen nicht anhand ihrer Zugehörigkeiten“, sagt er.

Die Tempelarbeit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Das ist bewusst so gewählt“, sagt er. „Denn so kann sich jeder frei äußern und muss nicht befürchten, dass seine Worte nach außen getragen werden.“ Bürstorff empfindet die Zusammenkünfte der Bruderschaft als „befreiend und belebend“. Er sagt: „Man ist ganz im Moment, das hat etwas sehr Kontemplatives.“

Freimaurer-Loge soll in Weilheim gegründet werden: Zoom-Meeting als Auftakt

Zur Vorbereitung der Logen-Gründung hat Büstorff den „Weilheimer Kreis“ ins Leben gerufen. Er möchte auf diese Weise die Neugierde der Menschen wecken und mit ihnen ins Gespräch kommen. Virtuell sind mehrere Treffen angesetzt, teilnehmen kann vorerst jeder, der möchte. Der Auftakt findet am Mittwoch, den 14. April um 20 Uhr unter dem Titel „Der Lebensstil im Wandel der Gesellschaft. Leben wir noch zeitgemäß?“ statt. Interessierte melden sich unter der E-Mailadresse weilheimerKreis@t-online.de und erhalten dann eine Einladung zu dem Zoom-Meeting. Danach werden im wöchentlichen Rhythmus vier weitere Sitzungen folgen, die zuvor hier in der Zeitung angekündigt werden.

Büstorff freut sich bereits auf den Austausch mit Gleichgesinnten. Auch bereits in Freimaurer-Logen aktive Brüder lädt er herzlich zu den virtuellen Treffen ein.

VON JENNIFER BATTAGLIA

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