Lawinenverbauungen und ein Gipfelkreuz wurden als Freinachtsscherz bei Habach an der Baustelle der B 472 errichtet. 

Lange Liste von Straftaten in der Nacht auf 1. Mai

Freinacht ist kein Freibrief

Beschmierte Fassaden, entwendete Gartentore, mit Toilettenpapier umwickelte Autos. Die Bandbreite in der Freinacht ist groß. Doch was ist Brauchtum, was Straftat und was einfach nur Scherz? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.

Landkreis– Die Liste der Straftaten, die heuer in der Nacht auf den 1. Mai begangen wurden, ist lang: Allein in Wielenbach entstand ein Schaden von rund 10 000 Euro, weil Unbekannte drei Autos mit rosarotem Lack besprüht haben. Auch in Weilheim wurden Fassaden, Türen und Briefkästen besprüht, eine Baustellentoilette umgestoßen. Bei der Polizei in Weilheim und Penzberg gehen immer noch Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Diebstahl ein.

Laut Harald Bauer, dem Leiter der Polizeiinspektion Weilheim, ging es diesmal bei der Freinacht aber nicht besonders schlimm zu. „Die Straftaten hielten sich im üblichen Rahmen der letzten Jahre“, sagt Bauer. Vor fünf Jahren sei es regelrecht Mode gewesen, Gullideckel aus ihrer Fassung zu hebeln und den Gulli offen zu lassen, was eine große Gefahr darstelle. Das sei heuer zum Glück nicht vorgekommen.

Wie viele Straftaten in der Freinacht begangen wurden und wie hoch der insgesamt entstandene Sachschaden ist, kann der Leiter der Polizeiinspektion noch nicht sagen, denn es gehen immer noch täglich Anzeigen ein – in erster Linie wegen Sachbeschädigung und Diebstahls. „Die ganzen Strafanzeigen kommen erst noch“, so Bauer. Er weist darauf hin, dass das Strafgesetzbuch auch in der Freinacht gilt. Die Polizei wolle kein Spaßverderber sein und Scherze könnten auch toleriert werden, „aber es gibt ganz klare Grenzen“, sagt Bauer.

Wo die Grenze zum Brauchtum gezogen wird, weiß Kreisheimatpfleger Klaus Gast: „Das eigentliche Brauchtum in der Freinacht liegt darin, öffentlich darauf hinzuweisen, dass einer recht g’schlampert ist und keine Ordnung hat“, sagt er. „Das geschehe dadurch, dass ihm die Dinge, die im Garten oder auf dem Grundstück herumliegen „verzogen werden.“ Damit solle dem Eigentümer lediglich seine Unordnung vor Augen gehalten werden. Es habe auch immer geheißen, dass alles, was unter Dach sei – auch unter einem Vordach – tabu sei. „Zum Beispiel Fensterläden abzuschrauben ist nicht vom Brauchtum gedeckt“, sagt Gast. Seiner Ansicht nach werden unter dem Deckmantel des falsch verstandenen Brauchtums viele Dinge getan, die sich in anderen Nächten niemand zu tun traue. „Da werden Zerstörungen, Beschädigungen und Diebstähle dem Brauchtum untergeschoben.“ Das sei aber kein Brauch, sondern vielmehr Missbrauch. „Die Freinacht ist kein Freibrief“, sagt Gast. Aber wie alle Bräuche sei auch dieser in Gefahr, falsch verstanden und falsch ausgelegt zu werden.

Eine etwas neuere Entwicklung sind die Freinachtscherze, bei denen nichts zerstört, beschmiert oder beschädigt wird, die aber für gute Stimmung beim Betrachter sorgen. Ein Beispiel dafür ist das Arrangement, das in der Nacht auf den 1. Mai an der Baustelle an der B 472 bei Habach errichtet wurde: Dort wurde auf Höhe des Zubringers zum neuen Gewerbegebiet „Mühltal“ auf einer Kiesaufschüttung ein Gipfelkreuz aufgestellt, unter dem Lawinenverbauungen für Sicherheit sorgen sollen. Eine Schranke und Warnschilder weisen auf die Lawinengefahr hin. Gegen Scherze dieser Art ist sowohl aus strafrechtlicher Sicht als auch aus Brauchtumssicht nichts einzuwenden.

Kathrin Hauser

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