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Gebremster Auftritt: die Musikerinnen um Ingrid Sonn-Knee (l.) und Erzähler Peter Hoffmann. 

Stadttheater weilheim  

Ein „Sommernachtstraum“ mit Fragezeichen

Weilheim - Den  „Sommernachtstraum“ führten die „Freunde des Weilheimer Theaters“ auf. Dabei blieben viele Fragen offen.

Im Mai 2014 boten die „Freunde des Weilheimer Theaters“ schon einmal eine Märchen-Lesung mit Peter Hoffmann und Flötenensemble. Damals passte der sanfte Lese-Duktus noch gut zur orientalischen Atmosphäre. Doch die Nacherzählung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ vergangenen Sonntagabend durch das Ensemble hinterließ viele Fragezeichen.

Zunächst war die Frage, warum man ein Konzept wiederholt, das – durchaus zu Recht – noch gut im Gedächtnis ist. Die Choreografie der Wechsel aus Lesung und Musik war dem seinerzeitigen „Meisterdieb“ einfach viel zu ähnlich, um neue Spannung aufkommen zu lassen. Zumal das treue Publikum in Mehrzahl den Vorläufer kennt.

„Ein Sommernachtstraum im Winter“ machte eigentlich neugierig, wie das volle Stadttheater bewies. Die Umsetzung hatte mit Winter indes rein gar nichts zu tun. Sollte der Titel die Vorspiegelung einer kreativen Abwandlung sein, so war hier nur eine gähnende Fehlstelle zu konstatieren. War stattdessen ein keckes Wortspiel mit der Jahreszeit intendiert, so wirkte dieses 28 Stunden vor dem meteorologischen Frühlingsanfang etwas bemüht.

Zum Fast-Nur-Positiven zählte die Musik, für die Cembalistin Ingrid Sonn-Knee passende Mitstreiterinnen gefunden hatte: Beate Hariades, die mit ihren Gesangseinlagen stimmig den koloraturfreien Renaissance-Geist traf und gelegentlich auch Flöte spielte. Doris Gurowski und Dagmar Holland faszinierten mit exotisch tieftönenden Instrumenten: Barockfagott und Dulzian, eine Art Holzschalmei. So hörte man den Interpretationen gerne zu, auch wenn für Shakespeares wildes Schauspiel wahrlich eine Trommel hätte hinzutreten müssen. Die gebändigte Musik machte der ohnehin gebremsten Lesung keine Beine.

Immerhin, mit einem kostbar gesungenen italienischen Wiegenlied bezauberte das Musik-Ensemble und verwies damit unfreiwillig aufs nächste Fragezeichen: Warum nur hatte man dem Erzähler einen Gesangspart zugedacht? Selbst als Komik war das Lied vom „Kuckuck und dem Esel“ nicht mehr zu bezeichnen; es war mindestens flach, wenn nicht sogar peinlich interpretiert. Größter Bremsklotz des leider nicht recht zündenden Abends war die Textgestalt vom „Sommernachtstraum“ selber. Hier ist erstens die Vielzahl der Personen höchst undankbar, denn stets müssen deren Beziehungen, Verkleidungen, Verwechslungen und Traumgebilde Erläuterung finden. Zeigte Hoffmann hier noch ein gut strukturierendes Händchen, so hätte dieses Talent seine Fortsetzung in einer Vielzahl verschieden imitierter Stimmen finden müssen, so wie dies Wolf Euba seinerzeit umgesetzt hätte. Hoffmanns zwar humorvoller, aber kaum variierter Leseton für ein Dutzend sich umwuselnder Gestalten geriet letztlich etwas ermüdend. Einen lebendigen Charakter verlieh Hoffmann immerhin der Figur des „Zettel“, über die gebührend geschmunzelt werden konnte. Doch ein englisches Shakespeare-Zitat mit grandios missglückter Aussprache setzte dem Abend endgültig seine leider etwas schiefe Krone auf. 

Andreas Bretting

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