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Voller Einsatz auf der  Frankfurter Buchmesse: Friedrich Denk bei einem  seiner Vorträge in Sachen "Leseförderung" auf der "Kids Stage".

Friedrich Denk auf der Frankfurter Buchmesse

„Lies – und werde reich!“

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Weilheim - Der frühere Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk (73) warb auf der Frankfurter Buchmesse für das Lesen. Und das in seiner einmaligen Art.

 Es gibt ein paar Menschen, die noch mehr Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse 2016 hatten als Friedrich Denk. Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff zum Beispiel, der für seinen Roman „Widerfahrnis“ vor sieben Tagen den „Deutschen Buchpreis“ erhielt und auf der Messe nun von Lesung zu Lesung, von Gespräch zu Gespräch gereicht wurde. Doch nicht weit hinter Kirchhoff dürfte, was die Schlagzahl an Auftritten betrifft, der frühere Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk rangieren. Und sein Glück gegenüber dem Buchpreisträger war: Er durfte – wenn auch meist vor etwas weniger Publikum als die Autoren der Stunde – über mehr, über verschiedene Themen sprechen.

Fünf offizielle Veranstaltungen hatte Denk auf der Buchmesse 2016, die am Sonntagabend mit der stolzen Zahl von 278 000 Besuchern zu Ende ging, und jede hatte ein anderes Thema. Am Mittwoch veröffentlichte er mit Autoren, Verlegern und Germanisten die „Frankfurter Erklärung nach 20 Jahren Rechtschreibreform“. Am Donnerstag verlieh Denks „Arbeitskreis Lesen und Rechtschreiben heute“ im noblen Lesezelt der Messe die mit insgesamt 22 100 Euro dotierten „Frankfurter Orthographie-Preise“; überreicht hat diese übrigens Jurymitglied Mario Adorf, den man wohl einen der allerprominentesten Prominenten dieser promireichen Messe nennen darf – und der gleich mal entsprechendem Blitzlichtgewitter der Fotografen ausgesetzt war.

Am Freitag dann erklärte Friedrich Denk in einem einstündigen Vortrag auf der „Kids Stage“, „warum Lesen die klügste Freizeitbeschäftigung ist“, am Samstag diskutierte er im „Forum Bildung“ die „Rechtschreibreform in Verlagen, Zeitungen, Schulen und Hochschulen“, und am Sonntag – puh, gleich dürfen Sie und darf auch er durchschnaufen... – sprach Denk noch unter dem hübschen Titel „Lies – und werde reich!“. Denn ausgerechnet von den Milliardären, die für die Herrschaft von Computern und Smartphones stehen, lasse sich lernen, wie wichtig das Lesen ist: „Apple“- Gründer Steve Jobs, weiß Denk, gab seinen Kindern keine „i-pads“ – weil die vom Lesen abhalten, Vater Jobs aber mit seinem Nachwuchs beim Abendessen über Bücher diskutieren wollte.

Was ist zu tun, dass junge Leute Leser werden? Diese Frage bewegt Friedrich Denk noch viel, viel mehr als die Rechtschreibreform, gegen die er seit über 20 Jahren kämpft. In einen herrlichen Furor gerät der seit 2004 pensionierte Deutschlehrer, wenn er auf der „Kids Stage“ der Buchmesse erklärt, warum jede Stunde, die ein Kind mit einem Buch, aber auch mit einer Zeitung verbringt, ein Stück Lebensglück ist und zu Lebensglück führt: Weil man beim Lesen eben nicht nur lesen lernt, sondern auch genaues Sehen, Schreiben, Sprechen, Zuhören und Denken. Letzteres allerdings, meint Denk, ist wohl schuld daran, dass Leseförderung für die Wirtschaft kein Thema ist. Denn Leser seien schlechte Konsumenten: während des Lesens nicht erreichbar für Werbung und Geschäftemacher – und hinterher dann auch noch kritischer. „Leser kaufen weniger Zeug“, ist sich Denk sicher.

Der 73-Jährige verkündet seine Botschaften auf all den Bühnen mit vollem Körpereinsatz, witzigen Anekdoten, hohem Tempo und sich teils überschlagender Stimme. Jung hält ihn nicht nur das Lesen und Schreiben. Seit er 2013 sein Buch „Wer liest, kommt weiter“ veröffentlicht hat („das beste zum Thema ,Lesen’, das ich kenne“, wie Denk selbst sagt), hielt der Wahl-Züricher über 60 Vorträge dazu. Zwei Mädchen, mit denen er als Nachhilfelehrer regelmäßig Bücher liest und bespricht, hatte er auf die „Kids Stage“ nach Frankfurt mitgebracht. Zoé (11) und Olivia (9) waren in der Tat beeindruckende Beispiele dafür, wie gut Lesen Kindern tut: Großartig lasen sie aus Michael Endes „Momo“ und Cornelia Funkes „Tintenherz“ vor – und strahlten.

Gewiss war diese Veranstaltung nur eine Randnotiz auf der gewaltigen, herrlichen, vor Angeboten berstenden Frankfurter Buchmesse 2016. Zwar lauschten vor diesem Podium kaum 30 Zuhörer, es war kein Fernsehen, kein großes Feuilleton erschienen. Aber es wurden dort einige der wichtigsten Sätze der gesamten Messe gesagt.

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