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Die Fußgängerbrücke an der Au  in Weilheim soll mindestens 25 Zentimeter angehoben werden, die beim Paradeis sogar 65 Zentimeter.

Hochwasserschutz

Weilheims Ammer-Stege müssen höher werden

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Spätestens 2021 soll der „Hochwasserschutz Weilheim Süd“ an der Ammer fertiggestellt sein. Bei Wassermassen, wie sie das Pfingsthochwasser 1999 brachte, wäre Weilheim dann sicher, so verspricht das Wasserwirtschaftsamt. Zusätzlich müssen allerdings auch die beiden Weilheimer Fußgängerstege angehoben werden.

Weilheim – Der „Hochwasserschutz Weilheim Süd“ umfasst ein ganzes Bündel von Maßnahmen an der Ammer zwischen Oderding und der Kreisstadt – und er ist seit Jahren schon Thema. Weilheim soll dadurch vor einem so genannten hundertjährlichen Hochwasser (HQ 100) geschützt werden, also einem, wie es statistisch gesehen einmal in 100 Jahren vorkommt. Wobei in die Daten ein „Klimazuschlag“ von 15 Prozent eingerechnet wird.

Neu ist, dass in Weilheim selbst die beiden viel benutzten Fußgängerbrücken betroffen sind, die an der Au und beim Paradeis über die Ammer führen: Sie müssen höher werden, wie Sigrun Frank vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) in der Januar-Sitzung des Weilheimer Bauausschusses erklärte. Das habe eine generelle Überprüfung der Ammer ergeben, unabhängig vom „Hochwasserschutz Weilheim Süd“.

Die jetzige Höhenlage der beiden Stege basiere auf Berechnungen aus den 1980er Jahren, deren Methoden laut Frank nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen; diese konnten, wie man jetzt weiß, „die tatsächlichen Abflussverhältnisse nicht ausreichend abbilden“. Auch habe es in jenen Bereichen der Ammer in den vergangenen Jahren „extreme Auflandungen“ von teilweise bis zu einem Meter gegeben. Diese würden ausgebaggert, doch um den nötigen Abflussquerschnitt zu bekommen, müsse die Fußgängerbrücke an der Au laut neuen Berechnungen mindestens 25 Zentimeter angehoben werden – und die am Paradeis 65 Zentimeter. Wenn möglich sollten beide Stege noch mehr erhöht werden.

Wie die Höherlegungen der beiden Bogenbrücken technisch durchgeführt werden, das ist noch offen. Dass sie gemacht werden, scheint klar. Der Bauausschuss des Stadtrats hat vergangene Woche einhellig zugestimmt. Obwohl diese Maßnahmen nichts mit dem „Hochwasserschutz Weilheim Süd“ zu tun haben, können sie in das Projekt integriert werden – was Frank zufolge „ein großer Vorteil für die Stadt“ ist. Denn Auftraggeber und Planer ist somit (über das WWA) der Freistaat Bayern. Die Gesamtkosten für den „Hochwasserschutz Weilheim Süd“ betragen laut aktueller Schätzung rund 6,2 Millionen Euro. Die Anhebungen der beiden Stege in Weilheim sind darin bereits grob einkalkuliert (sollten Neubauten nötig sein, wäre das allerdings teurer). Die Stadt muss voraussichtlich deutlich weniger als die Hälfte davon tragen.

Sigrun Frank, Leiterin des Fachbereichs „Wasserbau, Gewässerentwicklung“ am WWA Weilheim, skizzierte im Ausschuss auch die eigentlichen Maßnahmen des „Hochwasserschutzes Weilheim Süd“. Demnach sind, vor allem auf Oderdings Flur, einige kleine Deiche geplant – 70 bis 130 Zentimeter hoch, vier bis sieben Meter breit und flach abfallend, so dass die Wiesen weiter bewirtschaftet werden können. Bei der Brücke an der Staatsstraße ist eine Schutzwand mit einer rund 1,30 Meter höhen Stützmauer vorgesehen. Das Wehr bei Oderding wird durch drei Sohlgleiten ersetzt, mit Fischaufstieg zum Dorfbach. An zwei Stellen hätte das WWA gern Retentionsflächen, worüber aber erst mit den Grundeigentümern zu verhandeln ist. „Wir werden sicher keine Enteignung durchführen“, so Frank.

Im Februar soll die Planung auch im Gemeinderat Polling vorgestellt werden, dann rasch das Wasserrechtsverfahren beginnen (das mindestens sechs Monate dauern wird), ehe es an die Ausführungsplanung geht. „Wenn alles, alles gut läuft“, sei man Ende 2020 fertig; Frank geht aber eher von 2021 aus. Weilheim wäre dann „auch bei einem Ereignis wie 1999 sicher“, sagte die Bauoberrätin auf Nachfrage von Stadträten. Doch nicht von ungefähr rede man heute stets von „Hochwasserschutz“, nicht wie früher von „Hochwasserfreilegung“, so Frank: „Es gibt immer Ereignisse darüber hinaus, für die man sich wappnen muss.“

Auf Nachfrage der CSU versicherte die WWA-Vertreterin, dass die Planung fürs Gewerbegebiet „Achalaich“ keine Auswirkungen auf die nötigen Schutzmaßnahmen habe.

Magnus Reitinger

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