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G9-Umstellung: Nicht alle Gymnasien haben genügend Platz für mehr Schüler — Müssen teure Anbauten her?

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Rückkehr zum G9 in Bayern
Die Uhr tickt: Die ersten Schüler des neunjährigen Gymnasiums sollen 2026 ihr Abitur ablegen. © Armin Weigel/ dpa

Die ersten Schüler des neunjährigen Gymnasiums sollen 2026 ihr Abitur ablegen. In drei Jahren wird der Platzbedarf in den Gymnasien also deutlich steigen, da eine zusätzliche Klassenstufe untergebracht werden muss.

Landkreis Weilheim-Schongau – Das klingt erst einmal kompliziert, ist aber ganz einfach zu erklären. Im September 2025 werden die neuen fünften Klassen im Gymnasium ankommen. Die zwölften Klassen, die bislang nach dem Abitur die Schule verlassen hätten, bleiben aber noch ein Jahr, weil sie erst in Schuljahr 13 ihren Abschluss machen werden. Es muss also eine zusätzliche Klassenstufe in den Gebäuden der Gymnasien in Weilheim, Schongau und Penzberg untergebracht werden.

Vorbereitungen für G9 laufen im Landratsamt Weilheim-Schongau auf Hochtouren

Beim Landratsamt laufen die Vorbereitungen dafür schon lange auf Hochtouren. Doch während in anderen Landkreisen jetzt aufgeregt über den Bau neuer Gymnasien diskutiert wird, ist die Lage im Landkreis Weilheim-Schongau derzeit noch beherrschbar.

„Am Gymnasium in Schongau bereitet uns die Umstellung von G8 auf G9 keinerlei Sorgen“, sagt Kreiskämmerer Norbert Merk im Gespräch mit der Heimatzeitung. Auch in Weilheim würden derzeit „400 bis 450 Schüler weniger als zu den absoluten Hochzeiten“ das Gymnasium besuchen, führt er weiter aus. Dazu komme noch, dass direkt neben dem Gymnasium in der Kreisstadt eine Realschule stehe, deren Schülerzahlen kontinuierlich sinken würden. Im Zweifelsfalle könnten also, wenn die Kapazitäten nicht ausreichen sollten, auch Räume der Realschule mit Gymnasiasten belegt werden. „Bei den Sanierungen der Gymnasien in Weilheim und Schongau haben wir bereits darauf geachtet, dass wir genügend Reserven für G9 mit einplanen“, so Merk weiter.

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Gymnasium Penzberg bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen

Einzig der Gymnasiumsstandort Penzberg bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. „Im Gegensatz zu Weilheim und Schongau haben wir hier keine rückläufigen Schülerzahlen“, so der Kreiskämmerer. Das liege an der höheren Übertrittsquote in der „Akademikerstadt Penzberg“ – auch wenn diese immer noch auf „normalem Niveau“ liege und nicht wie in manchen Teilen Münchens fast jedes Kind am Gymnasium angemeldet werde. Dazu kämen zahlreiche Gastschüler aus dem Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

„Momentan haben wir noch keine Not in Penzberg, der Bedarf wird aber sicher entstehen“, so Merk. Deswegen hat der Landkreis die Stadt Penzberg gebeten, das Gelände der ehemaligen Molkerei genauer zu untersuchen. „Im Bergbaugebiet Penzberg müssen wir sicher sein, dass der Grund auch ein mehrstöckiges Gebäude tragen würde“, so Merk. Seit vergangenem Mittwoch liegt der erste Entwurf des Bodengutachtens vor. „Es muss zwar noch im Detail ausgewertet werden, aber prinzipiell lässt sich sagen, dass wir die übliche Situation in Bergwerksorten vorfinden“, so Merk gestern.

Sollte die genaue Auswertung nicht noch unliebsame Überraschungen zu Tage fördern, werde der Landkreis in Grundstücksverhandlungen mit der Stadt eintreten, um die Fläche entweder zu kaufen oder einen langfristigen Erbbaupachtvertrag abzuschließen. „Dann könnten wir dort einen Erweiterungsbau für das Gymnasium errichten“, so Merk.

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Ein Erweiterungsbau für das Gymnasium Penzberg könnte zwölf Millionen Euro kosten

Etwa zehn Klassenzimmer und die nötigen weiteren Räumlichkeiten würden darin entstehen. Zehn deswegen, weil „im Bestandsgebäude des heutigen Gymnasiums nicht alle Klassenräume die vorgeschriebene Mindestgröße von 65 Quadratmetern haben“. Sollte der Erweiterungsbau angegangen werden, macht sich Merk keine Illusionen über die zu erwartenden Kosten: „Genau kann man das natürlich erst sagen, wenn die Planung steht, aber wenn man von 1500 Quadratmetern á 5000 Euro ausgeht und die immer weiter steigenden Baukosten mit einrechnet, kommt man schnell bei zehn bis zwölf Millionen Euro raus“, so der Kämmerer des Landratsamtes.

Einen Teil der Kosten könnte, so ist der Plan, der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen übernehmen. „Entsprechende Vorgespräche hat es gegeben, jetzt warten wir allerdings erst einmal ab, bis konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen“, sagt Merk dazu.

Doch Moment mal: Wenn der Freistaat Bayern erst beschließt, dass acht Jahre Gymnasium reichen, um dann doch wieder zurück zum G9 zu wechseln: Warum zahlt München dann nicht die damit verbundenen Kosten? „Prinzipiell ist das so“, erklärt Merk. Allerdings würde der Freistaat bestimmte Bedingungen stellen. Zunächst einmal würde er nur die Kosten übernehmen, die tatsächlich mit der Umstellung auf G9 verbunden sind. Demografische Entwicklungen – also, wenn ein besonders geburtenstarker Jahrgang aufs Gymnasium kommt und deswegen der Platzbedarf zunimmt – blieben außen vor. Auch wenn im Schulgebäude einzelne Räume anderweitig genutzt würden – etwa als Vereinszimmer oder Proberäume – zahle der Freistaat nichts dazu, warnt Merk.

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Zentralkrankenhaus oder Erweiterungsbau für das Gymnasium?

Ohnehin dürfte unklar sein, ob der Landkreis überhaupt die nötigen Mittel für den Erweiterungsbau auf dem Penzberger Molkereigelände aufbringen kann. Sollte sich der Kreistag entschließen, wirklich das neue Zentralkrankenhaus errichten zu wollen, das (vor Abzug der Förderung) rund eine halbe Milliarde Euro kosten würde, dann wäre kaum noch Geld für zusätzliche Investitionen wie den Erweiterungsbau übrig.

Wie die Abiturienten des Gymnasiums in Penzberg kürzlich ihren Abschluss feierten, lesen Sie hier.

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