Monika Pummer vom Hotel Dragoner in Peiting: Einige Zimmer stehen jetzt bei ihr leer, Gäste mussten wegen des Beherbergungsverbots stornieren. Neue Anfragen bleiben wegen allgemeiner Verunsicherung aus
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Monika Pummer vom Hotel Dragoner in Peiting: Einige Zimmer stehen jetzt bei ihr leer, Gäste mussten wegen des Beherbergungsverbots stornieren. Neue Anfragen bleiben wegen allgemeiner Verunsicherung aus.

Beherbungsverbot im Landkreis Weilheim-Schongau

Gäste-Chaos und Unsicherheit

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Das Beherbergungsverbot, das die Bayerische Staatsregierung für Reisende von Corona-Hotspots erlassen hat, sorgt auch im Landkreis für Turbulenzen. Wer darf jetzt wann und wo schlafen? Viele Fragen sind offen – selbst beim Tourismusverband Pfaffenwinkel.

  • Das Beherbungsverbot sorgt im Gastgewerbe des Landkreises Weilheim-Schongau für jede Menge Ärger.
  • Die Vermieter kommen mit der Kontrolle kaum hinterher und fürchten immense Bußgelder.
  • Selbst der Tourismusverband Pfaffenwinkel schaut bei all den verschiedenen Regelungen kaum noch durch.

Landkreis – „Es ist alles total verrückt.“ Doreen Schubert, ihr Mann und ihr neunjähriger Sohn würden in dieser Woche mit dem Alpin Coaster in Oberammergau den Berg hinunter brausen, Neuschwanstein bestaunen und den Eibsee umrunden. Is’ nicht: Die Kleinfamilie kommt aus Berlin. Ihr Urlaubs-Traum für die Wander-Herbstferien im Pfaffenwinkel wird am vergangenen Freitag jäh zerstört.

Familie Schubert kommt aus Berlin Tempelhof. Die Ferienwohnung in Peiting hat sie schon lange im Voraus gebucht. In Berlin sind Herbstferien. Und dann das: Zwei Tage vor der Abreise kommt das Beherbergungsverbot der Bayerischen Staatsregierung. Ein erster Anruf beim Vermieter in Peiting: „Dürfen wir kommen?“ Viele Fragezeichen auf beiden Seiten.

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Es folgen viele Telefonate. Mit Ärzten. Dem Gesundheitsamt. Stundenlanges Anstellen am Corona-Test-Zentrum in Berlin. Die bittere Erkenntnis am Freitag, einen Tag vor der Abreise: Berlin und Peiting kommen in diesem Herbst nicht zusammen. Zu lange – ganze vier Tage – dauert es, bis die offiziellen Test-Ergebnisse vorlägen. Da wäre die Familie schon drei Tage im Urlaub. Ohne offiziellen Negativ-Test. Den Vermieter kann das Kopf und Kragen kosten.

Betroffene erhalten aus Kulanzgründen ihr Geld oftmals zurück

„Wir haben uns so gefreut und eigentlich können wir ja auch nichts dafür“, sagt Doreen Schubert. Vor allem ihren neunjährigen Sohn hat die Sache mit dem abgesagten Urlaub hart getroffen. Zumindest ihr Geld bekam die Familie – aus Kulanz – zurück.

So hält es auch Monika Pummer, Chefin des Gasthofs und Hotels Dragoner in Peiting. Sie ist als Hotelier eine derjenigen Gastgeber, die am meisten unter dem Beherbergungsverbot leiden. Wie findet man immer schnell heraus, woher ein Gast kommt? „Wir haben noch Glück mit unserem guten Computer-Programm.“ Das wird von Chefin Pummer jeden morgen auf den aktuellen Hotspot-Stand gebracht und blinkt dann gleich beim Check-In auf, wenn ein Gast aus einem der ausgewiesenen Risiko-Gebiete gehört.

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Das ist bis jetzt im Hotel Dragoner so noch nie passiert. „Die Gäste sind super-vorsichtig. Alle rufen vorher an und fragen schon nach, obwohl sie noch gar nicht über dem Wert liegen und ausgewiesen sind.“ Die Folge des Beherbergungsverbots im Freistaat machen sich auch schnell im Kleinen bemerkbar: „Bei uns wurden viele Buchungen kurzfristig abgesagt, viele Betten sind leer.“ Das Personal ist längst eingeteilt, muss bezahlt werden. Trotzdem kein Jammern. Aber jede Menge Wut. Mit ihrer Meinung, dass das alles eigentlich sinnfrei ist, steht Pummer freilich nicht alleine da.

Und dann sind da noch all die ungeklärten Fragen: „Was machst du, wenn ein Gast schon vier Tage da ist, und dann seine Stadt plötzlich zum Risikogebiet erklärt wird?“ Eine Antwort darauf kann momentan keiner geben. Eine Rechtssicherheit gäbe es derzeit nicht. „Wir stehen irgendwo zwischen hier, da und dort“, so Pummer.

„So ein katastrophales Jahr hatten wir noch nie“

„Wir bekommen täglich Anrufe von Gästen, die nicht wissen: Dürfen wir kommen, dürfen wir nicht?“ Was bleibt, ist eine enorme finanzielle Unsicherheit. Für Gäste, vor allem aber auch für Gastgeber. Monika Pummer: „Wir leben von einem Tag auf den anderen. Ich habe Magengrummeln. Jeden Tag. Stundenlang.“

Ähnlich geht es ihren Kollegen aus Weilheim, Hans und Yvonne Vollmann vom gleichnamigen Weilheimer Traditionshaus. „Die Gäste kennen sich nicht aus und wir uns auch nicht“, bestätigen sie das Chaos, verursacht durch das Beherbergungsverbot. Städtenamen, keine Postleitzahlen: Wer soll da herausfinden, wer jetzt anreisen darf und wer nicht? Seit 1924 gibt es das Hotel Vollmann. Seit 1995 wird es vom Ehepaar Vollmann weitergeführt. Ein solch katastrophales Jahr haben sie noch nie erlebt. „Dieses Nicht-Planen-Können, dieses Jeden-Tag-was-Neues“, blickt Hans Vollmann mit Bangen auf den heutigen Tag, wenn die Minister zusammenkommen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Daran hat Christof Echtler vom Campingplatz am Richterbichl noch so seine Zweifel. Nach dem Lockdown und einem Super-Sommer kann er mit dem Beherbergungsverbot und den täglichen Änderungen wenig anfangen. Inzwischen ist er Google-Meister, um herauszufinden, wer woher kommt. „Aber was ist, wenn einer auf der Liste aus Bayern kommt, was mach ich mit dem?“

Bei aller Unsicherheit ist so viel sicher: Die Zeche für das rechtliche Chaos zahlen als letztes Glied der Kette die Vermieter und die Urlauber: Eine Rückerstattung von Anzahlungen ist rechtlich nicht geklärt. Eine Strafe im Falle einer nicht-rechtmäßigen Unterbringung trägt der (oftmals unwissende) Gastgeber. Es drohen bis zu 25 000 Euro Bußgeld – bei vielen Gastgebern im Landkreis ist da die Schmerzgrenze sicherlich ziemlich weit überschritten.

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