Die stolzen Eltern (v.l.) Robert Nolde (der für das Foto die Maske abnehmen durfte) und Daniela Buschold mit ihrem kleinen Pit. Hebamme Theres Waldmüller begleitete die außergewöhnliche Geburt in Tutzing.
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Die stolzen Eltern (v.l.) Robert Nolde (der für das Foto die Maske abnehmen durfte) und Daniela Buschold mit ihrem kleinen Pit. Hebamme Theres Waldmüller begleitete die außergewöhnliche Geburt in Tutzing.

Zu Hause fiel Last ab

Mutter entbindet plötzlich in Arztpraxis - „Ich war geschockt“

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Baby Pit hätte eigentlich zu Hause entbunden werden sollen. Doch der Bub wollte offenbar kein Marnbacher werden und entschloss sich spontan, in Tutzing auf die Welt zu kommen.

  • Daniela Buschold wollte ihr zweites Kind wieder zu Hause auf die Welt bringen.
  • Doch der kleine Pit hatte es offenbar eilig und entschied sich, nicht zu warten, bis die werdende Mutter wieder in Marnbach ist.
  • Er kam in einer Arztpraxis in Tutzing zur Welt.

Marnbach – Eigentlich wollte Daniela Buschold ihr zweites Kind wieder zu Hause auf die Welt bringen. In Marnbach lag auch schon alles bereit: Feuchttücher, Wickeltücher, Babyunterlagen und was sie halt sonst noch so gebraucht hätte bei der Hausgeburt. Doch es kam anders als erhofft, der kleine Pit kam in Tutzing zur Welt – ein Schock für die Mutter.

Spontane Geburt in Tutzing: Über Weihnachten keine Wehen - doch in der Arztpraxis geht es plötzlich los

Buschold fuhr am Montag noch zu einem Kontrolltermin zu ihrer Frauenärztin Edda Eberl nach Tutzing. Der Untersuchungstermin war bewusst auf den 28. Dezember – den errechneten Geburtstermin – gelegt worden. Von Wehen war über Weihnachten und die Feiertage keine Spur. Und auch vor der Abfahrt nach Tutzing ging es laut Buschold eigentlich noch gut: „Mir war schon etwas komisch, aber nach Wehen hat sich das ganz und gar nicht angefühlt.“

Um sicher zu gehen, dass mit ihrem Baby alles in Ordnung ist, wurde Buschold um 9.25 Uhr an das sogenannte CTG, einen Wehenschreiber, angeschlossen. Auch bis dahin ist alles ruhig. Doch plötzlich setzten die Wehen ein. „Ich war schon geschockt“, sagte Buschold auf Nachfrage der Heimatzeitung. Zwar habe die Frauenärztin festgestellt, dass der Muttermund etwas geöffnet ist. „Aber dass es von jetzt auf gleich soweit ist, damit hat niemand gerechnet“, erklärte Buschold.

Geburt in Praxis: Fahrt nach Marnbach oder ins Krankenhaus Starnberg hätte zu lange gedauert

Buschold konnte sich jedoch nicht von Beginn an voll und ganz auf die Geburt in der Praxis einlassen. Vor allem, weil die werdende Mutter eigentlich wieder nach Marnbach* wollte, um dort den kleinen Pit zur Welt zu bringen. „Ich habe meinen Mann angerufen, dass er mich abholen soll, weil ich selbst nicht mehr fahren konnte“, sagte Buschold. Doch auch zusammen mit ihrem Lebensgefährten Robert Nolde (35) hätte sie es nicht geschafft, rechtzeitig zu Hause in Marnbach oder im Krankenhaus in Starnberg zu sein.

So blieb Buschold nichts anderes übrig, als auch ihre Hebamme Theres Waldmüller aus Pähl anzurufen. Kurz nach der Notärztin, die von Frauenärztin Eberl gerufen wurde, aber wieder fahren konnte, traf Waldmüller um 10.10 Uhr ein. Fünf Minuten später kam auch der werdende Vater. „Ich lag schon in den Presswehen, habe mich aber geweigert zu pressen, bis mein Mann und Theres da waren.“

„Wir mussten etwas improvisieren und haben ihn in Geschirrtücher gewickelt“

Als Buschold merkte, dass sie nicht mehr alleine war, konnte sie sich etwas besser auf die Geburt einlassen. Um 10.41 Uhr wurde dann der Bub mit Hilfe der Ärztin und der Hebamme geboren. „Wir mussten etwas improvisieren und haben ihn in Geschirrtücher gewickelt“, erzählte Hebamme* Waldmüller. Neu war das für sie nicht.

Es sei normal, als Hebamme bei Hausgeburten improvisieren zu müssen. Immerhin macht die 52-jährige Pählerin den Job seit 32 Jahren. Was für Waldmüller nach so langer Zeit jedoch neu war, war der Ort der Geburt. „Ich hatte schon viele Örtlichkeiten – unter anderem einen Bauwagen –, aber noch nie eine Arztpraxis“, sagte sie und lachte.

Auch Daniela Buschold hat sich mittlerweile mit der Geburt in Tutzing abgefunden. „Klar, war ich anfangs enttäuscht“, gab die 36-Jährige zu. Doch an der Situation ändern könne sie eh nichts mehr. „Die Hauptsache ist, dass mit Pit alles in Ordnung ist und er gesund zur Welt kam.“ Und das tat er mit einer Größe von 52 Zentimetern und einem Gewicht von 3360 Gramm.

Nach spontaner Geburt in Tutzing: Zu Hause in Marnbach fiel die Last ab

Bereits am Montagmittag konnten Daniela Buschold und ihr Lebensgefährte Robert Nolde mit Baby Pit wieder nach Marnbach fahren, wo Bob (5) seinen Bruder erwartete. Und zu Hause fiel endlich die Last der spontanen Geburt von Buschold ab. Weil die Geburtsstation am Krankenhaus Weilheim geschlossen wurde, hat sich die Versorgung werdender Mütter im Landkreis laut Schwangerenberatung des Gesundheitsamtes „deutlich verschlechtert“. Mit einer neuen Halbtagsstelle* soll sowohl Schwangeren als auch freiberuflichen Hebammen geholfen werden.

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(Von Franziska Florian)

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