Gegenwind von Bürgermeister Dinter

Berufsschule für nur 25 Millionen Euro?

Weilheim - 50 Millionen Euro soll die Berufsschule kosten. Wessobrunns Bürgermeister Helmut Dinter  findet, sie ließe sich für 25 Millionen bauen. 

In einem offenen Brief unter anderem an seine Bürgermeisterkollegen hat Dinter, der die Kosten für das Vorhaben seit langem kritisiert, erläutert, wie er auf die Einsparung von rund 15 Millionen Euro kommt: Er hat den allgemein und bundesweit anerkannten Baukostenindex (BKI) des vergangenen Jahres zugrundegelegt. Der errechnet sich aus acht Berufsschulneubauten bundesweit und den Kosten je Quadratmeter. Demnach kommt er bei einer Nutzfläche von 10 000 Quadratmetern, so viel ist geplant, und Kosten laut BKI von 2440 Euro pro Quadratmeter auf 24,4 Millionen Euro. Hinzuzurechnen seien noch Nebenkosten wie Architektenhonorare, Erschließung, Außenanlagen und Ausstattung – macht insgesamt 34,92 Millionen Euro. „Als Bürgermeister von einer der 34 Landkreis-Gemeinden, die 56 Prozent Kreisumlage zahlen müssen, kann ich nicht verstehen, wie man so viel Geld für ein Vorhaben, das viele als ,Prestige-Objekt’ betrachten, ausgeben kann“, so Dinter. „Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit würde nahelegen, sich an der günstigsten Ausführung zu orientieren.“ Im Brief macht er eine weitere Rechnung auf: Würde der Landkreis so bauen, wie es bei der günstigsten Berufsschule 2015 der Fall wäre, ergäben sich sogar nur 24,4 Millionen Euro. Und würde der Landkreis auf einen Neubau verzichten und den Gebäudekomplex an der Kerschensteinerstraße sanieren, ergaben sich für die durchschnittliche Variante 16,3 Millionen Euro, bei der günstigsten sogar 11,4 Millionen Euro – statt der vom Landkreis errechneten 50 Millionen Euro für den Neubau am Narbonner Ring.

Für Florian Steinbach, der am Landratsamt mit dem Projekt „Berufsschule“ betraut ist, enthält Dinters Rechnung einige Unschärfen. Die wesentlichste: Bei der Berufsschule handelt es sich um eine gewerblich-technische, die Kosten hierfür seien kaum mit denen für eine kaufmännische zu vergleichen. Das liege daran, dass für angehende Handwerker für den praktischen Unterricht teure Maschinen sowie größere und vor allem höhere Unterrichtsräume nötig seien. Von den acht gebauten Berufschulen im Jahr 2015 war nur eine eine gewerblich-technische. Hinzu komme noch, dass der Landkreis rund 200 Parkplätze in einem sensiblen Bereich plane. „Herr Dinter schürt Argwohn, als ob wir vorhätten, goldene Kloschüsseln einzubauen“, so Steinbach. Wenn der Vorentwurf nach der Sommerpause vorliege, gebe es eine substanzielle Kostenschätzung. Steinbach sieht in der Obergrenze von 50 Millionen Euro eine „echte Herausforderung“. Für den Bau sind 46 Millionen Euro an reinen Baukosten vorgesehen, vier Millionen Euro sind als Baukostensteigerung – quasi als Inflationsrate – bis zur Fertigstellung des Vorhabens im Jahre 2020 eingerechnet.

Die von Dinter verwendeten BKI-Werte seien lediglich eine erste Orientierung, könnten „aber selbstredend keine Kostenschätzung ersetzen“. Sowohl der kommunale Prüfungsverband als auch der Landkreis sowie der Architekt und die Projektsteuerer seien bei ihren Vorab-Berechnungen auf Kosten zwischen 46 und 54 Millionen Euro gekommen, so Steinbach. Ungeachtet der Querelen mit Dinter will die Landkreis-Verwaltung mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Mitarbeitern der Bauverwaltung Dinter zu einem Gespräch einladen.

Johannes Thoma

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