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Auf großer Bühne: Sebastian Schmederer als „Ödipus“ und Karolina Schreiber als Priesterin von Theben. 

„Kunstbändiger“ spielen „König Ödipus“

Geglückter Sprung auf die große Bühne

Weilheim – Ein nur vierköpfiges Laienensemble absolviert den Sprung ins Stadttheater: Das war gewagt, ging für die „Kunstbändiger“ aber auf. 130 Besucher wollten deren Wiederauflage von „König Ödipus“ sehen.

Es ist die Adaption einer Adaption: Vor 2445 Jahren von Sophokles geschrieben, vor sieben Jahren vom Musikkabarettisten Bodo Wartke rasant verkürzt, feierte vor einem Jahr die „Kunstbändiger“- Version im Bistro „Hänsel’s“ ihre Premiere: Vom Text her ein Wartke-Werk, doch statt für Solo-Unterhalter nun auf vier Darsteller aufgeteilt.

Im Stadttheater waren nun rund die Hälfte der Zuseher Überzeugungstäter, die ein wiederholtes Mal die amüsanten Reime hören wollten. Ein gezielter erstmaliger Besuch war es bei Erich Müller und Gattin, welche die Erinnerung an die antike Erzählung wieder auffrischen wollten und sich auf die amüsante Form der Darbietung freuten.

In der Tat saßen die Reime (und die Gags!) wieder richtig, wenngleich die große Bühne ein höheres Maß an spielerischer Dynamik abverlangte. Das war herausfordernd, wurde aber auch bewusst-kreativ unterlaufen: Die hohle Gasse zur Meuchelung von König Laios wurde durch den halb geschlossenen Vorhang evoziert, ansonsten wurden die handlungsfreien Sprechakte geschickt in der Pose griechischer Standbilder deklamiert. Wirkungsvoll war die Heraushebung der „Orakel“-Rolle durch einen grünen Spot (Licht: Conni Franjga), eindrucksvoll die auf einem Flügel edel spielende Sylvia Reischmann, auch wenn die Gesangspartien im großen Haus ein Mikrofon vertragen hätten.

Zuletzt war der Applaus ebenso groß wie das Lob: „Bei einem Prosa-Text könnte man sich leicht zur nächsten Textstelle durchmogeln, gereimte Sprache muss wirklich sitzen“, zollte Beate Mosch-Mayer, pensionierte Ausbilderin für szenisches Lernen, Respekt. Wolf Grabo, selber schon auf den Brettern des Theaters aktiv, meinte: „Weilheim kann stolz sein auf so eine engagierte Truppe.“ Die nach der Vorstellung weiter gefeierten „Kunstbändiger“ bedauerten, dass Autor Wartke die „Weilheim-Version“ noch nicht sehen konnte. „Aber er bekommt jetzt eine DVD“, sagte Sebastian Schmederer. Die DVD kann auch per E-Mail an kunstbaendiger@ gmail.com angefragt werden, der Unkostenbeitrag steht noch nicht fest. Andreas Bretting

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