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Ungehörig: Tochter Ninive (Karolina Schreiber) provoziert ihre Eltern, Versicherungs-Direktor Egon Geryon (Ludger Raschewski) und Elsbeth Geryon (Angelika Raue). 

„weilheimer kellertheater“  

Ein genial-absurdes Rätsel

Weilheim - Das „Weilheimer Kellertheater“  spielte Michael Endes „Die Spielverderber oder: Das Erbe der Narren“. Die Aufführung ist unbedingt sehenswert.

Michael Endes Theaterstück „Die Spielverderber oder: Das Erbe der Narren“ hat noch nicht einmal eine Erklärungsseite im Internet. Dennoch wurde das Regie-Duo aus Michael Golf und Herbert Leistner auf Endes frühestes Bühnenstück (erschienen 1967) aufmerksam und inszeniert es nun fürs „Weilheimer Kellertheater“ als eine Mischung aus Krimi und Tragödie, zudem als eine schwungvolle, eigenhändig gekürzte Mixtur aus schwarzhumorigem Grusel und absurdem Theater.

Nur ein altmodisches Wohnzimmer und zwei Ausgänge: Die Bühne im Saal unter der Apostelkirche ist eng für elf Darsteller, allerdings wohl gewolltermaßen. Denn so richtig zum Wohlfühlen ist der herrschaftliche Ansitz nicht, der hier auf zehn Erben verteilt werden soll. Vieles erinnert zunächst an Agatha Christie, inklusive der „Binnen-Komödien“: Als „Zuchthäusler Jakob Nebel“ will Matthias Piotrowski auch erben, dazu trickst er hinterrücks herum und bedient sich kurios verholperter Worte der Bildungssprache. Es beharken sich der schießwütige General (Kurt Pürgstein) und die impulsive Dompteuse (Edith Mayr); daneben zerstreiten sich eine planlose Lehrerin (Antonia Drechsler) und ein einfältiges Küchenmädchen (Cornelia Bertl). Irgendwann fällt auch der überraschende (und dadurch beinahe komödiantische) Schuss auf den Falschen. Und doch genügte Autor Michael Ende das Genre der Krimi-Komödie nicht.

Im Stück gibt es das Tragische: Mehrfache Schicksalsschläge lassen Sebastian Schmederer als „Jungen Mann“ herrlich theatralisch leiden. Hinzu kommen die immer schmaler werdenden Handlungsoptionen am Ende, verbunden mit dem Element des Grusligen: Der passgenau besetzte „Diener“ (Heinz Fink) ergeht sich in düsteren Andeutungen über das Herrenhaus. Auch der Wechsel des Bühnenlichts zeigt die zunehmend surreale Atmosphäre.

Dann gibt es die absurden Elemente – und sie werden wirkungsvoll herausgespielt: Ein Notar, dem ob seiner Überforderung geradezu greifbar der Schweiß auf die Stirn tritt (Peter Bemmerl), eine Mutter und Ehefrau mit bester panischer Flatterhaftigkeit (Angelika Raue), eine fast erschreckend dominante Blinde (mit bayerischer Aufmachung kaum wiederzuerkennen: Sylvia Reischmann).

Den komplexesten Part hat Karolina Schreiber inne. Als Tochter des Versicherungs-Chefs (mit messianischem Eifer: Ludger Raschewski) leidet sie unter ihren Eltern, ist dabei hyper-empfindsam und zugleich in Ansätzen geisteskrank. Mit ihrem mimisch stupenden Changieren zwischen beinebaumelndem Kind, verführerischer Irrer und hellseherischer Kassandra gelingt eine Bravour-Rolle.

Zuletzt endet das Stück schlimm und dabei komisch: Über das Erbe entschied der zwölfte Handelnde, den man niemals und doch durchgängig sehen und hören konnte. Dieses geradezu genial-absurde Rätsel sollte man sich vom „Kellertheater“ live vor Augen und Ohren führen lassen.

Weitere Aufführungen

sind von kommendem Donnerstag bis Sonntag, 24. bis 27. November, täglich im Saal unter der Apostelkirche. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, am Sonntag bereits um 18 Uhr. Karten: Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz (0881/686-11).

Andreas Bretting

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