Dürfen auch auf das Süddach des Echter-Hauses  am Weilheimer Rathausplatz Photovoltaik-Module? Die Stadt ist dafür, doch das Denkmalamt entscheidet.
+
Dürfen auf das Süddach des Echter-Hauses am Weilheimer Rathausplatz Photovoltaik-Module? Die Stadt ist dafür, doch das Denkmalamt entscheidet.

Pläne für Modehaus Echter

Dieses Solardach könnte Weilheim verändern - wenn es der Denkmalschutz zulässt

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
    schließen

Sollen auch denkmalgeschützte Gebäude mit Solarmodulen bestückt werden? Das Modehaus Echter würde das gern tun – was allerdings ein Präzedenzfall für das Ensemble „Obere Stadt“ und wohl für ganz Weilheim wäre. Geht es nach dem Bauausschuss des Stadtrates, ist die Sache jedoch klar.

Weilheim – Für das Modehaus Echter wäre es ein logischer Schritt, aufs Dach des weitum bekannten Geschäftsgebäudes am Rathausplatz eine Photovoltaik-Anlage (PV) zu setzen. „Wir sind schon seit zwei Jahren klimaneutral“, sagt Geschäftsführer Christian Echter – weil man zum Beispiel ausschließlich Ökostrom aus regenerativen Anlagen beziehe und „große Stromfresser angepackt“ habe: Gekühlt werde seit dem Umbau 2015 mit Grundwasser, die Beleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt.

Problem mit „wilder Dachlandschaft“

Mit der geplanten PV-Anlage will man noch ökologischer werden und den Eigenanteil an der Stromerzeugung erhöhen. Allerdings sei die „wilde Dachlandschaft“ des Gebäudes nur bedingt dafür geeignet, erklärt Echter, teils verschatten sich Dächer und Giebel gegenseitig. Deshalb sollen „alle möglichen Dachflächen“ mit PV-Modulen bestückt werden, wie es Weilheims Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer formulierte, als der Bauausschuss des Stadtrates in seiner September-Sitzung über die Pläne beriet.

Insbesondere die nach Süden ausgerichteten Dächer sind dafür wichtig. Genau die liegen freilich auf der „Schauseite“ des denkmalgeschützten Ensembles „Obere Stadt“, zu dem das Echter-Gebäude gehört. Wer eine bauliche Anlage dort „so verändert, dass es sich auf das Erscheinungsbild des Ensembles auswirken kann“, braucht eine denkmalrechtliche Erlaubnis. Laut Stadtbauamt durften auf den nach Süden ausgerichteten und von der Straße einsehbaren Dachflächen der Oberen Stadt bislang keine PV-Anlagen errichtet werden.

Bürgermeister fordert „ein Umdenken“

Nach Ansicht der meisten Bauausschuss-Mitglieder ist diese generelle Ablehnung jedoch nicht mehr zeitgemäß. Im Zuge der Energiewende müsse man „solchen Anlagen offen gegenüber stehen“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Er forderte „ein Umdenken im Stadtrat“ und „ein klares Bekenntnis pro PV-Anlage“ – zumal die Solarmodule von unten kaum zu sehen wären. SPD-Vertreter Horst Martin hätte auch nichts dagegen, wenn man sie sähe: „Das gehört zu unserer Zeit, wir brauchen das und sollten solche Bemühungen von Bauherren unterstützen.“ Ähnlich Rupert Pentenrieder seitens der BfW-Fraktion: „Die Klimawende wird man sehen, und man darf sie auch sehen.“

„Das wird auch am Marienplatz kommen“

Dass ein „Ja“ im Falle Echter Folgen für die ganze Innenstadt hätte („das wird auch am Marienplatz kommen“, so die Stadtbaumeisterin), wäre den meisten Ausschuss-Mitgliedern recht. Sie wolle „auf jeden Fall so viel Photovoltaik wie möglich“, sagte etwa Grünen-Vertreterin Luise Nowak. „Grundsätzlich so viel wie möglich“, das ging Gerd Ratter (ÖDP) zu weit: „Aber hier stört es nicht“, meinte er zum Echter-Vorhaben. Klaus Gast (CSU), zugleich Kreisheimatpfleger, plädierte als einziger dafür, „noch mal ganz konkret anzuschauen, inwieweit man es sehen würde“. Gast wörtlich: „Bei aller Liebe – ein bisschen vorsichtig würde ich schon auch noch sein. Weilheim ist mit seinen Denkmälern leider nicht immer besonders gut umgegangen.“

Mehrheit für „Maximallösung“

Gegen Gasts Stimme sprach sich der Bauausschuss letztlich für die „Maximallösung“ auf dem Echter-Dach aus. Allerdings kann die Stadt darüber nicht entscheiden, sondern nur eine Stellungnahme abgeben. Zuständig für die denkmalrechtliche Erlaubnis ist die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt. In Abstimmung mit dem Denkmalamt sei das Geschäftshaus 1978 auch errichtet und 2015 „die Fassade neu gemacht“ worden, erklärt Christian Echter gegenüber dem „Weilheimer Tagblatt“. Das Haus selbst sei also „kein historisches Gebäude“. Weshalb ihm zufolge auch auf dem Süddach eine PV-Anlage möglich sein sollte.

Lesen Sie auch: Grüne fordern Tiefgaragen für Betriebe

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare