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Schon sein erstes „Hihi“ ließ das Publikum am Sonntagabend im ausverkauften Weilheimer Stadttheater glucksen: Gerhard Polt beim Philosophieren über den Homo sapiens. 

„kabarett-abo weilheim“  

Ihn braucht’s immer noch

Weilheim - Er braucht nur „Hihi“ zu machen, und schon hat er das Publikum gewonnen. Das gelang Gerhard Polt auch im Weilheimer Stadttheater. 

„Hihi“, man hört das Luftansaug-Geräusch zwischen den Zähnen und dann diesen fast frauenschrill hohen Lacher. Er kommt einfach mit Bergstiefeln, etwas gebeulter Hose, lässigem Jackett und setzt sich, da gibt es schon die ersten Zwerchfellzuckungen im Publikum. Im rappelvollen Weilheimer Stadttheater hat sich am Sonntagabend offenbar eine Fangemeinde versammelt, die Gerhard Polt schon lange liebt. Der bald 75-Jährige steht seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne, war Vorreiter, Querdenker, Wutausbruch-Kabarettist der ersten Stunde und ersten Garde. Ein unkopierbares, unschlagbares Unikat, dem das glucksende, prustende, lauthals lachende Publikum hoffentlich noch lange zujubeln darf.

Polt bleibt sich immer treu, nicht nur auf der Bühne. Seine zögerliche Wortsuch-Wucht, seine nadelspitze Boshaftigkeit in Nuancen und Details, sein parodistisches Naturtalent gehen runter wie Öl. Er ist jetzt nicht so laut, so polternd, wie man ihn in früheren Programmen erlebt hat. In „Braucht’s des?“ zieht er nüchtern Bilanz. Dabei menschelt es ganz unten in den Seelengründen. „Ja, i moan, sicher, logisch,i sag halt wahrscheinlich… (kratzt sich) I würd’s so sagn: Wenn mia ein Mensch als Mensch entgegenkommt, i hab da kein Problem...“

Gerhard Polt hat den Homo sapiens, den „Zwischenwirt, ein Paradies für Bazillen und Viren, Bestattungsinstitute, Immobilienhändler, Waffenverkäufer, Religionen und Fußpilz“, ganz ins Zentrum gerückt. Er philosophiert so im Parlando dahin, immer in der Hoffnung, dass der eigene Gedanke „auch Schritt halten kann“. Brillant ist seine Verwandlungskunst, ob als desillusionierter Rentner, fistelige Alte, Demokratievermittler für den Bubi-Enkel „Geoffrey“ mit einem Geschichtsbewusstsein, dass 1866 bei der Schlacht von Königgrätz endet. Und dabei sickert sie so böse durch, diese unglaubliche Wortakrobatik im charmant grantigen Dialekt.

Zum Brüllen komisch der „Bavarian Emergency“-Notruf an den indischen Pfarrer, der für Espresso zur Frühmesse mit liturgiemodifizierten Karlsbader Oblaten wirbt, damit die „embbbtiii Tschörtsch“ (empty church) sich wieder füllt. Geschliffen gemein Polts Auftritt als selbstgefälliger Miesbacher Landrat, dem es hinterfotzig gelingt, sich im Beziehungsgeflecht der Spezlwirtschaft nicht zu verheddern. Lediglich der tagesaktuell spontane Politbiss geht einem ab – wenn man an diesem Abend eine Wunschliste führen möchte. Gerhard Polt ist ein Gesamtkunstwerk, ein minutiöser Beobachter mit entlarvender wie entwaffnender Ehrlichkeit und einem zweifelsfrei XXL-großen Herzen.

Nächster Termin

beim Kabarett-Abo im Stadttheater Weilheim: Faschingsspiel „Kälberbrüten“ mit dem „Pension Nirvana“- Ensemble um Regisseur Wolfgang Ramadan am Sonntag, 26. Februar, 18 Uhr. Karten: Sparkasse Marienplatz oder www.kartenengl.de.

Dorothe Fleege

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