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Frauen im Fokus: Am heutigen Weltfrauentag, dem 8. März, geht es auch um Gleichberechtigung. 

Gespräch mit Politikerinnen

„Frauen argumentieren zielgerichteter“

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Haben es Frauen in politischen Ämtern schwerer als ihre männlichen Kollegen? Den heutigen Weltfrauentag haben wir zum Anlass genommen, um mit drei Politikerinnen aus dem Landkreis zu sprechen. Sie berichten nicht nur von ihren Erfahrungen, sondern verraten auch, wie sie zur Frauenquote stehen.

Landkreis – Dass die Kommunalpolitik eine männliche Domäne ist, würde CSU-Bezirksrätin Alexandra Bertl, 36, so nicht unterschreiben. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als junge Frau in unserer Partei eher ermutigt worden bin – von Männern und von Frauen“, sagt sie. Auch von erfahrene Berufspolitikern habe sie immer Unterstützung bekommen.

„Das Problem ist vielleicht, dass Frauen ein wenig mehr angespornt werden müssen, um überhaupt in die Politik zu gehen“, sagt sie, „Frauen fragen ,Kann ich das?’ während Männer sich fragen: ,Will ich das?’“ Auch was die Diskussionskultur in politischen Gremien betrifft, hat sie festgestellt, dass Politikerinnen oft zurückhaltender agieren. „Dabei können Frauen genauso gute Reden halten. Ich würde sogar sagen, dass sie in ihrer Argumentation oft sachorientierter und zielgerichteter sind“, so Bertl.

Was Frauen die politische Karriere erschwere, sei zudem der Zeitfaktor, vermutet sie: „Es ist nun mal immer noch, dass Familienarbeit meist an den Frauen hängen bleibt. Ich meine damit nicht nur die Kinderbetreuung, sondern die gesamte Organisation des Familienlebens, oder auch die Pflege von Angehörigen.“ Wie die Weilheimerin, die Mutter zweier kleiner Kinder ist, aus eigener Erfahrung weiß, nimmt das Engagement in der Kommunalpolitik viel Zeit in Anspruch. „Das klappt nur, wenn die Familie hinter einem steht“, sagt sie.

Dass sich für die kommenden Kommunalwahlen 2020 zu wenig Frauen fürs Bürgermeisteramt aufstellen lassen könnten, sieht sie nicht kommen. „Die meisten Aufstellungen kommen erst noch“, sagt sie, „und dass unser Landkreis keine rein männliche Domäne ist, sieht man ja an Andrea Jochner-Weiß als Landrätin und Anngelika Flock als dritte Weilheimer Bürgermeisterin.“   

Susann Enders, 52, sitzt für die Freien Wähler im bayerischen Landtag. Das Thema „Gleichberechtigung“ ist ihr ein großes Anliegen. „Es ist sehr schade, dass es gerade in der Politik noch viel Schwarz- Weiß-Denken gibt. Wir sollten an den Punkt kommen, dass es völlig egal ist, ob jemand männlich oder weiblich ist und nur Kompetenz zählen lassen“, sagt sie.

Eine „Quotenfrau“ möchte die Weilheimerin, die viele Jahre als OP-Schwester gearbeitet hat, nicht sein. „Ich will nicht aufgrund einer Quote in der Politik sein, sondern weil ich hier hingehöre“, so Enders. Bis es soweit ist, dass nicht mehr in Stereotypen und Geschlechterrollen gedacht werde, hält sie sie trotzdem für ein wichtiges Werkzeug – ebenso wie den Weltfrauentag. „Eigentlich sollte es keinen speziellen Tag geben müssen“, sagt sie, „aber manchmal braucht es so einen besonderen Paukenschlag.“

Kerstin Engel, die für „Die Grünen“ im Penzberger Stadtrat sitzt, hat über die Rolle von Frauen und Männern in der Politik noch nie bewusst nachgedacht. „Ich achte nicht so sehr auf Geschlechterrollen“, sagt die 50-Jährige. Dass Frauen in der Politik Nachteile haben, hat sie persönlich nicht festgestellt: „Weder bei den ,Grünen’ noch im Stadtrat.“

Für die Karriere auf Familie zu verzichten, wäre für sie trotzdem nicht infrage gekommen. Ebenso, wie ihre Kinder ganztags in die Krippe zu geben. „Ich wollte weiterarbeiten, habe aber auf Teilzeit reduziert – und mein Mann auf eine Dreiviertelstelle. Dafür habe ich mich ganz bewusst entschieden“, sagt sie.

Generell sei Penzberg in dieser Hinsicht vielleicht weniger traditionell als kleine Gemeinden im ländlichen Raum. „In meinem Umfeld sind schon immer viele Mütter berufstätig gewesen. Vielleicht liegt das auch an ,Roche’: Viele Frauen fangen dort nach neun Monaten Elternzeit direkt wieder an zu arbeiten“, sagt sie.

Typisch „weibliche“ Themen in der Politik gibt es ihrer Ansicht nach nicht: „Ich setze mich für die Förderung der Innenstadt ein sowie für naturverträgliche Siedlungsentwicklung – ebenso wie für ausreichende Kinderbetreuung. Ich denke aber nicht, dass das ein rein weibliches Anliegen ist.“

Dass aktuell mehr Männer als Frauen im Penzberger Stadtrat sitzen, findet Engel trotzdem schade. „Prozentual lässt sich vermutlich sagen, dass die Frauen ruhiger sind als die Männer. Auch wenn ich nicht dazu gehörige“, sagt sie und lacht. Ob die Lösung der „Grünen“, die Wahllisten abwechselnd “ männlich und weiblich besetzen, tatsächlich zu mehr Gleichgewicht führt, hält sie für fraglich: „Man kann keine Frau in eine Position zwingen.“

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