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Gesundheitsamt wehrt sich gegen Vorwürfe der Bürger: „Eigenverantwortung kann vorausgesetzt werden“

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Die Bearbeitung der PCR-Tests in den Laboren verzögert sich teilweise durch den sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Tagen. Amt: Zuständig ist der Hausarzt
Die Bearbeitung der PCR-Tests in den Laboren verzögert sich teilweise durch den sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Tagen. Amt: Zuständig ist der Hausarzt © Foto:: Markus Brandt/DPA

Drei Tage brauchte das Landratsamt, um unsere Anfrage zu den Bearbeitungszeiten der Corona-Fälle über die Feiertage zu beantworten, nachdem sich Leser bei der Redaktion beschwert hatten. Jetzt liegt die Stellungnahme vor.

Landkreis – Zunächst klingt es so, als wolle das Landratsamt doch keine Stellungnahme abgeben: „Die Redaktion erhebt im Namen eines anonymisierten Lesers („Herr F.“) den Vorwurf gegen das Gesundheitsamt im Landratsamt Weilheim-Schongau, dass die Kontaktnachverfolgung über die Weihnachtsfeiertage 2021/2022 ungenügend stattgefunden habe. Da es sich um eine anonyme Beschwerde handelt, können wir diese nicht näher kommentieren, weil sich uns dafür die Kenntnis der Umstände entzieht“, heißt es zu Beginn.

Dann geht die Pressestelle aber doch noch zumindest teilweise auf die Vorwürfe ein. Der Bereitschaftsdienst des Gesundheitsamts an den Feiertagen sei gemäß der Anordnung der Regierung von Oberbayern mit einer Ärztin (täglich vier Stunden) sowie jeweils ein bis zwei Mitarbeitern aus dem Befundeteam sichergestellt gewesen.

„Mit dieser Besetzung war der reguläre Betrieb gewährleistet“

Zusätzlich sei eine Mitarbeiterin zu den Öffnungszeiten der Teststation im Einsatz gewesen. „Im genannten Zeitraum war ein Nachverfolgungsteam vom 23. bis 30. Dezember ununterbrochen im Einsatz“, heißt es weiter. Das zweite Team habe dann diese Aufgabe vom 31. Dezember bis 9. Januar übernommen. Warum es dennoch Tage dauerte, bis sich die Mitarbeiter bei den neu Infizierten meldeten, darauf geht das Amt nicht ein.

Die Schlussfolgerung des Landratsamtes: „Mit dieser Besetzung war der reguläre Betrieb der Teststation gewährleistet, ebenso die Befundsichtung, -erfassung und Meldung der Inzidenzen sowie eine ärztliche Bereitschaft, insbesondere für Krankenhäuser und Gemeinschaftseinrichtungen.“

„Ob und wie andere Gesundheitsämter die Kontaktpersonen kontaktieren, entzieht sich unserer Kenntnis“, heißt es zur Kritik unseres Lesers, dass Menschen aus Österreich und anderen Landkreisen, die sich hier im Landkreis Weilheim-Schongau infiziert haben, zum Teil wochenlang nicht informiert wurden.

Zuständig bei Covid-Symptomen ist „primär der Hausarzt“

„Von uns erfolgt die Meldung jeweils zeitgleich an alle Gesundheitsämter, bei denen Kontaktpersonen gemeldet wurden“, versichert das Landratsamt. Komme es bereits beim Meldeeingang zu Verzögerungen, könne aufgrund der derzeit hohen Auslastung durch die Omikron-Infektionen eine Kontaktaufnahme mit positiv getesteten Personen nicht immer am selben Tag der Testung erfolgen. Im vorherigen Artikel ging es aber explizit um den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr, als die Zahl der Neuinfektionen vergleichsweise gering war.

Aus diesem Grund habe das Gesundheitsamt alle notwendigen Informationen auf der Website des Landratsamts www.weilheim-schongau.de bereitgestellt, schreibt die Pressestelle. „Wir weisen darauf hin, dass in der Corona-Pandemie neben der Fürsorgepflicht des Staates auch ein gewisses Maß an Eigenverantwortung vorausgesetzt werden kann“, heißt es wörtlich. Und überhaupt: Zuständig bei Covid-19-Symptomen sei primär der Hausarzt.

„Normaler Ablauf an den Wochenenden“

Zur Sicherstellung der Informationsweitergabe sei eigens die Funktion des „Versorgungsarztes“ geschaffen worden. Auch über das Praxisnetz Pfaffenwinkel würden alle Informationen zeitnah an die niedergelassenen Ärzte übermittelt. Sofern also, wie im Artikel beschrieben, ein Kontakt mit dem niedergelassenen Arzt erfolgte, „ist die zusätzliche Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt nachrangig“.

Am Ende geht das Landratsamt dann noch einmal richtig ins Detail: „Jeweils zu Dienstschluss waren vor den Feiertagen – also am 23. und 30. Dezember sowie am 5. Januar – alle dem Gesundheitsamt gemeldeten Fälle und Kontaktpersonen auf Stand null abgearbeitet.“ Die einzigen Tage, an denen nicht gemeldet wurde, seien die beiden Weihnachtsfeiertage, Neujahr und der 9. Januar gewesen: „Dies entspricht dem normalen Ablauf an Wochenenden.“

Reaktionen unserer Leser: „Raten Sie, wann wir Bescheid vom Gesundheitsamt bekommen haben“

Claudia Lontzer-Ratcliffe aus Huglfing bestätigt die Darstellung von Familie F.: „Was haben wir uns geärgerte über den Beitrag des Gesundheitsamtes, dass ,tagesaktuell’ bearbeitet wird… Bei uns war es fast noch schlimmer, als bei der in Ihrem Artikel benannten Familie.“ Am 29. Dezember hätten bei vier von sechs Familienmitgliedern die Symptome begonnen, berichtet sie. Am 30. Dezember gab es den PCR-Test, „am 31. war klar, dass drei meiner Kinder (eines davon doppelt geimpft) und ich (geboostert) Omikron haben. Bitte raten Sie, wann wir Bescheid vom Gesundheitsamt bekommen haben? Am Freitag, den 7. Januar, also eine Woche später hatten wir vier Briefe vom Gesundheitsamt mit den Quarantäneauflagen und dem Link zur Angabe von Kontaktpersonen im Briefkasten. Seitdem haben wir nichts mehr gehört vom Gesundheitsamt. Mein Mann und mein Kind als Kontaktpersonen wurden gar nicht kontaktiert!“

Ann-Christin Körk schreibt zum Verhalten des Landratsamtes: „Ich wohne im Bereich Weilheim-Schongau und arbeite in einem Kindergarten im Bereich Landsberg. Wir hatten vor Weihnachten einen großen Corona-Ausbruch.“ Das Landsberger Gesundheitsamt habe konsequent die Kontakte nachverfolgt, alle in Quarantäne geschickt und die Bescheinigungen für den PCR-Test verschickt. „Ich hatte Pech, mein Fall wurde an Weilheim übergeben“, so die Leserin weiter. Auch auf mehrere Nachfragen hin habe sie keine Einladung zum PCR-Test bekommen und auch keine Quarantänebescheinigung, die für den Arbeitgeber wichtig sei.

Alexander Rossner aus Peißenberg schreibt: „Wir haben dem Gesundheitsamt Weilheim-Schongau am 6. Januar einen Corona-Fall in der Familie gemeldet und uns sofort selbst in Isolation bzw. Quarantäne begeben. Das Gesundheitsamt hat uns bis heute lediglich eine lapidare Email mit allgemeinen Hinweisen gesandt. Die möglichen Kontaktpersonen der infizierten Person in der Familie haben wir selbst ermittelt und informiert. In ähnlicher Form haben wir das auch bereits im letzten Jahr erlebt.“

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