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Keiner daheim: Das Gasthaus auf dem Gögerl, das für seinen wunderbaren Ausblick weithin bekannt ist, ist derzeit geschlossen. Pächter und Brauerei gingen im Streit auseinander. 

Nach Anfrage der Grünen

Gögerl-Wirtschaft wird zum Politikum

Die „Waldwirtschaft am Gögerl“ ist seit Anfang Dezember geschlossen. Jetzt wurden die Vorgänge Thema in einem Ausschuss der Stadt. 

Weilheim –   Die Pächter, das Ehepaar Hollerith, gingen im Streit mit der Spaten-Brauerei, und dieser Streit erreichte nun auch die Stadt. Die Fraktion der Grünen stellte eine Anfrage. Sie wollte wissen, welche Verpflichtungen die Stadt gegenüber den Pächtern hat und ob sie denen, die sie als Erbpachtgeber hat, ausreichend nachgekommen ist. Zumal die Holleriths Mängel wie Schimmel und kaputte Fenster beklagten hätten (wir berichteten) und sich der Verdacht aufdränge, dass das Gasthaus schon bei Beginn des Pachtverhältnisses 2010 einer „Schrott-Immobilie“ gleichkam. Außerdem fragte die Fraktion nach, wie es mit dem bekannten Ausflugslokal auf Weilheims Hausberg weitergeht.

Dieses scheint eine Zukunft zu haben. Wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) am Mittwochabend in der Sitzung des Hauptausschusses sagte, habe die Brauerei zwei Interessenten an der Hand, die die „Waldwirtschaft“ übernehmen möchten. Zur Biergartensaison im April/Mai solle sie wieder eröffnet werden.

Die Stadt hat laut Loth bei der Auswahl der Pächter ein Mitspracherecht. Er wollte sich zu der Anfrage der Grünen auf keine große Diskussion einlassen. „Viele Punkte kann man nicht öffentlich betrachten“, sagte er in Hinblick auf die Vorwürfe der Wirtsleute auch an die Stadt. Er mahnte zudem an, dass in dem Streit beide Seiten gehört werden müssten: Pächter und Verpächter.

Die Verhältnisse rund um das Gasthaus sind verzwickt. Stadtkämmerer Christoph Scharf legte sie wie folgt dar: Die Stadt Weilheim ist demnach Eigentümerin des Grundstücks „Am Gögerl“ mit dem darauf befindlichen Gebäude. Ein Teil des Grundstücks mit einer Größe von rund 3700 Quadratmetern wurde samt Gebäude mit notariellem Vertrag im August 1985 auf die Dauer von 50 Jahren an die „Gabriel Sedlmayr Spaten-Franziskaner-Bräu KGaA“ im Erbbaurecht übertragen. Scharf: Diese Firma ist als Erbbauberechtigte verpflichtet, „die Gebäude mit dem dazugehörigen Erbbaugrund auf ihre Kosten in einem sauberen ordnungsgemäßen Zustand zu halten und während der Laufzeit ein gut-bürgerliches Restaurant zu betreiben“.

Die dazu erforderlichen Ausbesserungen und Erneuerungen seien jeweils unverzüglich vorzunehmen. Die Stadt sei berechtigt, eine Rückübertragung des Erbbaurechts zu verlangen, wenn der Erbauzins nicht ordnungsgemäß entrichtet werde, der Wirtschaftsbetrieb eingestellt und das Grundstück für einen anderen Zweck genutzt werde.

Die Stadt selbst habe keine Vertragsbeziehung mit den jeweiligen Pächtern der Gaststätte, betonte Scharf. Sie habe sich nach einer Beschwerde der Holleriths im März 2013 aber an die Brauerei gewandt und diese an ihre Verpflichtungen erinnert.

Auf Nachfrage der Heimatzeitung sagte Scharf, dass im Vertrag 1985 ein Erbauzins von 12 000 Mark im Jahr vereinbart worden sei. Derzeit erhalte die Stadt von der Brauerei 8700 Euro.

Unter den Stadträten gingen die Auffassungen auseinander. Marion Lunz-Schmieder (CSU) sagte, dass, wenn der Zustand des Gebäudes so schlecht sei, eine Vertragsverletzung vorliegen könnte. Jochen Knittel (BfW) meinte, wenn es interessierte Pächter gebe, werden diese sicher kein Gasthaus mit Mängeln übernehmen.

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