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Asylhelfer aus Südtirol und dem Raum Weilheim trafen sich in Meran, denn ihre Arbeit hat viele Berührungspunkte.

Unterstützerkreis „Asyl“

Grenzüberschreitender Austausch

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Weilheim - Mitglieder der Weilheimer Gruppen des Unterstützerkreises „Asyl“ fuhren nach Meran. Dort trafen sie Helfer aus Südtirol zum Austausch.

Der in Weilheim ansässige Unterstützerkreis „Asyl im Oberland“ hat Kontakt mit der Südtiroler Kurstadt Meran aufgenommen. „Ausgangspunkt war die Rückführung eines Asylbewerbers aus Senegal, der wegen des ‚Dublin Abkommens‘ aus Weilheim abgeschoben wurde und nun über Caltanisetta auf Sizilien im katholischen Palottinerheim in Meran landete“, teilte Jost Herrmann, Ehrenamtskoordinator von „Asyl im Oberland“ mit. In Meran macht sich der Senegalese „nun als Hausmeister und Küchenhilfe nützlich“.

Dass er von Sizilien nach Südtirol gehen konnte, vermittelte laut Hermann der Kirchenasylbeauftragte der evangelischen Landeskirche Bayern, Pfarrer Stephan Reichel.

Sieben Mitglieder des Unterstützerkreises „Asyl“ aus Weilheim waren nun, angeführt von Pfarrer Herrmann, zu Besuch in Meran. Dort tauschte die Gruppe aus dem Oberland mit etwa 25 Vertretern mehrerer Südtiroler Solidaritätsgruppen Erfahrungen aus. Organisiert worden war die Reise von Unterstützerkreis-Mitglied Helmuth Fischer und Magdalena Windegger aus Meran.

Das Weilheimer Vereinsprojekt „Aikido für Asylbewerber“, bei dem der abgeschobene Senegalese bis zuletzt trainierte, und ein Meraner Verein bereiteten den Boden für den Austausch der Ehrenamtlichen aus beiden Regionen. „Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich die Konzepte beider Länder bei der Betreuung von Asylbewerbern sind“, so Herrmann. Wie streng die Bedingungen in Italien sind, zeigte Herrmann anhand von Beispielen auf. „In Südtirol wird es offensichtlich nicht nur toleriert, sondern als Abschreckung politisch gewollt, dass zahlreiche Asylbewerber auf der Straße leben“, resümierte er. In Bayern sei das nicht vorstellbar. „Wer eine Ablehnung bekommen hat, wer nach Anerkennung keine Wohnung gefunden hat, wer dreimal gegen die Hausordnung verstoßen hat, der muss die Unterkunft verlassen und landet auf der Straße“, so Herrmann weiter. Die Folge: Unzählige Flüchtlinge, auch Frauen, übernachten mittellos auf einem Platz in der Nähe der Bahnhöfe in Bozen und Meran im Freien, bevor ihnen morgens um 6 Uhr die Decken weggenommen werden. Davon berichtete Ivo Passler aus Bozen den Gästen. „Manchmal finden sich Menschen, die diese Geflüchteten für eine oder mehrere Nächte bei sich zu Hause aufnehmen.“ In Weilheim sei es undenkbar, das 20 Asylbewerber am Marienplatz kampieren und betteln, so Herrmann.

Alle Anwesenden des Treffens waren sich laut Herrmann einig: Es sei beschämend für Europa, dass die Hauptlast für die Flüchtlinge mittlerweile auf den Schultern zweier Länder ruhe – nämlich auf denen von Griechenland und Italien. Und von dort kämen die Geflüchteten praktisch nicht mehr weiter.

Dieses erste Asyl-Treffen über Grenzen hinweg „soll nicht das letzte gewesen sein“, sagte Herrmann. Die Weilheimer Delegation lud die Südtiroler für kommendes Jahr zum Erfahrungsaustausch ins Oberland ein. Und Herrmann hofft: „Vielleicht servieren dann die Pollinger Weinbrüder Südtiroler Wein aus Meran.“ Die haben nämlich schon lange Kontakt in die Region.

Kontakt

zu „Asyl im Oberland“ auf www.asylimoberland.de oder Tel. 0881/927658922 und Tel. 0881/927658923

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