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Hobeln gehört zum Handwerk: Die Berufsschullehrer aus Griechenland, Stefanos Nalmpantis (2.v.l.) und Aggeliki Karanassio (4.v.l.), machen sich derzeit mit Kollegen ein Bild vom Unterricht in Weilheim. Robert Stolzenberg (3.v.l.) betreut das Projekt und übersetzt.

EU-Projekt in weilheim

Ausbildung ohne Grenzen

Weilheim - In Weilheim gibt es einmal keinen Schüleraustausch. Griechische Lehre besuchen die Berufsschule und erfahren, dass es Gemeinsamkeiten gibt.

Es riecht nach Holz in dem großen, hellen Raum in der Weilheimer Berufsschule. An den Arbeitsplätzen wird gehobelt, geschliffen, gefeilt und gesägt. Hier arbeiten die angehenden Schreiner zusammen an einem größeren Projekt, wie an vielen anderen Unterrichtstagen auch. Doch heute ist es ein wenig anders: An den Werkbänken stehen nicht nur Schüler, die den Beruf lernen wollen, sondern auch ein paar Erwachsene, die etwas über das Berufsschulwesen in Bayern erfahren wollen.

Denn derzeit sind sechs Berufsschullehrer aus Kavala in Griechenland zu Gast an der Berufsschule in Weilheim. Eine Woche lang besuchen sie Unterrichtsstunden, schauen sich die Schule und ihre Ausstattung an und bekommen viele weitere Informationen. Als Dolmetscher fungiert in diesen Tagen der Berufsschullehrer Robert Stolzenberg, der Halbgrieche ist und fließend Griechisch spricht. „Das kommt uns natürlich sehr entgegen“, sagt Schulleiter Dr. Burkhard Küster.

Die griechischen Lehrer sind im Rahmen des von der EU geförderten Projektes „Erasmus+“ zu Gast in Weilheim (wir berichteten). Die Berufsschule ist Partnerschaften eingegangen mit einer Schule in Sanok (Polen), einer Schule in Cartagena (Spanien), und eben der Berufsschule in Kavala.

Gerade erklärt der Fachlehrer für Schreinerei, Peter Wimmer, seinen griechischen Kollegen, wie der handlungsorientierte Unterricht für seine Klasse aussieht. „Das ist ein anderer Unterrichtsansatz, als die Kollegen in Griechenland ihn kennen“, ergänzt Stolzenberg.

Dennoch kommt den griechischen Berufsschullehrern einiges sehr vertraut vor. „Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede“, sagt Stefanos Nalmpantis. In Griechenland wird derzeit ein ähnliches duales System bei der Berufsausbildung erprobt – wie das, das es in Deutschland schon lange gibt. Nalmpantis leitet eine berufliche Schule in Kavala, die größer ist als das Gegenstück in Weilheim. Einen Unterschied hat er allerdings schon festgemacht: Seine Schüler sind wesentlich jünger als die an der oberbayerischen Berufsschule.

Wie die meisten der sechs Gäste ist der Schulleiter zum ersten Mal in Deutschland. Seine Kollegin Aggeliki Karanassio war schon öfter da: Sie ist gespannt darauf, zu sehen, wie hier an der Berufsschule gearbeitet wird – und erwartet sich von dem Aufenthalt in Weilheim, dass sie einige Ansätze für ihre Arbeit mit nach Hause nehmen kann.

Das Projekt sieht Kontakte von Lehrern und Schülern vor mit dem Ziel, sich über den Unterricht auszutauschen, das Verständnis für Migration zu wecken, die Mobilität der beteiligten Personen und eine internationale Ausrichtung der Schule zu fördern. In der ersten Projektphase reisen die Lehrer zu den jeweiligen Partnerschulen, in der zweiten Phase folgen die Schüler. Lehrer aus Weilheim waren bereits für ein paar Tage in Polen – und für Juli ist der Gegenbesuch in Griechenland geplant.

Kathrin Hauser

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