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Arzt mit deutlicher Warnung vor besorgniserregender Krankheitswelle: „Dunkelziffer extrem hoch“

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Von: Kathrin Hauser

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Eine Krankheit, die deutlich gefährlicher ist als Corona, ist im Landkreis angekommen. 301 nachgewiesene Fälle wurden gemeldet. Die Dunkelziffer ist wohl ungleich höher, sagt Karl Breu im Interview.

Heuer sind es besonders viele Influenzafälle, im vergangenen Jahr gab es weniger und vor zwei Jahren war die Influenzawelle extrem stark. Woran liegt es, dass eine Grippesaison heftig ausfällt und eine andere harmlos?

Karl Breu ist Vorstand des Ärztlichen Kreisverbandes.
Karl Breu ist Vorstand des Ärztlichen Kreisverbandes. © mm

Breu: Das hängt von mehreren Faktoren ab. Generell kann ich aber dazu sagen, dass sich das Grippevirus jedes Jahr verändert. Damit ändert sich auch die Kraft des Virus. Aus diesem Grund gibt es auch Unterschiede in der Intensität der einzelnen Grippewellen. Wenn es allerdings derzeit schon 301 nachgewiesene Influenza-Fälle im Landkreis gibt, ist das schon sehr viel. So etwas haben wir selten gehabt in den vergangenen 30 Jahren. Bei den Fallzahlen muss immer bedacht werden, dass hinter jedem laborerprobten Influenzafall viele Fälle stehen, bei denen kein Nachweis erbracht wurde. Man hat früher immer gesagt, dass nur in 20 Prozent der Grippefälle ein Labornachweis erbracht wurde. Die Dunkelziffer ist also extrem hoch.

Influenza-Welle: Wie sinnvoll ist Grippe-Impfung?

Sollten sich Ihrer Meinung nach alle gegen Influenza impfen lassen?

Breu: Eine Impfung ist das wirkungsvollste Mittel, sich vor einer Ansteckung mit dem Grippevirus zu schützen. Ich würde die Impfung aber lediglich für Risikogruppen empfehlen. Dazu gehören unter anderem chronisch Kranke, Schwangere, Mitarbeiter von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen und alle, die älter als 60 Jahre sind.

Wenn ich mich nicht impfen lasse, wie kann ich mich vor der Influenza schützen?

Breu: Ich würde raten, häufig die Hände zu waschen. Vor allem sollten das diejenigen tun, die sich viel in öffentlichen Gebäuden aufhalten oder öffentliche Toiletten benutzen. Man kann zudem versuchen, Kontakte mit Leuten, die schniefen oder husten zu meiden und Abstand zu halten, aber Händewaschen ist die beste Methode, sich vor dem Virus zu schützen, wenn man sich nicht impfen lassen möchte.

+++ Mehr zum Thema: Gefährliche Grippe: So schützen Sie sich vor der ansteckenden Infektionskrankheit +++

Arzt Breu: Influenza größeres Problem im Landkreis Weilheim-Schongau als Corona

Ist das Coronavirus noch ein Thema unter den Ärzten im Landkreis?

Breu: Am Anfang hat unter den Ärzten im Landkreis eine große Unsicherheit geherrscht, was das Coronavirus und den Umgang damit anging. Ich habe den Eindruck, dass sich inzwischen alles eingespielt hat. Das Krankenhaus Weilheim hat mit Aufgaben übernommen und würde erkrankte Patienten aufnehmen. Auch das Gesundheitsamt würde unterstützen. Mittlerweile wurde alles geregelt für den Fall, dass sich ein Landkreisbürger mit dem Coronavirus infiziert. Am Anfang haben doch einige angerufen. Vor allem waren Bürger beunruhigt, die aus Ländern wie zum Beispiel Japan zurückgekehrt waren. Inzwischen hat es sich beruhigt – zumal die Ärzte auch derzeit mit der Influenza genug zu tun haben. Die Praxen sind voller Grippekranker. Die Influenza ist derzeit eindeutig ein größeres Problem als das Coronavirus.

Haben Sie sich denn gegen Influenza impfen lassen?

Breu: Ich hatte die Influenza ein Mal und seitdem habe ich mich jedes Jahr impfen lassen. Ich habe immer erzählt, dass das Krankheitsgefühl und das Fieber plötzlich auftreten. Und so war es bei mir auch. Ich war auf einen Schlag krank. Ich war richtig schlecht beieinander. Zu dieser Risikogruppe der Über-60-Jährigen gehöre ich inzwischen auch. Seitdem lasse ich mich jedes Jahr impfen, weil ich das nicht mehr erleben will. Zudem gehöre ich mittlerweile ja auch zu der Risikogruppe der Über-60-Jährigen, für die eine Impfung empfohlen wird.

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