Solche Bilder sollen im Weilheimer Moos bald Vergangenheit sein: Torfabbau ist für die Grünen mit einer „klimafreundlichen Stadt“ nicht vereinbar. Doch der Bauausschuss des Stadtrates lehnte eine entsprechende Bebauungsplanänderung jetzt ab. Man könne nur das Gespräch mit den noch verbliebenen Torfabbaufirmen suchen, wie es hieß.
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Solche Bilder sollen im Weilheimer Moos bald Vergangenheit sein: Torfabbau ist für die Grünen mit einer „klimafreundlichen Stadt“ nicht vereinbar. Doch der Bauausschuss des Stadtrates lehnte eine entsprechende Bebauungsplanänderung jetzt ab. Man könne nur das Gespräch mit den noch verbliebenen Torfabbaufirmen suchen, wie es hieß.

Klimaschutz

Grüne fordern Stopp des Torfabbaus im Weilheimer Moos

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Der Torfabbau im Weilheimer Moos soll komplett eingestellt und die Moorfläche umgehend renaturiert werden – das fordert die Stadtratsfraktion der Grünen mit Verweis auf die klimaschädlichen CO2-Emissionen durch den Abbau. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, wie eine kontroverse Debatte im Bauausschuss zeigte.

  • Der Torfabbau im Weilheimer Moos konterkariere die Klima-Bemühungen
  • Deshalb fordern die Grünen, diesen endgültig einzustellen
  • Denn Weilheim sei Bayerns letztes Torfabbaugebiet

Weilheim – Es sind nur noch wenige Flächen, auf denen ein 1980 aufgestellter Bebauungsplan Torfabbau im Weilheimer Moos und Schwattachfilz gestattet. Aktuell nutzen noch „zwei Personen aus Tankenrain und Paterzell“ diese Erlaubnis, schreibt Stefan Emeis im Grünen-Antrag, den er als Umwelt- und Klimareferent des Stadtrates initiiert hat. Eine weitere Firma habe dort noch ein Betriebsgelände, baue aber nicht mehr ab, so Emeis weiter: „Vielmehr wird Torf aus dem Raum Oldenburg abgepackt und als ,Alpentorf’ verkauft.“

Weilheim, eine klimafreundliche Stadt?

Doch nun sei es an der Zeit, den Torfabbau im Weilheimer Moos endgültig einzustellen, meinen die Grünen. Sie beantragen, der Stadtrat solle den geltenden Bebauungsplan aufheben, weiteren Torfabbau somit unterbinden und unverzüglich eine Renaturierung der Moorfläche in Angriff nehmen. Begründung: Die CO2-Emission aus der Trockenlegung von Mooren und Torfabbau passe nicht zum Beschluss vom November 2019, eine „klimafreundliche Stadt“ zu sein. Auch konterkariere der Torfabbau im Weilheimer Moos die Renaturierungspläne des Landkreises: Es sei „widersinnig, wenn der Landkreis Geld investiert, Moore zu renaturieren, während im Stadtgebiet Torfabbau weiterhin möglich ist“.

Moore haben eine wichtige Funktion fürs Klima

Grundsätzlich, so führt Klima-Experte Emeis in dem Antrag aus, seien Moore – „neben der einmaligen Flora und Fauna“ – eine wichtige „Kohlenstoffsenke, die der Atmosphäre langfristig Kohlendioxid entzieht“. Einmal trockengelegt, bräuchten Moore hingegen Jahrzehnte, bis sie diese Funktionen im Ökosystem wieder erfüllen können. Schließlich verweisen die Grünen mit Blick auf den 40 Jahre alten Bebauungsplan darauf, dass Torf heute weder als Brennstoff noch als Bodenverbesserer benötigt werde. Für beides gebe es mittlerweile wesentlich bessere Möglichkeiten.

„Es geht hier um drei Existenzen“

Die Bedeutung des Weilheimer Mooses war unumstritten, als der Bauausschuss des Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung über den Grünen-Antrag diskutierte. Deshalb habe man in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder versucht, die Renaturierung zu forcieren, betonten insbesondere die CSU-Vertreter. „Doch man muss auch bedenken“, so 2. Bürgermeisterin Angelika Flock als Sitzungsleiterin: „Es geht hier um drei Existenzen.“ Änderungen bezüglich der noch bestehenden Betriebe seien „nur auf dem Verhandlungsweg möglich“, fügte Klaus Gast an. Das sah auch BfW-Stadtrat Rupert Pentenrieder so – und plädierte dafür, „nicht zu sehr weiter einzugreifen“. Die Renaturierungen der letzten 40 Jahre hätten im Weilheimer Moos bereits zu einer Artenvielfalt geführt, „die ihresgleichen sucht“.

Lesen Sie hier, worüber Weilheims Klimaausschuss kürzlich diskutiert hat

Horst Martin (SPD) betonte indes, es handle sich hier um „das letzte Torfabbaugebiet in Bayern“ – und das sei nicht länger hinzunehmen: Der Stadtrat müsse „das Signal senden, dass wir den Torfabbau beenden und eine zeitliche Grenze festsetzen wollen“. Aktuell sind die noch laufenden Abbau-Genehmigungen zeitlich unbegrenzt, wie das Stadtbauamt erklärte. Mit dem Versuch, zeitliche Befristungen zu setzen, sei der Stadtrat schon in den 1990er Jahren mehrfach gescheitert, erinnerte Stefan Zirngibl: „Ich habe nichts dagegen, das 2020 noch mal zu versuchen“, so der CSU-Vertreter, „das geht aber nur im Gespräch“. Die Stadt müsste dann wohl auch Entschädigungen bezahlen, führte Zirngibl aus: „Gratis werden wir es nicht bekommen.“

Es steht unserer klimafreundlichen Stadt nicht gut an, die letzte Kommune in Bayern mit kommerziellem Torfabbau zu sein.

Stefan Emeis, Initiator des Grünen-Antrags

Für Alfred Honisch (Grüne) entscheidet sich daran die Frage: „Wie ernst meinen wir es als Stadt, bis 2035 klimaneutral sein zu wollen?“. Keiner wolle „die drei Existenzen plattmachen“, so Weilheims 3. Bürgermeister weiter, „aber bis 2035 muss da etwas passieren, und das müssen wir jetzt aufs Gleis setzen“.

Wenn es zu einer Änderung im Weilheimer Moos kommt, müsse sichergestellt sein, dass seitens der Landwirtschaft weiter eine intensive Grünbewirtschaftung möglich ist, betonte Pentenrieder als Stadtratsreferent für Landwirtschaft – denn manche Betriebe hätten „zwei Drittel ihrer Flächen im Moos“. Antragsteller Emeis beruhigte in dieser Hinsicht: Es gehe nur um die Einstellung des Torfabbaus. „Die Landwirtschaft im Norden des Gebietes kann weiterlaufen.“

Klarer Auftrag an die Stadtverwaltung

Der Antrag auf Aufhebung des Bebauungsplanes wurde vom Bauausschuss am Ende dennoch einstimmig abgelehnt. An dem Thema aber, so war man sich einig, wolle man „dranbleiben“. Die Stadtverwaltung soll nun im Gespräch mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt eruieren, ob es Möglichkeiten gibt, auch den noch verbliebenen Torfabbau zeitlich zu begrenzen. In einigen Monaten soll im Bauausschuss dann erneut darüber diskutiert werden.

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