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Freude pur nach der Stichwahl: Alexander Dobrindt und Andrea Jochner-Weiß.

Andrea Jochner-Weiß im Interview

Halbzeit-Bilanz der Landrätin

Es ist Halbzeit zwischen den Kommunalwahlen. Das war der Anlass für ein Interview mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die über Berufliches, aber auch über Persönliches Auskunft gab.

Sie ist die erste Frau, die an die Spitze des Landkreises Weilheim-Schongau gewählt wurde: Andrea Jochner-Weiß (56) aus Wilzhofen. Die CSU-Politikerin äußert sich im Interview über ihre Anfangszeit in dem Amt, das ihr Leben komplett verändert hat, und über Kritik, die Verwaltung habe das Zepter im Landratsamt übernommen.

Wie hat sich Ihr Leben verändert seit dem 1. Mai 2014?

(Schnauft durch). Es hat sich komplett verändert. Von meinem früheren Leben ist wenig übrig geblieben. Jetzt bin ich oft 15 Stunden außer Haus, früher hatte ich als Hausfrau und Mutter einige Freiheiten, die es so nicht mehr gibt. Manchmal denke ich mir, „gemütlicher war es früher schon“.

Im Gegensatz zu Ihren Vorgängern sind Sie ja als Groß- und Außenhandelskauffrau berufsfremd, wie kommen Sie bei der Alttagsarbeit damit zurecht?

Ich bin in dieser Beziehung sicher ein wenig eine Exotin. Ich habe ja aber Erfahrung als Gemeinde- und Kreisrätin sowie als 2. Bürgermeisterin von Wielenbach und stellvertretende Landrätin. Man läuft ja nicht blindlings in so eine Sache hinein. Außerdem habe ich sehr viele Menschen um mich herum, die mich unterstützen. Ohne die hätte ich es nicht geschafft. Die waren immer für mich da. Ich musste lernen, dass die Logik in der freien Wirtschaft oftmals eine andere ist als in der Verwaltung. Im Landratsamt dauern Entscheidungsprozesse einfach länger. Der Anfang war eine harte Zeit.

Bei wem holen Sie sich Rat in schwierigen Situationen?

Obwohl ich eigentlich Probleme ungern mit nach Hause nehme, zuerst bei meiner Familie und bei Freunden. Ich habe auch regen Kontakt zur Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker. Es gibt ja nur vier Landrätinnen in Bayern. Wir sprechen uns häufig ab, wir haben ja die gleichen Probleme, wohnen nicht weit auseinander und wollen auch die gleichen Lösungen, zum Beispiel beim Thema „Flüchtlinge“.

Das Klima im Kreistag ist insgesamt besser geworden – worauf führen Sie das zurück?

Wenn ich die Berufsschule mal weglasse, haben wir ein gutes Miteinander – auch wenn die Diskussionen manchmal hart sind. Was mich besonders gefreut hat, war, das wir im vergangenen Jahr den Haushalt einstimmig verabschiedet haben. Dass das Klima besser geworden ist, liegt sicher auch daran, dass ich versuche, alle Fraktionen und Gruppierungen mitzunehmen. Alle Kreisräte haben die gleichen Informationen, wenn sie in die Sitzung gehen. Was sicherlich auch ein Grund für das gute Miteinander ist, ist die Tatsache, dass keine Partei eine absolute Mehrheit hat, man muss mit allen reden. Und wenn das Verhältnis untereinander gut ist, bringt man einfach mehr weiter.

Was sind die größten Baustellen in den kommenden drei Jahren?

Die aktuellen. Mit der Sanierung des Gymnasiums Weilheim sind wir bald fertig. Das Schulzentrum Schongau wird uns noch eine Weile in Anspruch nehmen – genauso wie natürlich die Berufsschule. Das sind ja alles Themen, die vor meiner Amtszeit angestoßen worden sind. Mit der Krankenhaus GmbH streben wir einen größeren Verbund an. Ein Radwegekonzept wollen wir auf den Weg bringen. In den ersten drei Jahren ist vieles liegen geblieben, wegen der Asylproblematik hatten wir kaum Zeit zum Durchschnaufen.

Können Sie noch gut schlafen, wenn Sie an 70 Millionen Euro für die Berufsschule denken?

Nein, ganz klar. Die knapp 70 Millionen Euro sind ja nur ein Teil von dem, was wir in den nächsten Jahren ausgeben. Man muss wirklich aufpassen, dass man den Bezug zum Geld nicht verliert. Ich kann nur hoffen, dass die Wirtschaft weiter so floriert. Die enormen Investitionssummen machen mir wirklich Sorgen.

Manche sprechen vom „Herrn Landrat“ oder vom „regierenden Kämmerer“ und meinen Norbert Merk. Ärgert Sie das?

Nein, in keiner Weise. Es gibt derzeit einfach viele Themen, die unsere Kämmerei betreffen. Ich könnte den Spieß ja umdrehen und alles selbst dreimal erklären. Herr Merk macht das wirklich gut. Ich sage immer, er ist der „weltbeste Kämmerer“.

Aber im Ernst: Wer hat das Sagen im Landratsamt – Sie oder der Kämmerer?

Ganz klar: ich. Wir beraten uns regelmäßig in kleiner Runde, neben Norbert Merk, sitzen dort noch Georg Leis (Personalleiter) und Hans Rehbehn (Öffentlichkeitsarbeit) mit am Tisch. Wir beraten lange, das hilft mir sehr, aber die Entscheidungen treffe dann ich.

Nach den ersten 1100 Tagen im Amt: Wissen Sie schon, ob Sie 2020 wieder antreten werden?

Mein Ziel war erst einmal, gute und erfolgreiche Landkreispolitik zu machen, jetzt ist ja erst Halbzeit. Jetzt kommt für mich hoffentlich die Zeit, in der ich mich freischwimme. Ich hatte noch gar nicht richtig Zeit, darüber nachzudenken, Asylfragen, Berufsschule und Krankenhäuser haben mich sehr beschäftigt. Jetzt gilt es, die Ziele zu realisieren. Wenn ich den Kopf ein wenig freier habe, werde ich mir Gedanken über meine Zukunft machen.

Das Interview führte Johannes Thoma.

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