Ist die bestehende Doppelturnhalle in Weilheim überhaupt noch zu retten? Ein Gutachter soll jetzt Sanierungsmöglichkeiten ausloten.
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Ist die bestehende Doppelturnhalle in Weilheim überhaupt noch zu retten? Ein Gutachter soll jetzt Sanierungsmöglichkeiten ausloten.

Weihnachtssitzung des Kreistags

Hallensanierung soll genau geprüft werden - Neubau ist etlichen Kreisräten zu teuer

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Die zuständigen Beamten können sich für die Bearbeitung des Bauantrags für die neue Turnhalle des Weilheimer Gymnasiums Zeit lassen – derzeit sieht es nicht danach aus, dass er so schnell gebraucht wird.

  • Der Turnhallenbau des Weilheimer Gymnasiums sorgte für Diskussion im Kreistag
  • In der Weihnachtssitzung war kein Thema so umstritten wie dieses
  • Jetzt sollen die Sanierungsvarianten genau geprüft werden
  • Denn ein Neubau war einigen Kreisräten zu teuer

Landkreis – Kaum ein Thema war bei der Weihnachtssitzung des Kreistags so umstritten wie der Turnhallenbau am Weilheimer Gymnasium. Wie schon zuvor im Kreisausschuss stellte Florian Steinbach, Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung beim Landratsamt, noch einmal kurz die Neubauvariante, bei der drei Turnhallen verschachtelt aufeinandergestapelt werden, vor.

Neubau und „große“ Sanierung werden vom Freistaat gefördert

Steinbach versuchte dabei, die Kosten von 13,5 Millionen Euro für den Neubau zu relativieren. Immer wieder werde zum Vergleich der Neubau der Dreifachturnhalle in Penzberg herangezogen. Der sei aber bereits vor vielen Jahren erfolgt. Wenn man die jährlichen Baukostensteigerungen und den Zuschuss der Stadt abziehe und auch noch die Kosten für den Abriss und die durch den Stapelbau nötigen Umbauarbeiten an den Pausenhallen subtrahiere, dann „wird der Neubau in Weilheim unterm Strich nur rund 1,2 Millionen Euro teurer als der in Penzberg“, so Steinbach. Diese Mehrkosten würden daraus resultieren, dass die Stapelvariante aufwändiger sei, aber auch, weil eine Belüftungsanlage und moderne Gebäudeautomation eingebaut würden. Zu guter Letzt seien auch die Planungskosten mittlerweile deutlich höher als damals, als die Dreifachhalle in Penzberg gebaut wurde.

Obwohl „baufachlich unverändert nicht zu empfehlen und vom Kreistag bereits verworfen“, stellte Steinbach im Anschluss auch die beiden Sanierungsvarianten vor. Die Minimalvariante für 1,2 Millionen Euro und die umfassende Sanierungsvariante für 4,3 Millionen Euro. Steinbach betonte noch einmal, dass Neubau und „große“ Sanierung vom Freistaat gefördert würden, die Minimalvariante allerdings nicht. Dieses Argument entkräftete später allerdings Kreiskämmerer Norbert Merk, indem er erklärte, dass es zwar eine Förderung von 30 Prozent geben könnte. Diese würde allerdings nur „die förderfähigen Kosten“ abdecken. Und förderfähig sei maximal die Hälfte der bei einem Neubau anfallenden Kosten. Der Zuschuss betrage also ein Drittel der Hälfte der zu erwartenden Beträge, mithin „bleiben mindestens acht Millionen Euro am Landkreis hängen“.

Eine Summe, die etlichen Kreisräten angesichts der prekären Finanzlage des Landkreises zu hoch war.

Holzbau wäre teurer als Betonbau

Deswegen forderte Peter Erhard (CSU/Böbing), beide Sanierungsvarianten eingehend zu prüfen. „Ich bin überzeugt davon, dass wir relativ schnell bei der mittleren Sanierungsvariante landen werden“, sagte er. Damit könne man dann aber auch bei deutlich geringerer Belastung des Landkreises „ein paar Jahre leben“. Ähnlich sah es Romana Asam (Freie Wähler/Weilheim).

Auch die ÖDP sprach sich für die umfangreiche Sanierung des bestehenden Turnhallengebäudes aus. „Ein Neubau würde dermaßen viele Ressourcen verschlingen, dass es nicht zu verantworten ist“, sagte Markus Kunzendorf aus Oberhausen. Insbesondere, weil bei der vorgestellten Neubauvariante wieder jede Menge Beton verbraucht würde, weil man erneut keine umweltschonendere Holzbauvariante gewählt habe. Holzbau würde noch einmal erheblich teurer, warnte Kreiskämmerer Merk.

Grehl (Grüne): Es bestehen jede Menge Unfallquellen in den alten Turnhallen - für ihn kommt nur Neubau in Frage

Gänzlich gegen die Variante der umfassenden Sanierung sprach sich indes der stellvertretende Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL/Obersöchering) aus. Das sei „die schlechteste aller Lösungen“, weil die Schule ein Anrecht auf drei Turnhallen habe und man, wenn man die Fördermittel für die Sanierung in Anspruch nehme, den derzeitig ungenügenden Zustand für die nächsten 25 Jahre zementiere. Er sprach sich für eine Minimalvariante aus, um doch einen Neubau errichten zu können, sobald sich die Finanzlage des Landkreises wieder beruhigt habe.

Gewohnt deutlich brachte Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) seine Meinung zu Gehör: Wenn man eine Sanierung tatsächlich in Betracht ziehe, „soll man sich das vorher von der Landesunfallkasse abzeichnen lassen“, weil jede Menge Unfallquellen in den alten Turnhallen bestehen würden. Und überhaupt: „Da kann man nichts mehr sanieren. Ein Experte sieht sofort, was das für ein Glump ist“, wetterte Grehl. Für die Heizung brauche man „ein kleines Kraftwerk“, eine Sanierung „kommt am Ende einem Neubau gleich“.

Wenn es so schlimm sei, wie Grehl behaupte, müsse man die Turnhallen am besten gleich sperren, entgegnete Stefan Korpan (CSU/Penzberg). Er zog in Zweifel, dass es im Fall eines Neubaus „wirklich bei 13,5 Millionen Euro bleiben wird“. Daher seine Forderung: „Entweder eine Sanierung oder ein günstigerer Neubau an einem Alternativstandort.“ Es gebe im Landkreis auch noch andere Gemeinden als nur die Stadt Weilheim, die mit dem Turnhallenneubau und dem neuen Hallenbad eine besonders lange Wunschliste an den Landkreis hat.

Landkreis muss Pflichtaufgaben erfüllen - dazu gehören geeignete Sportstätten für die Schulen

Den Verweis auf Weilheim fand wiederum Manuel Neulinger (Grüne/Weilheim) „kleingeistig“. Der Landkreis müsse seine Pflichtaufgaben erfüllen und dazu würden nun mal auch geeignete Sportstätten für die Schulen in seiner Trägerschaft gehören. Mit Blick auf die deutlich niedrigeren Betriebskosten des Neubaus „würden sich auf lange Sicht auch die Baukosten relativieren“.

Am Ende regte Landrätin Andrea Jochner-Weiß an, zunächst eine „detaillierte Bestandsaufnahme für die beiden Sanierungsvarianten“ zu machen, bevor man über einen möglichen Neubau entscheide. Bei zwei Gegenstimmen entschied der Kreistag, in dieser Sache genau so zu verfahren.

Während der Kreistag noch über einen Neubau oder eine Sanierung diskutiert, hat die Stadt Weilheim dem offiziellen Bauantrag bereits zugestimmt.

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