Selber machen statt nur zuschauen: Das war auch Teil der „Entdeckertour“ der Kreishandwerkerschaft.
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Selber machen statt nur zuschauen: Das war auch Teil der „Entdeckertour“ der Kreishandwerkerschaft.

Im Landkreis Weilheim-Schongau

„Handwerk muss erlebt werden“: Aktion „Entdeckertour“ soll Jugendlichen Ausbildungsmöglichkeiten näher bringen

Bei der „Entdeckertour Handwerk“ haben sich 700 Mittelschüler aus dem Landkreis Weilheim-Schongau über das aktuelle Ausbildungsangebot in der Region informiert.

Landkreis – Jungen Leute im Landkreis sollen „mit einem richtigen Mehrwert rausgehen“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Roland Streim, anlässlich der „Entdeckertour Handwerk“, bei der sich Mittelschüler der achten und neunten Jahrgangsstufe aus dem ganzen Landkreis innerhalb von sechs Tagen über das aktuelle Ausbildungsangebot in der Region informierten. Im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Weilheim sind zwölf Berufsbilder – vom Anlagenmechaniker bis zum Zimmerer – präsentiert worden. Ziel war laut Streim, die Berufstätigkeit und die Ausbildung realitätsnah zu zeigen: „Handwerk muss erlebt werden.“ So hatten die Schüler Gelegenheit, in den Werkstätten nicht nur mit Ausbildern, sondern auch mit den fast gleichaltrigen Auszubildenden zu sprechen.

Laut Kreishandwerksmeister Michael Andrä ist eine realistische Darstellung der Ausbildung wichtig. Ein Hochglanz-Prospekt, der einen Zimmerer zeigt, der bei Sonnenschein auf einem Dach steht, sage nichts über den Beruf aus. Wenn Schüler sehen, wie Handwerk funktioniert, würden sie sich eher für eine Ausbildung entscheiden. „Es muss nicht jeder studierten“, so Andrä, „die Universitäten sind voll, und Studienabbrecher gibt es schon genug.“

Notwendigkeit des Handwerks: „Entdeckertour“ soll wieder angeboten werden

Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß betont die Notwendigkeit des Handwerks. Es sei das Rückgrat der Wirtschaft in der Region, so die Landrätin. Der Mangel an Fachkräften werde immer mehr zum Problem der Wirtschaft, deshalb müssten Plattformen wie die „Entdeckertour“ fest ins Programm von Schulen und Handwerkskammern aufgenommen werden. In Weilheim werde die Veranstaltung in den kommenden Jahren definitiv wieder angeboten.

Bei der „Entdeckertour“ (v.l.): Thomas Orbig, Chistiane Wurm, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Markus Nitsch, Stefan Biesenberger, Roland Streim, Michael Andrä.

Thomas Orbig vom „Arbeitskreis Schule-Wirtschaft“ sieht wie Jochner-Weiß ein großes Problem im Fachkräftemangel. Er rechnet damit, dass es in den Unternehmen zu einem „Kampf um Talente“ kommen wird. Die Chancen im Handwerk sind laut Stefan Biesenberger nach oben hin offen. Über eine Weiterbildung zum Meister oder Betriebswirt könne man schnell zum Chef seines eigenen Unternehmens werden, so der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums der Handwerkskammer.

Für Markus Nitsch, den Leiter der Weilheimer Agentur für Arbeit, hängt der Wohlstand einer Gesellschaft vom Handwerk ab. Deshalb sei eine gute Ausbildung wichtig. Diese wirke sich auch auf die Bezahlung aus. Die Löhne im Handwerk würden steigen.

Nitsch hält Veranstaltungen wie die „Entdeckertour“ für sehr wichtig, weil zwar einige Jugendliche über ihre Eltern oder Freunde schon über verschiedene Berufsbilder informiert sind, viele andere hätten aber noch „überhaupt keinen Plan“.

Genaue Vorstellungen von Handwerksberufen

Von seinem Handwerk hatten viele Schüler schon bestimmte Vorstellungen, wie Bäcker David Grube feststellte. Gefragt wurde er unter anderen, wann Bäcker schlafen, wo sie doch nachts arbeiten. „Viele Bäcker schlafen zweimal, einmal nach und einmal vor der Arbeit“, so Grube. „Und dazwischen haben wir viel Tagesfreizeit.“

Eine Mittelschülerin, die sich im Rahmen der „Entdeckertour“ die Metallbearbeitung auf einer CNC-gesteuerten Drehmaschine angeschaut hatte, wusste hinterher, dass sie dieser Beruf überhaupt nicht interessiert. „Aber auch das ist ein Mehrwert“, so Roland Streim, „wenn man am Ende weiß, welcher Beruf für einen nicht in Frage kommt.“

VON ALFRED SCHUBERT

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