Fast 4000 Impfungen haben die niedergelassenen Ärzte im Landkreis in den ersten beiden Wochen durchgeführt. dpa
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Fast 4000 Impfungen haben die niedergelassenen Ärzte im Landkreis in den ersten beiden Wochen durchgeführt.

Impfkampagne geht weiter

Hausärzte trotz Astrazeneca optimistisch

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Fast 4000 Impfungen in den ersten beiden Wochen – Peter Lidzba, ärztlicher Koordinator der niedergelassenen Ärzte im Landkreis, ist stolz auf die erste Bilanz seiner Kollegen: „Das ist richtig gut gelaufen.“ Auch wenn jetzt vermehrt das ungeliebte Astrazeneca zum Einsatz kommen wird, ist der Optimismus auf einen noch schnelleren Impffortschritt groß.

Landkreis – „Das ist überdurchschnittlich“, sagt der Penzberg Hausarzt Peter Lidzba zufrieden, als er auf die Statistik der vergangenen beiden Wochen blickt. Denn vorige Woche waren noch Osterferien, viele Ärzte fangen erst kommenden Montag an, sich an der Impfkampagne zu beteiligen – „trotzdem liegen wir im Vergleich zu den umliegenden Landkreisen mit Bad Tölz-Wolfratshausen an der Spitze“, so Lidzba.

Dabei wird er nicht müde, zu betonen, dass man noch erheblich mehr impfen könnte, wenn ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen würden: „Bei uns in der Praxis haben wir 120 Patienten in nur zweieinhalb Tagen geimpft, wobei ein spezieller Impftag am Samstag besonders produktiv war“, so Lidzba. Aus Gesprächen mit seinen Kollegen weiß er, dass bei den niedergelassenen Ärzten die zweieinhalb bis dreifache Impfmenge pro Woche möglich wäre. Dabei vergisst Lidzba nicht, zu erwähnen, dass es dabei auf das jeweils ganze Ärzte-Team „bis zur Sekretärin“ ankommt und auch die Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum in Peißenberg hervorragend sei: „Das läuft wirklich gut, es gibt da keine Konkurrenz. Wenn bald noch die Betriebsärzte dazukommen, haben wir drei starke Impf-Säulen“, sagt Lidzba.

Auch die Resonanz der Patienten sei überragend. Das bestätigt Lidzbas Stellvertreter Martin Kayser aus Schongau: „Die Patienten sind so dankbar, das spürt man richtig“, sagt er. Die Bereitschaft, sich beim Arzt des Vertrauens impfen zu lassen, sei extrem hoch: „Wir hatten eigentlich keine Absage.“

Ob das so bleiben wird, wenn nächste Woche statt dem beliebten Biontech zu gleichen Teilen auch Astrazeneca geliefert wird, ist jedoch fraglich. Kayser bestätigt, dass aus den bisherigen Gesprächen mit den Patienten sich 80 bis 90 Prozent auf keinen Fall mit Astrazeneca impfen lassen wollen. Lidzba spricht von ähnlichen Zahlen: „Bei den Über-70-Jährigen wollen nur 15 bis 20 Prozent den Impfstoff haben.“ Beide erwarten viel mehr Gesprächsbedarf, das sei bereits jetzt bei der Terminvergabe deutlich geworden: „Da werden wir deutlich mehr beschäftigt sein“, glaubt Kayser. Wer partout nicht will, den müsse man auf die allgemeine Online-Anmeldung verweisen.

Dabei preisen sowohl Lidzba als auch Kayser die Vorteile von Astrazeneca vor allem für Ältere: „Es ist belegt, dass Astrazeneca schon nach der ersten Dosis deutlich besser einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 verhindert als Biontech und Moderna“, sagen sie unisono. Und Kayser wirft noch einen weiteren Aspekt in den Raum, der auch schon in einem Kommentar in unserer gestrigen Ausgabe zur Sprache gekommen ist: „Wer von den Älteren Astrazeneca verweigert, nimmt einem Jüngeren den Impfstoff weg“, sagt Kayser. Er würde sich wünschen, dass die Bürger nicht nur auf sich schauen, sondern auch auf die Allgemeinheit, um die Corona-Krise möglichst schnell hinter sich zu lassen.

Wenn wie erwartet aber doch eine größere Menge Astrazeneca übrig bleibt, hat sich Kayser schon Sonder-Impfaktionen überlegt, an denen sich alle seine über 60-jährigen Patienten anmelden können. Denn Lidzba nennt noch einen Vorteil von Astrazeneca: „Da haben wir wenigsten vom Stoff her keinen Zeitdruck, weil er, anders als Biontech, gekühlt wochenlang haltbar ist.“

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