Euro-Banknoten liegen gebündelt auf einem Tisch
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Symbolfoto:

Jahresrechnung der Stadt für 2020

Über drei Millionen Euro mehr - aber Weilheims Plus ist längst verplant

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Finanziell lief das Jahr 2020 für die Stadt Weilheim besser als gedacht. Trotz Corona und einem „absoluten Tiefpunkt“ bei den Gewerbesteuer-Einnahmen liegt der Überschuss gut drei Millionen Euro über dem Plan. Entspannung ist aber kaum angesagt: Das Geld ist längst verplant.

Weilheim – Übermut sieht anders aus. „Die Planung hat hingehauen“, sagte Stadtkämmerer Christoph Scharf betont nüchtern, als er im Hauptausschuss des Stadtrates vergangene Woche die Jahresrechnung 2020 vorlegte – also das Endergebnis für die städtischen Finanzen im ersten „Corona-Jahr“. Dabei konnte er doch ein sehr erfreuliches Ergebnis präsentieren. Der Überschuss, der den Rücklagen zugeführt werden kann, ist am Ende fast doppelt so hoch als ursprünglich gedacht: 3,5 Millionen Euro waren eingeplant, tatsächlich sind es 6,7 Millionen Euro geworden. So konnte der Kämmerer etwa die 2,57 Millionen Corona-Zuschuss vom Staat direkt „an den Vermögenshaushalt durchreichen“, der quasi das Polster für künftige Investitionen ist.

Allerdings: „Dieses Geld steht nicht zusätzlich zur Verfügung“, bremste Scharf etwaige Erwartungen sofort aus. Weil das Vorjahres-Plus im Grunde schon feststand, als der Stadtrat im März den Haushalt 2021 verabschiedete, wurde es im Finanzplan für die nächsten Jahre bereits eingeplant. Die Stadt müsse deshalb „weiter mit Augenmaß an Investitionen herangehen“, mahnte der Kämmerer – und stellte fürs laufende Jahr fest: „Wir waren ganz gut beraten, dass wir den Haushalt moderat angegangen sind“, also etwa mit eher abgespeckten Bauvorhaben.

Weilheims Schuldenberg ist hoch

So positiv sich die städtischen Rücklagen im Jahr 2020 entwickelten (zu Jahresbeginn beliefen sie sich auf gut 6,3 Millionen, am Ende auf knapp 13,1 Millionen Euro): Durch eine Kredit-Neuaufnahme von zwei Millionen Euro erhöhten sich zeitgleich die Schulden der Stadt auf 18 Millionen Euro. Damit liegt Weilheim ca. 50 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte in Bayern. Umso wichtiger sei, „dass wir tilgen können“, betonte Scharf. Laut Plan will die Stadt ihren Schuldenberg jährlich um eine Million Euro abtragen.

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Auf der Haben-Seite ist laut Kämmerei nach wie vor die Gewerbesteuer das „Sorgenkind“. Die Einnahmen in diesem Bereich sind 2020 „auf acht Millionen Euro eingebrochen“, so Scharf, das sei „der absolute Tiefpunkt der letzten Jahre“. Allerdings scheint es aufwärts zu gehen: Heuer hat die Stadt Weilheim bereits rund 9,5 Millionen Euro aus Gewerbesteuern eingenommen. Damit liegt man schon 700.000 Euro über der im Haushalt 2021 eingeplanten Summe. Und für die kommenden Jahre hofft Scharf auch auf Steuerzahlungen neuer Betriebe im Gewerbegebiet Achalaich.

„Sparen ist kein Wert an sich“

Die Hauptausschuss-Mitglieder nahmen die vorgelegte Jahresrechnung 2020 unterschiedlich auf. „Wir wussten, dass wir 2020 wahrscheinlich noch ganz gut rumbringen würden“, sagte Klaus Gast (CSU). Doch an der „grundsätzlichen, strukturellen Problematik“ vor Ort habe sich nichts geändert. Die Stadt Weilheim stehe vor gewaltigen Aufgaben, „und es wird mit Sicherheit nicht leichter“, so Gast. Dagegen bekannte Petra Arneth-Mangano (SPD), die aktuellen Zahlen hätten sie „erleichtert“. Sparen ist ihrer Ansicht nach „kein Wert an sich“. Und: „Aktuell“, so die Sozialdemokratin, „ist die Zeit der Investitionen“ – zwar nicht in neue, aber in „lange geplante Projekte“. Am kommenden Donnerstag ist die Jahresrechnung noch einmal Thema im Weilheimer Stadtrat.

Die Stadtratssitzung

beginnt am Donnerstag, 23. September, um 18.30 Uhr im „Haus der Begegnung“ an der Römerstraße. Für Besucher stehen dort laut Bürgermeister Markus Loth „nur sehr eingeschränkt Plätze zur Verfügung“. Themen sind u.a. auch die Erweiterung des Gewerbegebietes am Leprosenweg und das geplante Parkhaus an der Krumpperstraße.

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