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Bitte Platz nehmen für ein Geburtstagsfoto hieß es am Dienstagnachmittag.  Unten von links: Anna und Emil Schneiderhan mit Markus Loth, oben von links: Johanna Schneiderhan, Annemarie Schneiderhan, Ingrid Stocker (Töchter), Julia Chapman (Enkelin). 

Was macht eigentlich... Emil Schneiderhan?

Ab und zu bindet er noch die „Weilheimer Hefte“

Beiträge für das „Lech-Isar-Land“, zahlreiche Haus- und Hofgeschichten: Emil Schneiderhan hat sich in den letzten Jahrzehnten einen Namen als Heimat- und Familienforscher gemacht. Inzwischen hat er die Forschungen eingestellt. Am Dienstag feierte er seinen 90. Geburtstag.

Weilheim – „Ich bin doch kein alter Mann“, sagte Emil Schneiderhan lachend, als ihm „Tagblatt“-Fotograf Emanuel Gronau anbot, doch zum Geburtstagsfoto Platz zu nehmen. Seinen hohen Geburtstag beging er gemeinsam mit seiner Familie. Zur Feier des Tages trug er seinen Hochzeitsanzug, wie eine seiner vier Töchter verriet. Und ein wenig aufgeregt war er auch ob des Besuches von Weilheims Bürgermeister Markus Loth.

Schneiderhan, ein gebürtiger Münchener, erlernte das Buchbinderhandwerk und ließ sich nach der Meisterprüfung im Jahr 1959 als selbständiger Buchbinder in Weilheim nieder. Sein großes Steckenpferd war die Heimat- und Familienforschung, in die er viel Zeit investierte. Seine Frau Anna, mit der er seit 1960 verheiratet ist, sagte gestern lakonisch dazu: „Papier geht vor Ehefrau. Er hat das Papier und ich den Garten.“

Zu Schneiderhans Werken zählen unter anderem Häusergeschichten von Nordstetten, Simbach und Rottenbuch. Das „Schneiderhan-Buch“ mit seinen zwei Teilen der Schneiderhanschen Ahnenkunde und der Häusergeschichte Nordstettens ist eine Chronik, die in dieser Form wohl kaum eine andere Gemeinde vorzuweisen hat. Im November 2015 wurde Emil Schneiderhan in Weilheim von einer Abordnung aus Nordstetten ein Heimatbuch überreicht. In der Familiengeschichte hat Schneiderhan Namen und Daten der weit verbreiteten Sippe zusammengetragen. Der Schwerpunkt der Schneiderhans liegt demnach bis heute im Württembergischen, ein bedeutender Zweig führt nach Wien. Von dort stammen die international bekannten Geigenvirtuosen Wolfgang und Walter Schneiderhan. Und 40 Familien dieses Namens sind in den USA zuhause. Für dieses umfangreiche Werk wurde Schneiderhan 1980 in Nordstetten mit der Staufermedaille des Landes Baden Württemberg geehrt.

Verfasst hat der Jubilar aber auch Haus- und Hofgeschichten von Ober- und Untersöchering sowie Artikel für die Jahrbücher „Lech-Isar-Land“ gemeinsam mit Max Biller und Mathias Eller in den Jahren 2000 und 2002.

Um seine mannigfachen Werke zu Papier zu bringen, brauchte Schneiderhan keinen Computer, er hat alles handschriftlich verfasst. Seine Forschungsarbeiten hat Schneiderhan vor circa vier Jahren eingestellt. Doch einfach die Hände in den Schoß legen, das kann er nicht. Hin und wieder bindet er noch die „Weilheimer Hefte“, unterstützt von seiner Tochter Ingrid Stocker. Auch fährt Emil Schneiderhan fast täglich mit dem Rad durch Weilheim, im Gepäck hat er meist seine Aktentasche. „Ohne sein Rad geht bei meinem Vater gar nichts“, sagt Tochter Annemarie. 

Inge Beutler

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