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„Manchmal überkommt’s uns halt...“: Herbert Pixner (2.v.r.) am Freitagabend auf der Bühne der Weilheimer Stadthalle – mit seiner Schwester Heidi an der Harfe, Gitarrist Manuel Randi und Kontrabassist Werner Unterlercher. 

„Herbert Pixner Projekt“ in Weilheim  

Klingt magisch!

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Nirgends ein Plakat, praktisch keine Werbung, und dennoch war Weilheims Stadthalle am Freitagabend restlos ausverkauft: Das „Herbert Pixner Projekt“ ist ein Phänomen.

Weilheim – Mit über 1000 ausverkauften Konzerten in den letzten zehn Jahren ist das „Herbert Pixner Projekt“ eine der erfolgreichsten Musikgruppen überhaupt im deutschsprachigen Raum, weit über die Volks- und Weltmusikszene hinaus. Wer dieses Ensemble je live erlebt hat, fährt oft weit für ein nächstes Mal. So standen nicht nur Autos aus sämtlichen Nachbarlandkreisen rund um die Stadthalle, auch viele Münchener, Augsburger, Aichacher, Ostallgäuer, Miesbacher und Traunsteiner waren nach Weilheim gekommen, um die leidenschaftlichste Musik zu genießen, die im Alpenraum zurzeit gemacht wird.

Der Südtiroler Herbert Pixner (42), als Interpret ebenso begnadet wie als Komponist, wildert nach Herzenslust, doch nie beliebig in alpiner Volksmusik und internationaler Worldmusic, in Latin und Gipsy Jazz, Rock und Blues – um daraus seinen ganz eigenen, magischen, mitreißenden Musikstil zu zaubern: von höchster Virtuosität und herrlicher Leichtigkeit, technisch raffiniert, aber nie pure Technikdemonstration, voller Herzblut, aber immer mit Augenzwinkern. Auch wenn die Stücke stets ohne Text auskommen, erzählen sie Geschichten. Und Pixner, der auch Erfahrung als Fernsehmoderator hat, erklärt sie schön trocken in seinen Ansagen: Muss man ja schließlich wissen, dass sein „Hiatabua“ nicht von Almidylle inspiriert ist, sondern von der grausligen Sage um die „Sennentuntschi“, die aus Rache drei Hirten erstochen und gehäutet hat...

Andererseits schreibt und spielt keiner schwelgerischere, melodietrunkenere Walzer als er: etwa „Herzallerliebst“, das genau so klingt wie es heißt. Und auch das Morgenrot auf einem Berggipfel wurde noch selten so anrührend in Töne gesetzt.

Ob es ganz wild wird oder ganz tief geht: Herbert Pixner – er spielt neben der mit ihm schier verwachsenen Diatonischen Harmonika auch Trompete, Flügelhorn, Saxofon und Klarinette – hat im unfassbar fingerflinken und sensiblen Gitarristen Manuel Randi einen kongenialen Partner für seine musikalischen Eskapaden. Mal umspielen sich die beiden ganz fein, mal stacheln sie sich heftig an, immer ist es ein Genuss. Harfenistin Heidi Pixner (Herberts Schwester) und Kontrabassist Werner Unterlercher liefern dazu in nobler Zurückhaltung, aber bestechender Virtuosität, Präzision und Spielfreude das Fundament, auf dem sich die zwei in der Mitte austoben können.

Das tun sie zwei Stunden lang in der Stadthalle, wo 850 Zuhörer – auch über die große Distanz zu den hinteren Reihen – ganz Ohr und völlig gebannt sind. Auch davon, dass das „Pixner Projekt“ den guten, alten Zwiefachen „Unsa oide Kath“ mit Michael Jacksons Pophit „Dirty Diana“ verbindet: „Ich hoffe, die oberbayerische Volksmusikpolizei verzeiht uns den kleinen Ausflug“, sagt Pixner hinterher, „aber manchmal überkommt’s uns halt...“.

Nach Polizeispielen freilich ist an diesem Abend keinem zumute – viel zu beseelt sind die Versammelten. Stattdessen gibt’s vor den vier Zugaben Jubel und „standing ovations“ für vier Musiker, die sich bitte auch weiterhin nicht ums Dürfen scheren mögen, sondern nur ums Fühlen und ums Tun.

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