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Gebannt verfolgten die Deutschen die Mondlandung vor dem Fernsehschirm. Das Signal kam übrigens aus dem Radom in Raisting.

21. Juli 1969 - ein Blick ins „Weilheimer Tagblatt“

Heute vor genau 50 Jahren: Als in Weilheim das Mondfieber grassierte

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Vor genau 50 Jahren herrschte Ausnahmezustand – im Landkreis Weilheim genauso wie im Rest der Welt. Drei amerikanische Astronauten schickten sich an, den Mond zu erobern. Ein Blick ins „Weilheimer Tagblatt“ vom 22. Juli 1969.

Landkreis – Am Ende ist alles eine Frage der Organisation. Einen historischen Moment will niemand verpassen. Und so organisieren sich etliche Familien im Raum Weilheim in der Nacht zum 21. Juli 1969 ihren eigenen „Wachdienst“. Einer bleibt wach und weckt die anderen, wenn es spannend wird auf dem Mond. Die Uhr zeigt, wie Peter Brandt vom „Weilheimer Tagblatt“ am 22. Juli 1969 berichtet, genau 3 Uhr, 56 Minuten und 20 Sekunden an, als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betritt.

Das Fernsehsignal kam aus Raisting

In diesem Moment sitzen Millionen Menschen in ganz Deutschland vor den Fernsehschirmen. Was damals keiner ahnt: Das Signal mit den Aufnahmen vom Mond, das damals ausgestrahlt wurde, kommt von der Erdfunkstelle in Raisting. Kollege Brandt schrieb damals noch: „Die Sendung lief über die Antenne in der englischen Grafschaft Cornwall, die Erdfunkstelle in Raisting stand in aktiver Bereitschaft.“

So betitelten unsere Kollegen 1969 ihren Text darüber, wie die Weilheimer die Mondlandung erlebten.

Die Fernseher flimmern in dieser besonderen Nacht vor 50 Jahren überall. In der Landpolizeistation in Weilheim zum Beispiel – hier haben die Beamten eine äußerst ruhige Nacht, wie das „Tagblatt“ damals zu berichten wusste. Die schweren Jungs, die sonst immer mal Ärger machen, sitzen brav vor der Flimmerkiste, nur ein leichter Zusammenstoß auf der Münchener Straße kurz vor der evangelischen Kirche wird in dieser Nacht gemeldet – da wollte sicher jemand eilig nach Hause und vor den Fernseher.

Fernseher stand im Sitzungssaal des Landratsamtes

Auch in den Ämtern und Privatfirmen werden Fernsehempfänger aufgebaut – unter anderem im Sitzungssaal des Landratsamtes. Landrat Georg Bauer schaut sich die Berichte über die Mondlandung gemeinsam mit seinen Mitarbeitern an. Später sagt er Peter Brandt vom „Weilheimer Tagblatt“: „Zwei Dinge sind mir bei der Übertragung vor allem bewusst geworden: ein mit Worten nicht zu beschreibender Eindruck von der einmaligen Präzision der Landung. Zweitens treten die Weltprobleme, die Kriege und Auseinandersetzungen unter den Menschen, im Vergleich zu dieser Landung kümmerlich zurück.“

Kinder in Volksschule hatten „Mondfrei“

Die Volksschüler dürfen sich derweil am Morgen des 21. Juli 1969 über „Mondfrei“ freuen – der Unterricht beginnt erst um 10 Uhr. Für alle Kinder, die wollen und zu Hause vielleicht keinen Fernseher haben, läuft ab 6.30 Uhr auch in der Schule ein Fernseher. Tagblatt-Reporter Brandt nutzt die Gelegenheit, die Buben und Mädchen zu fragen: „Möchtest Du jetzt auf dem Mond stehen?“

Rolf Illmann, damals 13 Jahre alt, sagt spontan „Ja!“, Werner Griegens brummt indes skeptisch: „Ob man hoit wieda runterkummt?“ Christoph Heinrich, damals zehnjähriger Schüler, beruhigt: „Da braucht man keine Angst haben. Die machen ja alles, damit die Astronauten wieder zurückkommen.“

Die „Mondbabys“ ließen sich ausreichend Zeit

Die einzigen, die sich in dieser ganz speziellen Nacht zum 21. Juli 1969 nicht aus der Ruhe bringen lassen, sind die drei Babys, die eigentlich genau zum Zeitpunkt der Mondlandung zur Welt kommen sollten. Die Wöchnerinnenstation im Krankenhaus Weilheim teilt dem Kollegen Brandt am nächsten Morgen mit: „Die drei verspäteten sich.“ Schade eigentlich: Diesen Geburtstag hätte sicher niemand vergessen.

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