Zwei Kühe gemalt in einer Karikatur
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„Alles Ansichtssache“ meint unser Karikaturist Hubert Pfeffer.

Mit Schmähpreis „ausgezeichnet“

Kritik an Hochland wegen „Freilaufkühen“ - Meinung von Landwirten überrascht

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Der Käsehersteller Hochland, der ein Werk in Schongau hat, an das viele Bauern aus der Region ihre Milch liefern, soll seine Kunden mit einem Werbeslogan getäuscht haben. Das sieht zumindest die Verbraucherorganisation Foodwatch so. Wir haben uns im Landkreis umgehört, ob Bauern und Verbände der gleichen Meinung sind.

Landkreis – Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat am Dienstag ihren Schmähpreis – den „Goldenen Windbeutel“ – an die Firma Hochland vergeben. Der Käse der Marke Grünländer habe mit dem Werbeslogan „Milch von Freilaufkühen“ die Konsumenten in die Irre geführt. Foodwatch kritisiert, dass Hochland „seiner Kundschaft ein Weide-Idyll“ vorspiele und es sich bei dem Begriff „Freilaufkühe“ um einen „reinen Fantasiebegriff“ handle. Denn die so bezeichneten Kühe laufen nicht auf einer Wiese umher, sondern können sich nur in einem Stall frei bewegen.

Wie Hochland auf Nachfrage der Heimatzeitung mitteilt, halte das Unternehmen die Kritik für nicht angemessen. Auf der Verpackung des Grünländer-Käses sei die Erläuterung des Begriffs klar dargestellt: „Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit 365 Tage im Jahr frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind.“

„Kritik vielleicht nicht ganz unberechtigt“

Bernhard Heger, Beirat im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und selbst Landwirt in Peißenberg, ist der Meinung, dass „die Kritik an Hochland vielleicht nicht ganz unberechtigt“ ist. Doch nur dem Unternehmen will er die Schuld nicht geben, weil es „ein schwieriges Thema“ ist. Nicht nur bei der Hochland-Werbung werde der Konsument oft in die Irre geführt, auch bei anderen Marken sei das der Fall. „Der Verbraucher tut sich schwer, auf den ersten Blick zu erkennen, was gemeint ist“, erklärt Heger. „Der Gesetzgeber ist gefordert, dass er festlegt, wie geworben werden darf“, meint der Landwirt.

Lucia Egner aus Obersöchering will der Firma Hochland „nicht den schwarzen Peter zuschieben“. Sie selbst ist Landwirtin und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) tätig. Es sei aktuell eh ein großes Thema, dass Kühe ohne Anbindehaltung untergebracht werden sollten. „Und da ist Hochland ja vorbildlich, wenn sie ihre Tiere nicht anbinden und frei im Stall laufen lassen“, meint die Landwirtin.

Der Verbraucher sei kritischer geworden, was bestimmte Begrifflichkeiten angehe, und das sei auch gut. „Aber er muss sich auch damit befassen, was genau damit gemeint ist“, sagt Egner. Immerhin sei der Begriff „Freilaufkühe“ eine Sache der Definition. Dieser Meinung ist Egner nicht nur, weil sie selbst als Hochlandlieferantin tätig ist, sondern „Hochland sehr bemüht ist, alle Anforderungen von Verbrauchern zu erfüllen“.

Begriff „Freilandkühe" nicht genau definiert

Der Käsehersteller schaue sehr auf artgerechte Tierhaltung und ökologische Produktionsweisen. Deswegen kann sich Egner nicht vorstellen, dass die Konsumenten die Marken von Hochland nun boykottieren.

Wolfgang Scholz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), findet, dass es keine Täuschung seitens Hochland ist. „Wenn, dann ist es nur eine unglückliche Wortwahl“, sagt Scholz. Der Begriff „Freilaufkuh“ sei zwar nicht genau definiert, aber man könne deshalb nicht gleich voraussetzen, dass die Kühe deshalb auf der Weide frei laufen können.

Doch eine regionale Betroffenheit sieht er nicht. „Die Milch, die wir zu Hochland nach Schongau liefern, wird nicht zur Produktion des Grünländers verwendet“, erklärt der BBV-Kreisobmann. Das deckt sich mit der Beschreibung auf der Hochland-Internetseite: Der Standort in Schongau sei „eine der bedeutendsten Fertigungsstätten für Frischkäse und Weißkäse“, schildert Hochland auf seiner Webseite. Es werde dort unter anderem für die Marke Almette, die ebenfalls zur Firma Hochland gehört, produziert.

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