„Horrorfahrt“ zur Entbindung

Trotz heftiger Wehen: Krankenhaus weist Hochschwangere (22) ab

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Eine Hochschwangere mit Wehen im Minutenrhythmus hat das Krankenhaus Weilheim am Mittwoch nach Weihnachten abgewiesen. Ihre Mutter musste sie in die nächste Entbindungsstation fahren. Eine „Horrorfahrt“ stand bevor.

Weilheim – Wenn Marina Brandl an jenen Mittwoch nach Weihnachten denkt, wird sie immer noch wütend. Dann spricht sie von „fehlender Hilfeleistung“, von „Note 6“, von einem „Armutszeugnis für eine wohlhabende Stadt wie Weilheim“ und von einer „Horrorfahrt“. Der Grund für den Ärger: Marina Brandl musste ihre hochschwangere Tochter, „die schon Wehen im Minutenrhythmus hatte“, in der Früh von Weilheim ins Schongauer Krankenhaus zur Entbindung fahren, weil sie im Weilheimer Krankenhaus nicht aufgenommen wurde.

In den frühen Morgenstunden wurde es bei der 22-Jährige, die bei ihrer Mutter zu Besuch war, ernst. Die Wehen wurden stärker. Und so fuhr Marina Brandl mit ihr zum Weilheimer Krankenhaus, in der Annahme, die Hochschwangere würde dort aufgrund der sich anbahnenden Geburt behandelt. Die Tochter blieb im Auto, Marina Brandl ging ins Krankenhaus, „wo ich die Situation zwei Schwestern schilderte“.

Eine habe daraufhin telefoniert. So viel sie mitbekommen habe, sei ihr dabei gesagt worden, dass ihre Tochter auf ein Zimmer gelegt werden soll. Die Schwester habe das aber kopfschüttelnd abgelehnt. Einige Zeit sei es hin- und hergegangen, schließlich sei ihr mitgeteilt worden, sie müsse mit ihrer Tochter in die Geburtshilfe nach Schongau fahren. Ein Sanka stehe nicht zur Verfügung, sei ihr auf Nachfrage gesagt worden.

So machte sich Marina Brandl gegen 6 Uhr mit ihrer Tochter auf den Weg, „Es war eine schreckliche Fahrt“, sagt sie. Im Schongauer Krankenhaus habe das Personal zwar nichts von ihrer Ankunft gewusst, „doch es war sofort eine wunderbare Aufnahme“, alles sei „absolut bestens gelaufen“. Um 8.24 Uhr kam der kleine Bub auf der Welt.

Laut Isa Berndt, Sprecherin der Krankenhaus GmbH, waren seit Schließung der Geburtshilfe am 1. Oktober bis zum 31. Dezember immer ein Gynäkologe und eine Hebamme für den Notfall erreichbar. Es seien vier Geburten vorgenommen worden, wobei bei allen zwischen Aufnahme und Entbindung keine Stunde mehr vergangen sei.

Zum Fall des Enkelkindes von Marina Brandl sagt Isa Berndt, dass es für solche Fälle eine klare Handlungsanweisung gebe und eine Gynäkologin eingeschaltet gewesen sei. Die Klinik habe die Schwangere nicht in Schongau anmelden können, da nicht klar geworden sei, wohin Marina Brandl mit ihrer Tochter fahren will. Auch wenn die Entbindung in Weilheim erfolgt wäre, hätten Mutter und Kind nach Schongau verlegt werden müssen, da die Station mit dem Fachpersonal in Weilheim über die Feiertage geschlossen gewesen sei.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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