Segen für ein „Meisterwerk“: Die 46 Meter lange Geh- und Radwegebrücke bei Oderding wurde von Pfarrerin Sabine Nagel und Monsignore Herbert Kellermann feierlich geweiht.
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Segen für ein „Meisterwerk“: Die 46 Meter lange Geh- und Radwegebrücke bei Oderding wurde von Pfarrerin Sabine Nagel und Monsignore Herbert Kellermann feierlich geweiht.

Geh- und Radwegbrücke wird eingeweiht

Holzbrücke in Oderding: Ein Meisterwerk nach Schweizer Art

  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Jetzt hat sie auch den kirchlichen Segen erhalten: Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie wurde die neue Oderdinger Radlbrücke offiziell eingeweiht. Die 46 Meter lange Stahl-Holzkonstruktion wurde in den Festreden als „großartiges Meisterwerk“ gelobt. Die Brücke soll nun mehrere hundert Jahre halten – mindestens.

Oderding – Es war ein Riesenspektakel, als Ende Juli die neue Geh- und Radwegebrücke über die Ammer bei Oderding per Schwerlastkran eingehoben wurde. Seitdem wird der von der Uffinger Zimmerei Will vorgefertigte Steg bereits rege genutzt, von Spaziergängern, Fahrradfahrern, Sportlern des SV Polling, die zum Oderdinger Sportplatzgelände radeln, und seit dieser Woche auch von den Oderdinger Schulkindern. Damit ist das gefährliche Nadelöhr an der Staatsstraßenbrücke mit dem engen Seitenstreifen direkt neben der Fahrbahn endgültig Geschichte.

Es waren mühsame Verhandlungen, bis die Planungen im Jahr 2018 endlich konkret wurden. „Elf Jahre haben wir auf diesen Tag warten müssen“, resümierte Bürgermeister Martin Pape in seiner Einweihungsrede. Erst ein personeller Wechsel an der Spitze des Staatlichen Bauamts habe den entscheidenden Durchbruch gebracht – und den Standort direkt neben der Staatsstraßenbrücke ermöglicht.

Seit Langem sicherheitstechnische Bedenken

Der erste Antrag auf Errichtung einer Radlbrücke wurde 2010 von zwei Oderdinger Bürgern gestellt. Doch sicherheitstechnische Bedenken gab es schon lange Zeit davor. Monsignore Herbert Kellermann, der aus Oderding stammt und zusammen mit Pfarrerin Sabine Nagel die ökumenische Segnung der Brücke vornahm, erinnerte an 1946, das Jahr seiner Einschulung: „Da musste ich jeden Morgen mit meinen Kameraden von Oderding nach Polling über die alte Ammerbrücke und die alte Straße gehen – das war schon damals gefährlich, auch wenn es weniger Straßenverkehr gegeben hat.“ Wie Landrätin Andrea Jochner-Weiß in ihrem Grußwort betonte, sei der Brückenschlag nicht nur für die Gemeinde Polling, sondern für den gesamten Landkreis ein „großartiges Ereignis“. Nun könne man „mit dem Rad in einem Zug von Peißenberg nach Weilheim fahren“. Der neue Steg sei eine „filigrane Meisterleistung“ und ein „Brückenschlag in eine neue Zeit“: Jochner-Weiß spielte damit auf die Mobilitätswende und die Forcierung des Radverkehrs an.

Ein „Identifikationsobjekt für das Oberland“

Auch Christoph Prause geriet in seinem Grußwort ins Schwärmen. Durch das verwendete Material und ihre Kubatur sei die Brücke ein „Identifikationsobjekt für das Oberland“. Der Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt für den Fachbereich „Brücken- und Ingenieurbau“ erklärte, dass er für 890 Brücken in fünf Landkreisen zuständig sei: „Darunter sind gerade einmal vier Holzbrücken – aber keine in der Dimension.“ Die Gemeinde habe „sehr, sehr viel Glück“, dass die Brücke ein Bestandteil des „staatstraßenbegleitenden Radwegs“ sei. Damit falle die Baulast automatisch in den Zuständigkeitsbereich des Bauamts. Planerisch war der Brückenschlag alles andere als einfach. Die Spannweite und die Einhaltung eines Freibords für etwaige Ammer-Hochwasser stellten die Ingenieure vor Herausforderungen. Bei den Ursprungs-entwürfen lag die Tragkonstruktion unter der Brücke. Das hätte aber zur Folge gehabt, dass die Brücke extrem hoch geworden wäre. „Mir sind dann die alten Holzbrücken in der Schweiz und in Österreich eingefallen“, erzählte Fachwerksplaner Franz Ostler (OK Ingenieure; Lenggries): „Da fährt oder geht man als Passant in der Brückenkonstruktion durch.“

Fachwerksplaner wollte schon immer Holzbrücke bauen

Und eine Holzbrücke wollte Ostler schon immer bauen – er musste nur noch das Staatliche Bauamt überzeugen. Aufgrund der Unterhaltskosten sind die Behörden beim Baustoff „Holz“ eigentlich eher zurückhaltend – doch Ostler hatte die Lösung: „Ich habe gesagt, ‘wir bauen ein Dach drüber und hausen sie ein, dann haben wir einen Holzschutz und die Brücke hebt ein paar hundert Jahre‘.“ Ostler lobte das Zusammenspiel von regionalen Fachbüros und Unternehmern. Und richtete einen Appell an die große Politik, respektive CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der bei der Feierzeremonie anwesend war: „Es wäre nett, wenn Sie sich in Zukunft bezüglich der Vergabeverfahren dafür einsetzen könnten, dass auch so kleine Büros wie wir solche Bauwerke planen und auch ohne staatliche Aufträge umsetzen können.“

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